BERLIN

12.02.2010 | Berlin (dpa)
Mord an Millionär: Lebenslange Haftstrafen
Im Indizienprozess um den Mord an einem Millionär auf der Berliner Fischerinsel sind die Angeklagten am Freitag zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Der 32-jährige Bauunternehmer und sein 47-jähriger Bauleiter sind nach Überzeugung des Berliner Landgerichts als Anstifter für den Tod des 59-jährigen Immobilienmaklers verantwortlich. Der Millionär wurde am 3. November 2008 bei einem Spaziergang erschossen. Der mutmaßliche Killer wurde im März 2009 nach seiner Flucht in Indien gefasst. Laut Anklage machten die Männer den Unternehmer für ihre geschäftliche Misere verantwortlich. Beide hatten einen Mordauftrag jedoch bestritten.
Der mutmaßliche Killer, ein früherer Fremdenlegionär aus dem Bekanntenkreis des 47-jährigen Bauleiters, sitzt derzeit noch in Indien in Auslieferungshaft. Der gebürtige Pole hatte die Tat mehreren Personen gestanden. Der mutmaßliche Täter war äußerst brutal vorgegangen. Ein Schuss traf den gebürtigen Westfalen aus 25 Zentimeter Entfernung von hinten ins Herz. Es folgte ein Kopfschuss. Der Mann hatte keine Chance.
Die im Prozess vor dem Berliner Landgericht Angeklagten haben beschlossen, den Makler von einem Killer beseitigen zu lassen, urteilte Richterin Gabriele Strobel. Aus ihrer Sicht war der Mann ein Störfaktor, der ihren Traum vom Reichtum zum Platzen bringt.

Die Angeklagten hatten die Vorwürfe bestritten und Freisprüche verlangt. Angeblich hatten sie lediglich den Auftrag erteilt, den Mann ins Koma zu prügeln. Nach achtmonatiger Beweisaufnahme hatte das Gericht keine Zweifel, dass die Männer den Makler dauerhaft aus dem Verkehr ziehen wollten. Insgesamt seien 25 000 bis 30 000 Euro Killerlohn geflossen.
Durch Einmischung des späteren Opfers in ihr partnerschaftlich geführtes Geschäft befürchteten die Angeklagten im Sommer 2008 den Supergau, erläuterte Richterin Strobel den Hintergrund der Tat. Die kleine Berliner Firma sei auf eine Goldgrube gestoßen, als sie von einem dänischen Unternehmen einen Auftrag zu Wohnungssanierungen im Volumen von 4 Millionen Euro ergattert hatten. Der Makler, der als Verwalter für die Dänen arbeitete, stieß auf Mängel. Nachdem er die Gesellschaft informiert hatte, wurden auf seine Veranlassung hin ausstehende Zahlungen an die Angeklagten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro gestoppt. Vergleichsverhandlungen scheiterten.
Für die Angeklagten war der Makler die treibende Kraft zu ihrem bevorstehenden Ruin, argumentierte Strobel: «Er war ein harter Hund, der seine Interessen durchsetzte und auch künftig durchsetzen würde». In dieser Situation sei der Entschluss gereift, den Mann beseitigen zu lassen.
Lange Zeit herrschte Rätselraten um den Mord an dem Millionär. Ein Bekannter des Fremdenlegionärs hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Der Zeuge hatte den Bauleiter eigenen Angaben nach im Auftrag des Killers um weitere Zahlungen erpresst. Dann bekam er kalte Füße und informierte die Polizei, sagte Strobel.




Kommentare