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BERLIN

 

11.01.2010 | Berlin (dpa/bb)

Lebenslange Haft für «Briefkastenbomber» beantragt

Nach dem Briefbombenanschlag auf die Berliner Schülerin Charlyn soll der Onkel des Mädchens nach Forderung der Staatsanwaltschaft wegen Mordversuchs lebenslang in Haft. Der 33-jährige Angeklagte habe aus Hass auf Charlyns Eltern gehandelt, argumentierte der Ankläger am Montag vor dem Berliner Landgericht in seinem Plädoyer. Das Mädchen habe er nicht treffen wollen. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzten gesorgt.

Die Katastrophe nahm ihren Lauf, als die damals zwölf Jahre alte Charlyn Ende November 2008 einen Brief mit dem Aufkleber «Frohe Weihnachten» aus dem Briefkasten der elterlichen Wohnung im Stadtteil Rudow zog. Ein Sprengsatz in dem Umschlag explodierte. Charlyn erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ihr zerfetzter Arm wurde durch zahlreiche Operationen gerettet. Aber nach den Worten des Staatsanwalts ist noch immer ungewiss, ob das Mädchen den Arm jemals wieder so gebrauchen können wird wie vor dem Unglück. Eine weitere Operation lehnt Charlyn derzeit ab.

«Das Mädchen hatte Glück im Unglück», sagte der Staatsanwalt. «Wären Kopf oder Körper getroffen worden, wäre das Mädchen unabdingbar gestorben.»

Aus Sicht der Ermittlungsbehörde hatte der 33-Jährige seine Schwester und seinen Schwager fälschlicherweise für einen Einbruch in seine Wohnung an Weihnachten 2007 verantwortlich gemacht. Mit der Briefbombe habe er Selbstjustiz üben wollen. Eine weitere Bombe hatte er auf dem Autodach des Schwagers abgestellt, ohne dass es zu einer Detonation kam.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer Persönlichkeitsstörung des arbeitslosen Angeklagten aus. Dennoch sei er strafrechtlich in vollem Umfang für die Tat verantwortlich. Er habe um die Sprengkraft der selbst gebauten Bomben gewusst. Die Darstellung des 33-Jährigen, er habe nur verletzen wollen, wertete der Ankläger als Schutzbehauptung. Der Mann habe töten wollen.

Für diesen Mittwoch wird das Plädoyer der Verteidigung erwartet. Ein Termin für die Urteilsverkündung ist noch nicht festgesetzt.

 

Das verletzte Mädchen war Gast bei Jochen Trus am Morgen. Alle Infos...»

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