BERLIN

12.03.2010 | Berlin (dpa)
"Hanna-Granata" - Hanna-Renate Laurien ist tot
Die über Parteigrenzen hinweg hoch geachtete CDU-Politikerin Hanna-Renate Laurien ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 81 Jahren, teilte das Erzbistum Berlin mit. Laurien war in den 70er Jahren Kultusministerin in Rheinland-Pfalz, danach Berliner Schulsenatorin und Präsidentin des Abgeordnetenhauses. Im Berliner Volksmund hieß die resolute Politikerin, die häufig in Talkshows zu Gast war, «Hanna-Granata». Die Konservative wurde auch von ihren politischen Gegnern dafür geschätzt, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm.
Die gebürtige Danzigerin begann ihre politische Karriere in den 50er Jahren in Nordrhein-Westfalen, wo sie unter anderem Schuldirektorin in Köln war. CDU-Mitglied wurde Laurien 1966. Nach ihrer Station in Rheinland-Pfalz übernahm Laurien 1981 im CDU-Minderheitssenat unter Richard von Weizsäcker das Ressort Schule, Jugend und Sport. 1983 konkurrierte sie mit Eberhard Diepgen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, der sich jedoch durchsetzte.

Nach seiner Wahl 1984 bestätigte Diepgen sie als Schulsenatorin. Nach einer Kabinettsumbildung wurde Laurien außerdem Bürgermeisterin und blieb bis zur Wahlniederlage der CDU/FDP-Koalition 1989 Stellvertreterin Diepgens.
Zum Abschluss ihrer aktiven politischen Laufbahn wurde ihr 1991 als erster Frau das Präsidentenamt des Berliner Abgeordnetenhauses übertragen. Daneben engagierte sie sich in katholischen Gremien wie dem Diözesanrat im Bistum Berlin. Zuletzt unterstützte Laurien die Initiative «Pro Reli».
«Die Berlinerinnen und Berliner haben sie gemocht»
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Laurien als hochgebildete, streitbare, ausgesprochen faire und menschliche Persönlichkeit. «Sie strahlte eine von umfassendem Wissen und christlichem Glauben getragene Autorität im besten Sinne des Wortes aus, die ihr Achtung und Ansehen weit über die Politik hinaus verschafften», erklärte Wowereit. «Die Berlinerinnen und Berliner haben sie gemocht. Unsere Stadt schuldet unserer Stadtältesten Dank.» Als Stadtälteste werden Menschen gewürdigt, die sich um Berlin verdient gemacht haben.

Die Berliner CDU lobte Lauriens «eindrucksvolle Art, die Menschen mit einer Politik, die auf den Grundlagen des christlichen Menschenbildes basierte, zu überzeugen». Ihre Stimme habe überall Gehör gefunden. «Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke», sagte CDU-Parteichef Frank Henkel. Die Kirche nannte die Politikerin eine «streitbare und mutige Frau». Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky sagte, sie habe ihren Standpunkt als Katholikin nie verleugnet. «Wir werden ihre Stimme vermissen.»
Parlamentspräsident Walter Momper würdige Laurien als «engagierte Christin und streitbare Demokratin» Das Abgeordnetenhaus verneige sich in tiefer Dankbarkeit und Hochachtung vor einer großen Persönlichkeit. Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD), der als Kultusminister in Mainz an Lauriens altem Schreibtisch gearbeitet hat, sagte, er habe sie als Kollegin sehr geschätzt. Sie habe auch in hitzigen Situationen immer auf den respektvollen Umgang miteinander geachtet.
12.03.2010 | Berlin (dpa)
Zitate von Hanna-Renate Laurien
Hanna-Renate Laurien nahm nie ein Blatt vor den Mund. Die Berliner nannten ihre frühere Schulsenatorin und Parlamentspräsidentin liebevoll «Hanna Granata». Einige ihrer Aussprüche:

