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BERLIN

 

24.02.2010 | Berlin (mit dpa)

Unterschiedliche Reaktionen auf S-Bahn-Ermittlungen

Der Ermittlungsbericht zu den Ursachen für das Chaos bei der Berliner S-Bahn wurde unterschiedlich aufgenommen.

Bahn-Kritiker sehen im Sparkurs der Deutschen Bahn unter Hartmut Mehdorn die Hauptursache für das Desaster bei der Berliner S-Bahn-Tochter. So führt der S-Bahn Betriebsratschef Heiner Wegner das Chaos bei der Berliner S-Bahn vor allem auf Entscheidungen im Bahn Mutterkonzern zurück.  Gegenüber der Nachrichtenagentur ddp sagte Wegner, der am Dienstag vorgelegte Prüfbericht mache ihn "wütend", da er alle Schuld auf die S-Bahn schiebe.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte am Dienstag, er sei entschlossen, zusammen mit Bahnchef Rüdiger Grube «aufzuräumen». Dazu gehörten auch staatsanwaltliche Ermittlungen und das strafrechtliche Verfolgen von menschlichem Versagen. Fehlende Wartung und Kontrollen seien «eklatante Fehlleistungen». Der Bahnhersteller Bombardier hat Kritik an seinen Fahrzeugen zurückgewiesen. Die Fahrzeuge der Baureihe 481/482 seien ordnungsgemäß nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik konstruiert und gebaut worden, hieß es.

23.02.2010 | Berlin (dpa)

Deutsche Bahn ordnet S-Bahnen im Konzern neu

Konsequenz aus der monatelangen Pannenserie: Die Berliner S-Bahn verliert ihre Sonderstellung im bundeseigenen Bahnkonzern. Die Tochtergesellschaft wird ebenso wie die Hamburger S- Bahn zum 1. März ins Geschäftsfeld Regionalverkehr eingegliedert. Dies solle sicherstellen, dass die einheitlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards der Deutschen Bahn auch bei der S-Bahn Berlin durchgesetzt werden, wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Dienstag in Berlin erläuterte.

Zudem richtet der Konzern eine neue Betriebseinheit Technische Revision ein. Sie soll künftig alle sicherheitsrelevanten Prozesse überwachen und wird direkt bei Bahnchef Rüdiger Grube angesiedelt. Die neue Betriebseinheit soll dafür sorgen, dass sich Pannen wie bei der S-Bahn nicht wiederholen.

Die Berliner S-Bahn drohte vergangenes Jahr aufgrund technischer Probleme bei den Rädern und Achsen ihrer wichtigsten Baureihe 481/82, unzureichender Wartungen und Missmanagement im Chaos zu versinken. Zeitweise stand das Unternehmen vor dem Zusammenbruch, weil das Eisenbahn-Bundesamt große Teile der Wagenflotte aus dem Verkehr zog.

Gegen die früheren S-Bahn-Geschäftsführer ermittelt seit geraumer Zeit die Staatsanwaltschaft. Sie mussten bereits Anfang Juli 2009 ihre Stühle räumen, auch einige Führungskräfte aus der zweiten Reihe wurden von ihren Aufgaben entbunden.

Der Bahnvorstand hatte im September 2009 die internationale Wirtschaftssozietät Gleiss Lutz mit eigenen Ursachenermittlungen beauftragt. In ihrem am Dienstag vorgelegten Bericht kommen die Anwälte zu dem Ergebnis, dass im wesentlichen Konstruktionsfehler bei Radscheiben und Radsatzwellen für das Chaos verantwortlich waren. Verschärft wurde die Situation aus ihrer Sicht aber durch massive Pflichtverletzungen des Managements. So seien die Bremszylinder an den Zügen aufgrund von Missständen in den Werkstätten seit dem Jahr 2002 nicht mehr fachgerecht instandgehalten worden.

