BERLIN

07.01.2010 | Berlin (dpa)
Die Sekundarschule kommt - Schulreform beschlossen
Die Schulreform des rot-roten Berliner Senats hat am Donnerstag im Abgeordnetenhaus die erste Hürde genommen. Mit den Stimmen von SPD und Linken beschloss der Bildungsausschuss am Donnerstag, die Integrierte Sekundarschule einzuführen. Sie tritt als einzige weiterführende Schule neben das Gymnasium. Haupt-, Real- und Gesamtschulen werden abgeschafft. Die Sekundarschule soll alle Abschlüsse ermöglichen, auch das Abitur. Teile der Reform sind in Berlin heftig umstritten: So entscheidet künftig über einen Teil der Plätze an begehrten Gymnasien und Sekundarschulen das Los.
Nach Angaben der SPD-Bildungspolitikerin Felicitas Tesch enthielten sich die Grünen im Ausschuss der Stimme, CDU und FDP stimmten gegen die Reform. Das Plenum des Landesparlaments kann das Gesetz nun schon in der nächsten Woche verabschieden. «Ich bin erleichtert», sagte Tesch.

Die Reform hatte im vergangenen Jahr auch innerhalb der Regierungsfraktionen für erregte Debatten gesorgt, mehrfach musste Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) Änderungen seiner Pläne hinnehmen. Die Losquote soll die von der Linken geforderten soziale Durchmischung der Gymnasien gewährleisten. Die SPD setzte dagegen ein Probejahr am Gymnasium durch. Im Bundestagswahlkampf hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Vorhaben kritisiert.
Die Berliner Bezirke wandeln nun bis zum Sommer ihre Haupt-, Real- und Gesamtschulen in 105 Sekundarschulen um, zum Teil sind Fusionen geplant. Mindestens 20 Schulgebäude werden aufgegeben. Parallel läuft als Pilotprojekt die Gemeinschaftschule weiter. An künftig 16 Schulen lernen von der 1. bis mindestens zur 10. Klasse jeweils alle Schüler eines Jahrgangs gemeinsam.
Dass die Reform umstritten bleibt, zeigt ein Termin an diesem Freitag. Als Antwort auf den Beschluss wollen sich mehrere Verbände zum Aktionsbündnis gegliedertes Schulwesen Berlin-Brandenburg zusammenschließen. Darunter sind die Landesverbände des Deutschen Philologenverbands und des Verbandes Deutscher Realschullehrer. Sie heben hervor: «Ein höhere Leistungsfähigkeit möglichst homogener Lerngruppen im gegliederten Schulwesen gegenüber heterogenen Einheitsschulen oder zweigliedrigen Schulsystemen ist empirisch belegt.»




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