«Heimat ist der Ort, in dem ich lebe, wo ich gebraucht werde und Freunde finde.» (2008 in der «Berliner Morgenpost»)
«Die modernen Frauen lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen.» (1996 im evangelischen Kirchenmagazin «echt-online»)
«Ich bin sehr dankbar für ein erfülltes Leben.» (1995 beim Abschied aus der aktiven Politik in der «Berliner Zeitung»)
«... wünsche ich mir, dass es (in der katholischen Kirche) Priesterinnen geben wird und jüngere Frauen auch dieses noch erleben können.» (1993 im «Hamburger Abendblatt»)
«Kirche hängt nicht von Mehrheitsentscheidungen ab, ich kann über die Wahrheit nicht abstimmen.» (1991 im «Tagesspiegel»)
«Nicht Ja und nicht Amen» (Titel ihrer Lebenserinnerungen, 1985)
«Wenn wir in der Bundesrepublik keinen Föderalismus hätten, wäre Bayern für uns sicher so ein Problem wie das Baskenland für Spanien.» (1977 in «Der Spiegel»)

Hanna-Renate Laurien: Kompetent, energisch, schlagfertig
Für viele Berliner war sie einfach «Hanna-Granata». Wo die resolute und temperamentvolle damalige Schulsenatorin (CDU) in den 80er Jahren auftrat, war es spannend, lagen Kampfgeist und Wortwitz in der Luft. Seit Freitag trauert Berlin um Hanna-Renate Laurien, die im Alter von 81 Jahren in einem Pflegeheim starb.
Die überzeugte Katholikin engagierte sich vor allem für die sozial Schwachen und Benachteiligten. Ihre Durchsetzungskraft und Schlagfertigkeit trugen ihr deshalb in liebevoller Anerkennung den Spitznamen «Hanna-Granata» ein.
Respekt und Ansehen erwarb sich Laurien auch bei politisch Andersdenkenden - nicht zuletzt wegen ihres beharrlichen Eintretens für den eigenen Standpunkt, selbst wenn er von der CDU-Linie abwich. «In zentralen, lebenswichtigen Fragen muss ein Bündnis der Vernünftigen möglich sein», beschrieb sie als ihre Haltung. So würdigten sie sowohl Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als auch der CDU-Vorsitzende Frank Henkel fast gleichlautend als «hochgebildete, streitbare und ausgesprochen faire und menschliche Persönlichkeit» und «couragierte Politikerin».
Antrieb all ihren Handelns war der christliche Glaube, in dem sie tief verwurzelt war. 1928 in Danzig geboren, wuchs sie in einem protestantischen Elternhaus auf und konvertierte mit 23 Jahren zum Katholizismus. Ihre berufliche Karriere begann die promovierte Germanistin und Philosophin Anfang der 50er Jahre im höheren Schuldienst in Nordrhein-Westfalen. Nach Stationen im Düsseldorfer Kultusministerium und als Fachleiterin für Deutsch war Laurien von 1965 bis 1970 Direktorin der Königin-Luise-Schule in Köln. Der CDU trat sie 1966 bei.

Die kompetente Pädagogin wurde 1971 als Staatssekretärin ins Kultusministerium nach Rheinland-Pfalz berufen und stieg fünf Jahre später zur Kultusministerin auf (bis 1981). Im selben Jahr wechselte die CDU- Politikerin nach Berlin. Sie übernahm im CDU-Minderheitssenat unter Richard von Weizsäcker das Ressort Schule, Jugend und Sport.
Als eine der ersten Frauen in solchen politischen Spitzenämter konkurrierte die Junggesellin 1983 mit Eberhard Diepgen um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, der sich jedoch durchsetzte. Nach seiner Wahl 1984 bestätigte er sie als Schulsenatorin. Nach einer Kabinettsumbildung wurde Frau Laurien außerdem Bürgermeisterin und blieb bis zur Wahlniederlage der CDU/FDP-Koalition 1989 Stellvertreterin Diepgens.
Zum Abschluss ihrer aktiven politischen Laufbahn wurde Laurien 1991 als erste Frau in das Präsidentenamt des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt. Dort führte sie ein strenges Regiment, das jedoch von Freund und Gegner anerkannt wurde. «Gegen meine Schulhof-Stimme kommen Sie doch nicht an», brachte sie lautstarke Zwischenrufer zur Räson.
Daneben engagierte sie sich in katholischen Gremien wie dem Diözesanrat im Bistum Berlin und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky trauerte um Laurien als «mutige Frau. ... Sie war eine Kämpferin für die gleiche Würde aller Getauften in der Kirche, egal ob Mann oder Frau, Priester oder Laie.»




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