BERLIN

28.04.2010 | Berlin (dpa)
Berlin will die Modellregion für Elektroautos werden
Im Wettlauf um den Zukunftsmarkt will Berlin zum einem weltweit führenden Zentrum für Elektromobilität werden. Dafür machte sich am Mittwoch in der Hauptstadt eine seltene große Koalition aus SPD-geführtem Senat und der oppositionellen CDU stark. Kurz vor dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) initiierten Gipfel mit der Wirtschaft zur Elektromobilität am kommenden Montag bot Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) der Bundesregierung eine enge Kooperation dazu an. «Die deutsche Hauptstadt ist der beste Ort für einen nationalen «Show room zur Elektromobilität», schrieb Wowereit in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an Merkel. Auch Berlins CDU-Chef Frank Henkel und sein Stellvertreter Thomas Heilmann legten ein umfangreiches Konzept vor.
Selbst den Namen für die Konzepte wählten Senat und CDU mit «etropolis» gleich. Die Industrie- und Handelskammer und die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV), einer der führenden Entwickler innovativer Autotechnik, sagten ihre Unterstützung zu. Es könne bei einem so wichtigen Zukunftsthema für Berlin nicht um Parteienpolitik gehen, sagte Henkel. «Wenn Wowereit jetzt wieder mehr Industriepolitik betreibt, sind wir an seiner Seite.»
Wowereit verwies darauf, dass nur Berlin «die entscheidende internationale Ausstrahlungskraft» besitze. Mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2020 zum Leitmarkt für Elektroautos auszubauen, müssten die verfügbaren Mittel konzentriert und nicht zersplittert auf verschiedene Regionen eingesetzt werden.

Berlin biete bereits jetzt als eine der acht Modellregionen in Deutschland ideale Voraussetzungen, um Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für Elektroautos an einem Standort zu bündeln, sagte Senatssprecher Richard Meng. An der Technischen Universität und am Wissenschaftszentrum gebe es Forschungsschwerpunkte für die Entwicklung von Batterien. Der Autobauer Daimler AG werde künftig in Berlin-Marienfelde Elektromotoren für Hybridfahrzeuge produzieren. Berlin werde auf dem Flughafen Tegel nach dessen Stilllegung Ende 2011 ein Entwicklungszentrum für E-Mobilität aufbauen.
Sowohl der Senat als auch die CDU betonen, dass sich die Metropole Berlin als Großversuch für batteriebetriebene Elektroautos bestens eigne. Bisher reiche die Kapazität einer Batterieladung nur für rund 150 bis 200 Kilometer. Im Großtest ließen sich wichtige offene Fragen für die Hersteller und Nutzer wie Akzeptanz, Versorgung mit Ladestationen oder Umrüstung von Werkstätten klären, sagte CDU-Vize Heilmann.
Kerngedanke des CDU-Konzeptes ist es, in Berlin bis 2013/14 rund 30 000 Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Mit Blick auf das Ziel der Bundesregierung könnte sich Berlin damit als Großversuch für die Markteinführung von Elektroautos bewerben, sagte Heilmann. Eine private Initiative aus Firmen und Verbänden soll bis 2011 eine verbindliche Großbestellung von 20 000 Elektroautos bei den verschiedenen Herstellern organisieren.
Unternehmen und Behörden, die über eine große Fahrzeugflotte verfügen wie Bahn, Post, Bundeswehr, Polizei oder Senat und Bezirke sollen zusagen, zu welchem Prozentsatz sie ihre Wagen klimafreundlich erneuern wollen. 10 000 weitere Autos sollen von Privat geordert werden. So gebe es auch für die Hersteller Sicherheit.




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