• PROGRAMM
  • AKTUELL
  • MEDIATHEK
  • MUSIK
  • SERVICE
  • BERLIN
  • KONTAKT

Anmelden

  • Berlin

  • Deutschland/Welt

  • Sport

  • Polizei Aktuell

  • Rückrufaktionen

  • Jochens Hertha-Tipp

  • BER Aktuell

  • Berlinale

  • Jahresrückblick 2011

  • FIFA Frauen-WM 2011

  • Startseite
  • Aktuell
  • Berlin
  • Berliner Charité wird 300 Jahre alt

BERLIN

 

06.01.2010 | Berlin (dpa)

Vom Armenhaus zum Ort für Hochleistungsmedizin - Charité wird 300

Es müssen unvorstellbare Zustände gewesen sein: In den Krankenhauszimmern wimmerten die Patienten, unter dem Bett standen Schüsseln mit blutigen Verbänden und Exkrementen und aus dem Operationssaal hallten markdurchdringende Schreie von Menschen, an denen gerade ohne Narkose herumgeschnitten wurde. So oder so ähnlich sah es wohl um 1710 in der Charité aus - einem zweigeschossigen Fachwerkbau, zu dem Gärten, ein Brauhaus und Tierställe gehörten. Heute ist die Charité ein Universitätsklinikum für Hochleistungsmedizin von Weltruf mit mehr als 100 Kliniken und Instituten. In diesem Jahr (2010) wird ihr 300-jähriges Bestehen gefeiert.

Auslöser für die Gründung war eine Pestwelle, die auf die Grenzen Preußens zurollte. König Friedrich I. wollte seine Bürger schützen und ließ in einer Wiesen- und Ackergegend vor den Toren Berlins - in dem heutigen Areal zwischen der Luisen- und Schumannstraße -, das «Pesthaus» errichten. Die Pest kam glücklicherweise nie und das Gebäude wurde als Armenhaus und zur Versorgung Kranker genutzt.

Es folgten drei Jahrhunderte voller Höhen und Tiefen. Schon wenige Jahre nach der Gründung war die Bevölkerung Berlins sprunghaft gewachsen, das Krankenhaus platzte aus alles Nähten. Auch die medizinische Versorgung der Kranken war schwierig. Ausgebildete Krankenschwestern und Hebammen gab es kaum. Dafür arbeiteten in der Klinik Laien-Helfer, darunter angeblich Prostituierte, die ihr Gewerbe selbst im Krankenhaus weiterbetrieben. Kein wirklich guter Ort zum Gesundwerden. Die Reichen mieden die Charité daher meist ganz und holten sich den Arzt lieber ins Haus.

1785 ordnete König Friedrich II. jedoch einen großen Neubau auf dem Gelände an. Schon bald darauf erarbeitete sich die Charité einen Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus, wegweisende medizinische Glanzleistungen folgten: Robert Koch entdeckte die Tuberkulose-Erreger, Rudolf Virchow entwickelte seine Zellularpathologie und Hermann von Helmholtz erfand den Augenspiegel - um nur einige große Namen zu nennen. Zahlreiche Forscher aus fernen Ländern wie Japan kamen, um von der Medizin-Elite zu lernen.

 

Doch diese «Goldenen Zeiten», wie der Direktor des Medizinhistorischen Museums der Charité, Thomas Schnalke, die Jahrzehnte nach 1840 nennt, gingen mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten abrupt zu Ende. Die Charité entließ zahlreiche
verdienstvolle Mitarbeiter - weil sie Juden waren. Viele gingen ins Exil, andere starben im Konzentrationslager. Ende des Zweiten Weltkrieges stand die Charité auch optisch vor ihren Trümmern: Rund 90 Prozent der Bausubstanz waren durch Bomben beschädigt. «Mit dem Krieg war die Charité auf ihrem absoluten Tiefpunkt», sagt Schnalke.

Davon konnte sich das Klinikum nur mühsam erholen. Erst Ende der 70er Jahre wurde die Einrichtung laut Schnalke über DDR-Grenzen hinaus wieder anerkannt. Das sollte auch im Westen zu sehen sein, fand die DDR-Führung und beschloss den Neubau eines 20-stöckigen Bettenhochhauses. Der 1982 fertig gestellte Steinkoloss war schon aus der Ferne zu erkennen und gilt noch immer als Wahrzeichen der Uniklinik.

Heute protzt die Charité gerne wieder mit Superlativen. Durch den Zusammenschluss und die Fusionierung mit mehreren anderen Kliniken wurde die Charité nach der Wende zu einer der größten Universitätskliniken Europas. An vier Standorten in verschiedenen
Bezirken gibt es über 100 Kliniken und Institute. Dort werden monatlich rund 6900 Operationen durchgeführt, jedes Jahr versorgt die Charité etwa 130 500 stationäre und 530 200 ambulante Fälle. Und mit seinen rund 14 500 Mitarbeitern erwirtschaftet das Klinikum eigenen Angaben zufolge rund eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr.

Trotzdem blickt die Charité unsicheren Zeiten entgegen. Am Bettenhochhaus bröckelt mittlerweile mehr als nur der Putz. Das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig. Allein für die Sanierung aller Standorte fordert Charité-Chef Karl Max Einhäupl 650 Millionen Euro. Danach seien rund 100 Millionen Euro jährlich für Instandhaltung und Modernisierung notwendig. Ob das angesichts der knappen Haushaltskasse der Stadt allerdings zu verwirklichen ist, bleibt fraglich. Doch die Charité hat in ihrer 300-jährigen Geschichte schließlich schon so manche Krise überwunden.

 

Mehr Informationen finden Sie unter charite300.charite.de

 

06.01.2010 |  Berlin (dpa)

Hintergrund: Chronologie - Die Charité von 1710 bis heute

Das Berliner Universitätsklinikum Charité feiert in diesem Jahr (2010) sein 300-jähriges Bestehen. Eine Chronologie:

- 1710: Gründung eines Pesthauses vor den Toren der Stadt Berlin

- 1727: Der preußische König Friedrich I. bestimmt: «es soll das haus die charité heißen» (Charité heißt auf Französisch «Barmherzigkeit»); außerdem Ausbau zu Militärlazarett mit Ausbildungsstätte

- 1785 bis 1800: Neubau der Charité

- 1810: Gründung der Berliner Universität mit Medizinischer Fakultät. Die Charité wird als Universitätsklinikum übernommen.

- 1896 bis 1917: Das heute denkmalgeschützte Gebäudeensemble aus rotem Backstein entsteht.

- 1933 bis 1945: Entlassung zahlreicher jüdischer Forscherinnen und Forscher

- nach 1945:
Wiederaufbau der Charité

- 1976 bis 1982: Neubau des Charité-Hochhauses und Umbau der alten Gebäude

- nach der Wende: Neustrukturierung der Charité nach dem Berliner Hochschulgesetz

- 1997/98:
Abschluss der Fusion mit dem Rudolf-Virchow-Klinikum der Freien Universität unter dem Dach der Humboldt-Universität zu Berlin

- 2001: Die Bereiche Forschung und Lehre der Robert-Rössle- und der Franz-Volhard-Klinik in Berlin-Buch werden in die Charité integriert.

- 2003:
Durch die Fusion mit dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität entsteht die «Charité -
Universitätsmedizin Berlin».

 

Kommentare

Mediathek
  • Impressum
  • AGB
  • Werbung
  • Newsletter
  • Kontakt
  • Linktipps
  • Datenschutz
  • Sitemap