BERLIN

06.01.2010 | Berlin (dpa)
S-Bahn verlangt Fahrgästen viel Geduld ab
Weniger und teils verspätete Züge, überfüllte Wagen und kaum Aussicht auf baldige Besserung der Verkehrssituation - die Berliner S-Bahn verlangte ihren gereizten Fahrgästen auch am Mittwoch viel Geduld ab. Aus Sicht der Berliner CDU sollte der Senat zum Ausgleich für kürzere Taktzeiten bei Bussen, Tram- und U-Bahnlinien der BVG sorgen. Zudem sollten Autofahrer für Parkgebühren vorerst nicht mehr zur Kasse gebeten werden und auch die Fahrverbote in der Umweltzone vorläufig nicht mehr gelten. Die FDP forderte den Senat erneut auf, bei der S-Bahn eine weitere Entschädigung für Fahrgäste durchzusetzen. Denkbar sei, an 12 Wochenenden im Jahr Bahnen und Busse in der Stadt kostenlos fahren zu lassen.
Der Verkehrsausschuss des Bundestages wird sich voraussichtlich am 24. Februar mit der Berliner S-Bahn-Krise beschäftigen. Für diesen Tag ist Bahnchef Rüdiger Grube zur Ausschusssitzung geladen. Er soll dann befragt werden, wie er sich eine dauerhafte Krisenlösung vorstellt. Die Berliner S-Bahn ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn.
In der Senatskoalition gibt es Überlegungen, den S-Bahnbetrieb in die Regie des Landes zu übernehmen. Die möglichen Kosten einer Übernahme werden in den zuständigen Senatsverwaltungen noch durchgerechnet. Allerdings gibt es bisher keine Signale, dass sich der Bahnkonzern von seiner Tochter trennen würde. Alternativ wird in der Koalition auch über eine Ausschreibung des S-Bahn-Verkehrs nachgedacht. Dann könnten nach Auslaufen des geltenden Verkehrsvertrages 2017 eventuell auch andere Anbieter als die Deutsche Bahn zum Zuge kommen.
Die Entscheidung, ob ausgeschrieben wird, soll nicht - wie ursprünglich vorgesehen - erst 2011, sondern bereits in wenigen Monaten fallen. Die Opposition im Abgeordnetenhaus fordert seit langem eine Ausschreibung in Teilnetzen und dringt auch auf eine sofortige Kündigung des Verkehrsvertrages. Senatsvertreter gaben aber mehrfach zu bedenken, dass sich kein Bahnunternehmen so schnell den notwendigen Fuhrpark besorgen könne, um die Deutschen Bahn im S-Bahn-Netz kurzfristig zu ersetzen.
Aufgrund der Sicherheitsüberprüfungen und Austauschaktionen an Rädern, Achsen und Bremsen sowie witterungsbedingter Störungen hatte die S-Bahn nach Angaben eines Bahnsprechers am Mittwoch weiterhin nur rund 600 Wagen im Einsatz. Vor der S-Bahn-Krise waren es werktags etwa 1100 gewesen. Die S 1 verkehrte am Mittwoch nur zwischen Zehlendorf und Nordbahnhof und die S 2 nur zwischen Buch und Nordbahnhof jeweils im 10-Minuten-Takt, ansonsten nur alle 20 Minuten. Dafür fuhr die S 9 wieder zwischen Schönefeld und Pankow und die S 46 bediente wieder die Strecke zwischen Königs Wusterhausen und Westend. Die S 45 und die S 85 sind seit Sommer völlig außer Betrieb.

Um die Wartungskapazitäten zu erhöhen, will die S-Bahn noch im Januar die stillgelegte Werkstatt Friedrichsfelde wieder in Betrieb nehmen. Ein genauer Termin für die ebenfalls angekündigte Wiedereröffnung der Werkstatt Erkner steht nach Angaben eines Bahnsprechers noch nicht fest.
Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici, sprach sich auch dafür aus, die Strecke zwischen Südkreuz über Hauptbahnhof und Gesundbrunnen wieder mit ausgeliehenen S-Bahnen aus dem Bundesgebiet zu bedienen und Fernzüge am Bahnhof Zoo halten zu lassen. FDP-Fraktionschef Christoph Meyer, verwies darauf, dass kostenlose Wochenendfahrten in Bahnen und Bussen auch ein interessanter Standortvorteil für die Tourismusbranche Berlins sein würden.






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