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BERLIN

 

23.03.2010 | Berlin (dpa)

Zwei Tonnen tote Fische aus Lietzensee gezogen

Experten hatten aufgrund des bitterkalten Winters ein Fischsterben in den Berliner Seen vorhergesagt. Für den Lietzensee in Charlottenburg kam jetzt der Tag der Wahrheit: Allein am Montag wurden dort nach der Eisschmelze zwei Tonnen Fischkadaver aus dem Wasser gezogen. Die Tiere waren wegen Sauerstoffmangels erstickt. Die meisten von ihnen, darunter teils riesige Karpfen, waren schon seit mehreren Wochen tot, aber erst nach dem Abschmelzen des Eises in den vergangenen Tagen an die Oberfläche geschwemmt worden, sagte die Leiterin des Berliner Fischereiamtes, Susanne Jürgensen. Sie sieht Charlottenburg-Wilmersdorf unter den Berliner Bezirken am meisten von dem Fischsterben betroffen.

Die Kadaver stinken zum Himmel. Um eine noch stärkere Geruchsbelästigung für die Anwohner und Passanten zu verhindern, sollen die Kadaver möglichst bis zum Wochenende eingesammelt sein, wie der Leiter des Grünflächenamtes Charlottenburg-Wilmersdorf, Christoph Maasberg, berichtete.

Ein Experte vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei warnte vor Panikmache. Es sei natürlich, dass nach einem kalten Winter Fische sterben. In aller Regel erhole sich der Bestand eines Gewässers bereits nach dem ersten Laichen, sagte Fisch-Ökologe Christian Wolter. «Es sind definitiv nicht alle Fische in einem See gestorben», betonte Wolter. Die Bezirke müssten die toten Tiere jedoch so schnell wie möglich entfernen. Sonst werde den Seen durch Verwesungsprozesse noch mehr Sauerstoff entzogen.

Auch Angler rechnen nicht mit bleibenden Verlusten im Fischbestand. Das Fischsterben bewege sich «im Rahmen», sagte der Geschäftsführer des Landesanglerverbandes Berlin, Mario Distelkam. Er glaubt allerdings, dass Sauerstofflöcher vielen Fischen den Tod erspart hätten. In Seen, in denen Angeln erlaubt sei, schlügen Angler häufig diese Löcher. Im Lietzensee dürften jedoch keine Fische gefangen werden. «Ich kann nicht nur das Angeln verbieten und mich dann nicht mehr um den See kümmern», kritisierte Distelkam.

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