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BERLIN

 

04.02.2010 |  Potsdam/Berlin (dpa)

Unter Rockern droht neue Welle der Gewalt

Nach den blutigen Auseinandersetzungen zwischen «Hells Angels» und «Bandidos» in jüngster Zeit droht jetzt in Berlin eine neue Welle der Gewalt zwischen den beiden verfeindeten Rockergruppen. Wie am Donnerstag bekanntwurde, liefen in dieser Woche mehr als 70 Mitglieder der «Bandidos» zu den verfeindeten «Hells Angels» über. Nach Informationen des «Tagesspiegels» (Freitag) schlossen sich die Überläufer den «Hells Angels Türkei» an. Damit agieren die Ex-«Bandidos» als Sektion der türkischen «Höllenengel» in Deutschland. Das sagte der Chef und Mitbegründer der deutschen «Hells Angels», Rudolf «Django» T., der Zeitung.

«Das ist eine eindeutige Schwächung der "Bandidos" und eine Kräfteverschiebung zugunsten der "Hells Angels"», sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsinnenverwaltung am Donnerstag. Die Polizei befürchtet nun eine Eskalation des Rockerkrieges in der Region. «Wir sehen den Wechsel mit Besorgnis», sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. «Es könnte sein, dass sich die verbliebenen "Bandidos" an ihren abtrünnigen Mitgliedern rächen werden. Es könnte zu Vergeltungsschlägen kommen.»

Zwischen den verfeindeten Rockergruppen war es in der Vergangenheit immer wieder zu Gewalttaten gekommen. So wurde beispielsweise im vergangenen August in Berlin-Hohenschönhausen ein 33 Jahre alter Rocker auf der Straße erschossen. Das Opfer soll ein früheres Mitglied der «Hells Angels» gewesen sein, das zu den «Bandidos» übergelaufen war. In Duisburg wurde ein 32-Jähriger vor dem Duisburger «Bandidos»-Hauptsitz erschossen; der Täter soll aus dem Umkreis der «Hells Angels» stammen.

In Berlin besteht die Szene nach Angaben der Innenverwaltung vom November aus etwa 40 Clubs. Polizeibekannt waren gut 700 Mitglieder, die teilweise mit Drogen- oder Gewalt-Delikten auffällig wurden.

Berlin (dpa)

Chronologie: Gewalttaten zwischen «Hells Angels» und «Bandidos»

Zwischen den verfeindeten Rockergruppen «Hells Angels» und «Bandidos» kommt es bundesweit immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Ermittler gehen davon aus, dass es dabei auch um das Abstecken von Revieren für Rauschgifthandel und illegale Prostitution geht. Eine Chronologie der vergangenen Jahre:

 

31. Oktober 2009: Im Duisburger Rotlichtviertel liefern sich «Hells Angels» und «Bandidos» eine Massenschlägerei. Wenige Stunden später wird in das Solinger Clubhaus der «Hells Angels» eine Handgranate geworfen, die jedoch nicht detoniert.

8. Oktober 2009: Ein 32-Jähriger wird vor dem Duisburger «Bandidos»-Hauptsitz erschossen. Der Täter soll aus dem Umkreis der «Hells Angels» stammen.

13. August 2009: Ein 33-jähriger Rocker wird in Berlin auf offener Straße erschossen. Das Opfer soll ein früheres Mitglied der «Hells Angels» gewesen sein, das zu den «Bandidos» übergelaufen war. Die Polizei ist einem mutmaßlichen Täter auf der Spur - einem «Hells Angels»-Mitglied aus Brandenburg -, hat ihn aber noch nicht gefasst.

21. Juni 2009: «Bandidos» überfallen mit Macheten, Messern und Baseballschlägern Mitglieder der «Hells Angels» im brandenburgischen Finowfurt. Vier von ihnen erleiden schwerste Verletzungen, einem wurde durch einen Machetenhieb fast ein Bein abgetrennt.

9. Februar 2008: Etwa 15 bis 20 «Hells Angels» überfallen in Cottbus einen «Bandidos»-Rocker, der mit seiner Familie spazieren geht. Der Mann schießt auf die Angreifer und verletzt einen schwer. Im Prozess wird er vom Vorwurf des versuchten Totschlags
freigesprochen.

23. Mai 2007: Im Münsterland wird ein 47 Jahre alter «Hells Angel» in seinem Motorradladen erschossen. Zwei «Bandidos» werden festgenommen und vor Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

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