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BERLIN

 

27.04.2010 | Potsdam/Berlin (dpa)

Brandenburg billigt Konzept zur ILA-Bewerbung

Berlin und Brandenburg wollen die größte deutsche Luftfahrtschau ILA in den kommenden Jahren in der Region halten. Das märkische Kabinett stimmte am Dienstag dem gemeinsamen Bewerbungskonzept mit Berlin ohne Widerspruch zu, sagte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) in Potsdam. Ziel sei, die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA bis zum Jahr 2020 hier stattfinden zu lassen. Dafür könne der Standort Selchow (Dahme-Spreewald) in unmittelbarer Nähe des künftigen Airport Berlin Brandenburg International (BBI) entwickelt werden.

Das finanzielle Risiko beider Länder für die ILA in den kommenden Jahren werde auf 23 Millionen Euro begrenzt, sagte Christoffers. Er nannte das Risiko darstellbar. «Sonst hätte ich nicht zugestimmt.» Für den Ausbau eines Messe- und Ausstellungsstandortes in Selchow seien Investitionen von rund 27 Millionen Euro veranschlagt. Das Gelände müsse aufbereitet, Hallen erstellt sowie Wasser- und Stromleitungen gelegt werden. Eingerechnet sei das Eigenkapital von jeweils fünf Millionen Euro für eine neue Gesellschaft. 17 Millionen Euro müssten finanziert werden. Ziel sei, neben der alle zwei Jahre stattfindenden ILA auch andere Messen zu veranstalten. Die Zukunftsagentur Brandenburg ZAB soll dies mit der Messe Berlin entwickeln. «Über die landeseigene ZAB hat man Einfluss auf die Planung», sagte Christoffers.

Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) dringt auf eine paritätische Teilung der Kosten zwischen beiden Ländern. «Es kann nicht sein, dass Brandenburg daraus den Benefit zieht und Berlin die Rechnung bezahlt», sagte er nach der Senatssitzung. Berlin habe aber auch ein Interesse daran, die ILA in der Region zu halten. Es werde noch überprüft, ob der zuletzt von Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) genannte Finanzierungsbedarf von 27 Millionen Euro ausreiche, sagte Nußbaum. Hinzu käme nochmals rund zehn Millionen Euro für die Rollwege (Taxiways) der Flugzeuge zu den Start- und Landebahnen.

Das ILA-Konzept der Hauptstadtregion soll dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) jetzt vorgelegt werden. Der BDLI hatte nach zögerlicher Haltung von Berlin und Brandenburg zur Finanzierung eines neuen Geländes die Vergabe der ILA neu ausgeschrieben. Daraufhin haben sich mehrere Städte beworben. Über die Vergabe will der Verband auf einer Präsidiumssitzung am 10. Mai entscheiden. Die Messe findet seit 1992 auf dem Nordgelände des Flughafens Schönefeld statt. Mit dem Betriebsbeginn von BBI Ende 2011 ist dort für die ILA kein Platz mehr.

Den jährlichen Zuschuss beider Länder für die Airshow bezifferte Christoffers auf insgesamt drei Millionen Euro. Die Messe sei für die hiesige Technologieregion wichtig. Die Hauptstadtregion gelte als Luftfahrtstandort Nummer drei in Deutschland nach Hamburg und München. Für die regionale Wirtschaft ist die Messe zudem ein ideales Schaufenster.

Nach Berechnungen der Berliner Messegesellschaft gibt es durch die ILA für die Region jedes Mal einen Kaufkraftzufluss von mehr als 160 Millionen Euro. Messsprecher Michael Hofer sagte: «Der Brandenburger Kabinettsbeschluss ist eine sehr gute Grundlage dafür, dass das mit Berlin abgestimmte Konzept den BDLI überzeugt, die ILA auch künftig hier zu belassen.» An der ILA interessiert seien auch Hannover, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Stuttgart sowie Oberpfaffenhofen in Bayern.

 

www.ila-berlin.de

27.04.2010 | Potsdam/Berlin (dpa)

Lob und Kritik für Potsdamer ILA-Entscheidung

Der Brandenburger Kabinettsbeschluss für eine gemeinsame Bewerbung mit Berlin um die weitere Ausrichtung der größten deutschen Luftfahrtschau ILA hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die SPD-Fraktion begrüßte den «klaren Willen der Landesregierung», die ILA in der Region zu halten. «Jetzt ist es am Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, sich zu bekennen - zum Standort Berlin-Brandenburg und zur Zukunft auch nach 2020», meinte Fraktionschef Dietmar Woidke am Dienstag in Potsdam.

Die Linksfraktion erklärte, es sei wichtig, bei der schwierigen Haushaltslage die finanziellen Risiken zu begrenzen. Die Entscheidung entspreche dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Linker, wonach ein tragfähiges Finanzierungskonzept Grundlage für einen neuen Standort sein müsse, betonte die Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser.

Die oppositionelle FDP-Fraktion forderte, den geplanten ILA-Standort Selchow (Dahme-Spreewald) zu einem Ort für erstklassige Veranstaltungen auszubauen. Eine Finanzierung der Kosten sei nur mit weiteren Events zu sichern, wurde der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Raimund Tomczak, zitiert. Aus Sicht der CDU-Fraktion ist das Konzept eine Notlösung und keine gute Ausgangsbasis für einem offenen Wettbewerb mit anderen Standorten. «Ich kann nach wie vor kein ernsthaftes Bemühen und Kämpfen der Landesregierung um die ILA in Brandenburg erkennen», bemerkte der wirtschaftspolitische Sprecher Dierk Homeyer.

Kritik kam auch von Bündnis 90/Die Grünen. «Die ILA ist zu einem großen Teil Leistungsschau der militärischen Luftfahrtindustrie», stellte der verkehrspolitische Sprecher Michael Jungclaus fest. Wenn es in der Branche ein Bedürfnis nach einer internationalen Luftfahrtmesse gebe, müsse diese sie auch selbst finanzieren. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) begrüßte dagegen die Kabinettsentscheidung als einen wichtigen Schritt, um die ILA in der Region zu erhalten. «Das ist eine gute Voraussetzung für die Feinabstimmung der Details zwischen beiden Ländern.»

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