Der Ermittlungsbericht löste ein unterschiedliches Echo aus. Viele Bahn-Kritiker sehen in einem rigiden Sparkurs des früheren Konzern-Vorstandes unter Hartmut Mehdorn die wesentliche Ursache für das Desaster bei der Berliner S-Bahn-Tochter.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin», er sei entschlossen, zusammen mit Bahnchef Rüdiger Grube «aufzuräumen». Dazu gehörten auch staatsanwaltliche Ermittlungen und das strafrechtliche Verfolgen von menschlichem Versagen. Fehlende Wartung und Kontrollen seien «eklatante Fehlleistungen». Das Hauptziel der Politik der vergangenen zehn Jahre, «die Braut (gemeint ist die Bahn - Anm. d. R.) zu schmücken für das Börsenparkett», habe dazu geführt, dass viele Qualitäts-Merkmale «hinten runtergefallen» seien.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne), machte den Vorstand der Bahn mitverantwortlich für das S-Bahn-Desaster. Es gehe hier nicht nur um technische Störungen, sondern auch um eine «Verantwortungsstörung» im Bahnvorstand, sagte Hermann der «Berliner Zeitung» (Mittwoch). Vor allem unter Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn sei der Börsenkurs forciert worden, der extreme Sparmaßnahmen in vielen Sparten zur Folge gehabt habe. Es sei an der Zeit zu fragen, inwieweit auch die Vorstände und Aufsichtsräte der Deutschen Bahn im Zusammenhang mit dem S-Bahn-Desaster zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet warnte davor, die S-Bahn-Krise auf Kosten der einfachen Beschäftigten lösen zu wollen. «Die entscheidenden Fehler sind in der Chefetage gemacht worden. Dafür dürfen jetzt nicht die knapp 3000 S-Bahn-Beschäftigten büßen» erklärte der Berliner Transnet-Bevollmächtigte Klaus Just. Profitjagd und Missmanagement hätten die Berliner S-Bahn ins Chaos gestürzt.

Der Berliner Senat will noch genauer nach den Verantwortlichen im Management der S-Bahn und des Mutterkonzerns Deutsche Bahn suchen. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg-Junge-Reyer (SPD) kündigte an, den Ermittlungsbericht sehr genau zu lesen, um herauszufinden, wer die Managementfehler begangen habe.

 

www.s-bahn-berlin.de

28.01.2010 | Berlin (dpa)

Das zweite «Entschädigungspaket» der S-Bahn

Die S-Bahn hat ein zweites «Entschädigungspaket» im Wert von 70 Millionen Euro für Fahrgäste in Berlin und Brandenburg vorgestellt. Die wichtigsten Punkte:

STAMMKUNDEN: Inhaber von Abo- und Jahreskarten sowie Studenten mit Semesterticket der Hochschulen in Berlin, Potsdam und Wildau (Dahme-Spreewald) können zwei Monate kostenlos fahren. Welche Monate dies sind, will die S-Bahn noch bekanntgeben.

MONATSKARTEN: Inhaber fester Monatskarten (von Monatsbeginn bis Monatsende) bekommen für diese zwei Monate jeweils 15 Euro in bar erstattet. Gleitende Monatskarten (Geltungsbeginn an beliebigem Tag) der Tarifbereiche Berlin AB, BC oder ABC gelten für jeden der beiden Monate jeweils eine Woche länger.

WOCHENENDEN:
An mehreren Wochenenden in diesem Jahr sollen alle Fahrgäste mit einem Einzelticket den ganzen Tag fahren können. Welche Wochenenden dies sind, steht noch nicht fest. Denkbar wäre nach Worten von Bahnchef Rüdiger Grube etwa Ostern oder Pfingsten.

NUTZNIESSER:
Die Entschädigungsregeln gelten unabhängig davon, ob die Tickets bei der S-Bahn oder anderen Anbietern im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gekauft wurden, etwa den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

INFORMATIONEN:
Nähere Informationen will die S-Bahn unter anderem in einer Sonderausgabe der Kundenzeitung «Punkt 3» veröffentlichen, die im Februar erscheint.

www.s-bahn-berlin.de  |  Kundentelefon: 030/29743333

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