BERLIN

21.04.2010 | Berlin/Wittstock (dpa)
Bundeswehr gibt "Bombodrom" endgültig auf
Aus für das «Bombodrom»: Die Bundeswehr zieht sich endgültig aus der Kyritz-Ruppiner Heide im Norden Brandenburgs zurück. Zudem wird der Bundeswehrstandort in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) aufgelöst. Das teilte am Mittwoch in Berlin das Bundesverteidigungsministerium mit. Damit haben nach jahrelangem Protest Bürgerinitiativen ihr Ziel erreicht: Das Gelände nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern wird nicht militärisch genutzt. «Wir freuen uns natürlich sehr, unser Gesamtziel erreicht zu haben», sagte der Sprecher der Bürgerinitiative «Freie Heide», Benedikt Schirge, der Nachrichtenagentur dpa.
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe entschieden, dass das gesamte rund 120 Quadratkilometer große Gelände an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben werde, teilte das Ministerium mit. Auch die Luftraumbeschränkungen für Wittstock sollen aufgehoben werden. Die vorhandenen Kapazitäten der Truppenübungsplätze in Deutschland reichten auch ohne Wittstock aus, hieß es.

Gegen eine militärische Nutzung des rund 14 000 Hektar großen Areals hatten rund 17 Jahre lang Bürgerinitiativen protestiert. Im Sommer 2009 hatte bereits der Amtsvorgänger von Guttenberg, Franz Josef Jung (CDU), auf den Ausbau der Kyritz-Ruppiner Heide zum bundesweit größten Übungsplatz der Luftwaffe verzichtet. Vorausgegangen waren mehrere Niederlagen vor Gericht. Laut Ministerium beschäftigt die Bundeswehr derzeit noch 80 Mitarbeiter auf dem Truppenübungsplatz. Es sei davon auszugehen, dass es für sie sozialverträgliche Regelungen geben werde, sagte ein Sprecher der dpa.
Zahlreiche Politiker sprachen sich im Zusammenhang mit der aktuellen Entscheidung gegen eine Privatisierung des Areals aus. Sie forderten, dass der Bund die Kosten für die Räumung von Munition auf dem Gelände übernehmen müsse. Eine kommunale Arbeitsgemeinschaft sei derzeit dabei, ein Konzept zur künftigen Nutzung für eine der größten deutschen Heidelandschaften zu erstellen, sagte Schirge. Ob es dort eine Nutzung für regenerative Energien gebe werde, müsse geprüft und abgestimmt werden. «Wir brauchen Geduld.»
Das "Bombodrom" in der Kyritz-Ruppiner Heide

Fast 18 Jahre wurde über die Nutzung des «Bombodroms» in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Wittstock in Brandenburg gestritten. Die Bundeswehr wollte auf dem rund 14 000 Hektar umfassenden Gelände den größten deutschen Luft-Boden-Schießplatz errichten, das heißt Übungsbomben abwerfen und Tiefflüge üben. Anwohner und Tourismusbranche kämpften erbittert gegen die Pläne auf dem Gebiet im Norden Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Erhebliche Beeinträchtigungen des Tourismus waren befürchtet worden.
Mehrfach scheiterte der Bund vor Gericht. Im Juli vergangenen Jahres gab der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) den Verzicht auf den Ausbau von Kyritz-Ruppiner Heide zumLuft-Boden-Schießplatz bekannt. Nun zieht sich die Bundeswehr endgültig zurück. Das Gelände wird nun an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben.
Das Wald- und Heidegebiet des «Bombodroms» hatte bereits die Sowjetarmee nach 1946 genutzt. Bis zu 25 000 Mal im Jahr übte sie dort Bombenabwürfe. Dabei verloren Flugzeuge auch schon mal zu früh ihre Last oder stürzten ab, so dass Häuser beschädigt wurden.
21.04.2010 | Berlin/Wittstock (dpa)
Bundeswehr gibt «Bombodrom» in Nordbrandenburg auf
Fast 18 Jahre lang sorgte die geplante militärische Nutzung des 14 000 Hektar großen «Bombodroms» in der Kyritz-Ruppiner Heide in Nordbrandenburg für Streit. Nun sind die Pläne für den größten Luft-Boden-Schießplatz in Deutschland Geschichte. Die wichtigsten Etappen:
30. Juni 1992: Das Bundesverteidigungsministerium veröffentlicht sein Truppenübungsplatzkonzept und die «Bombodrom»-Pläne.
23. August 1992: Gründung der Bürgerinitiative «Freie Heide», die sich für eine zivile Nutzung des Geländes einsetzt.
1993: Die Russen ziehen ab, der Bund wird Rechtsnachfolger. Die Bonner CDU/FDP-Koalition beschließt die militärische Weiternutzung.
24. März 1999: Das Oberverwaltungsgericht in Frankfurt (Oder) gibt den Klagen von Gemeinden, Privatleuten und einer Kirchengemeinde in Teilen Recht, die Flächen zurückgefordert hatten.
14. Dezember 2000: Das Bundesverwaltungsgericht untersagt die militärische Nutzung. Das Ministerium bleibt in den folgenden Jahren aber bei seinen Plänen.
2002: In Mecklenburg-Vorpommern gründet sich die Bürgerinitiative «Freier Himmel».
29. Dezember 2004: Laut Oberverwaltungsgericht in Frankfurt (Oder) hätten vor einer Entscheidung über die militärische Weiternutzung Anliegergemeinden angehört werden müssen.
31. Juli 2007: Das Potsdamer Verwaltungsgericht gibt Musterklagen wegen Lärms statt.
30. November 2007: Der Bundesrechnungshof fordert den Verzicht auf das «Bombodrom».
20. Januar 2009: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt ein Gespräch mit den Regierungschefs von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zum «Bombodrom» ab.
27. März 2009: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg weist eine Berufung des Bundesverteidigungsministeriums ab und untersagt die militärische Nutzung.
2. Juli 2009: Der Bundestag spricht sich gegen den geplanten Luft-Boden-Schießplatz aus.
9. Juli 2009: Verteidigungsminister Jung gibt den Verzicht des Bundes auf den umstrittenen Tiefflugübungsplatz bekannt. Einen Zeitplan gibt es nicht.
21. April 2010: Das Verteidigungsministerium kündigt an, das «Bombodrom» endgültig aufzugeben und den Bundeswehrstandort in Wittstock aufzulösen.




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