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BERLIN

 

06.01.2010 | Berlin (dpa)

Besonders viele Kranke in Berlin und Brandenburg

Berliner und Brandenburger sind spürbar häufiger krank als Beschäftigte in anderen Bundesländern. Am häufigsten leiden sie unter Rückenproblemen und anderen Muskel- und Skelett- Beschwerden. Deutlich mehr Berliner als Brandenburger sind auch von psychischen Leiden betroffen. Das geht aus dem ersten länderübergreifenden Gesundheitsbericht hervor, den die Krankenkassen AOK und Barmer am Mittwoch vorstellten. Aus den Daten von rund 619 000 Versicherten - fast einem Viertel aller Arbeitnehmer in Berlin und Brandenburg - errechneten sie für 2008 einen Krankenstand von 4,7 Prozent. Für 2009 gehe den Trend in dieselbe Richtung. Der Bundesdurchschnitt beim Krankenstand liegt bei nur 3,4 Prozent.

Damit entwickelt sich die Region deutlich anders als der Rest der Republik. In vielen anderen Bundesländern gehen Krankmeldungen eher zurück oder stagnieren. In Berlin und Brandenburg liegt ihre Zahl nicht nur höher, zur Überraschung der Kassen steigt sie auch noch kontinuierlich an: von 4,4 Prozent im Jahr 2006 über 4,6 Prozent im Jahr 2007 auf 4,7 Prozent im Jahr 2008. Als Branchen besonders betroffen sind der Gesundheitsbereich und der öffentliche Dienst mit Verwaltung, Hochschulen, Schulen und Kitas. In Berlin hatten die Bezirke Neukölln und Reinickendorf 2008 mit über 5 Prozent die höchsten Krankenstände, in Brandenburg war es die Stadt Frankfurt (Oder), dicht gefolgt von der Region Oderland/Spree.

Für bedenklich halten die Kassen in beiden Länder die hohen Fehlzeiten wegen Muskel- und Skeletterkrankungen, die mehr als ein Fünftel aller Krankheitstage ausmachen. Mit 15 Prozent schlagen in Berlin inzwischen auch psychische Erkrankungen bei Fehltagen zu Buche. In Brandenburg sind es rund 11 Prozent. Die Kassen gehen davon aus, dass der Faktor Stress in einer Metropole wie Berlin dabei eine große Rolle spielt.

Den Unterschied zur Bundes-Krankenstatistik erklären sich die Krankenkassen damit, dass in Berlin die «anfälligsten» Branchen besonders groß sind: Öffentlicher Dienst und Gesundheit. Im Pflegebereich mache sich bereits der Fachkräftemangel bemerkbar, sagte Gerd Westermayer von der Gesellschaft für Betriebliche Gesundheitsförderung, der den Bericht für die Kassen erstellt hat. Der Sektor wachse weiter und die Belastungen der Mitarbeiter stiegen ständig. «Man kann hier nicht so optimieren wie in der Industrie», sagte er. «Ein Patient ist kein Produkt.» Der öffentliche Dienst überaltere nicht nur zunehmend, die Mitarbeiter seien auch höheren Anforderungen und Belastungen ausgesetzt als früher.

Hohe Krankenstände gibt es aber auch bei Reinigungsdiensten, im Gastgewerbe und im Einzelhandel. Schichtarbeiter trifft es oft besonders hart. Eine solide Ausbildung hilft hingegen laut Statistik auch in schwierigen Zeiten gesünder zu bleiben.

Arbeitgeber könnten gegen die Negativ-Entwicklung durchaus etwas tun, bekräftigten die Kassen. Das Betriebsklima, von zumutbarer Arbeitsbelastung und Kollegialität bis hin zu rückenfreundlichen Möbeln und guter Luft, spiele für die Gesundheit der Mitarbeiter eine große Rolle. Drohungen, zum Beispiel mit Jobverlust, bewirkten das Gegenteil, berichtete Westermayer. «Dann geht der Krankenstand zwar erst einmal zurück, steigt später aber umso deutlicher an.» Nach Berechnungen der Kassen lassen sich durch jeden Euro, der in die Gesundheit der Mitarbeiter investiert wird, später 3 bis 5 Euro einsparen. Fehlzeiten ließen sich bei geeigneten Maßnahmen sogar um das 2- bis 10-fache senken.

 

www.barmer.de

www.aok.de

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