BERLIN

02.05.2010 | Berlin (dpa)
Gewalttätige Mai-Randale in Berlin und Hamburg
Im Anschluss an meist friedliche Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche in ganz Deutschland ist es am Samstagabend in Hamburg und Berlin erneut zu Ausschreitungen linker Gruppen gekommen.
In beiden Städten fuhr die Polizei Wasserwerfer gegen die teils gewalttätigen Randalierer auf. Zwei Stunden nach Mitternacht hatte sich die Lage in beiden Städten jedoch im Großen und Ganzen beruhigt. In den übrigen Städten Deutschlands registrierten die Polizeistationen keine größeren Ausschreitungen oder Randale.

In Hamburg wurden bei den Zusammenstößen fünf Polizisten und ein Feuerwehrmann verletzt. Bis zum frühen Morgen wurden 21 mutmaßliche Randalierer fest- und 8 in Gewahrsam genommen. In der Hauptstadt konnte die Polizei am Sonntagmorgen dagegen noch keine detaillierten Bilanz ziehen. Am Samstagabend war während der Konfrontationen auf den Straßen Berlins ein Beamter verletzt worden. Die Polizei sprach jedoch von einer insgesamt friedlicheren Stimmung am 1. Mai als in den Jahren zuvor. 2009 waren bei Ausschreitungen in Berlin fast 500 Polizisten verletzt worden.
Brennende Autos und kaputte Scheiben in Hamburg
Nach einer zunächst friedlichen, sogenannten revolutionären Mai- Demonstration im Hamburger Schanzenviertel mit 1500 Teilnehmern wurden Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen beworfen und Böller gezündet. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Zudem plünderten die Randalierer einen Drogeriemarkt, schlugen Scheiben von mehreren Geschäften ein und verwüsteten zwei Banken. Außerdem warfen sie Autos um und zündeten Barrikaden an.

Gegen besonders gewaltbereite Gruppen setzten die Beamten nach Polizeiangaben zudem Schlagstöcke ein. Bereits in der Nacht zum 1. Mai war es im Schanzenviertel zu Ausschreitungen gekommen, mindestens 18 Menschen wurden dabei verletzt.
Bis tief in die Nacht hatten die Einsatzkräfte in der Hansestadt alle Hände voll zu tun. «Das Schanzenviertel ist noch in Bewegung», sagte eine Sprecherin kurz nach Mitternacht. Anders als in den Vorjahren sei das Viertel diesmal im Ganzen von der Randale betroffen. Erst gegen 2 Uhr beruhigte sich die Lage. In diesem Jahr waren in Hamburg rund 1200 Beamte der Polizei Hamburg, der Bundespolizei und der Polizei Schleswig-Holstein im Einsatz.

In Würzburg und Schweinfurt protestierten mehr als 13 000 Menschen gegen rechtsextremes Gedankengut. In Würzburg blieb es friedlich. In Schweinfurt wurden durch Flaschenwürfe sechs Polizisten leicht verletzt, mehr als 40 Personen wurden vorübergehend festgenommen. In Schweinfurt waren 800 Rechtsextreme zusammengekommen, in Würzburg keine.
In Sachsen gab es mehrere Zwischenfälle. In Zwickau sollen nach Gewerkschaftsangaben Anhänger der rechtsextremen NPD Gegendemonstranten mit Steinen beworfen haben. Die Polizei bestätigte Zusammenstöße und sprach von einem Verletzten, der ambulant behandelt wurde. Bei Hoyerswerda blockierten Anhänger der linken Szene laut Polizei eine Bahnstrecke und verzögerten die Anreise von 400 Rechten in die Stadt.

Wasserwerfer und Schlagstöcke in Berlin
Auch im Berliner Stadtteil Kreuzberg rückte die Polizei mit Wasserwerfern gegen gewalttätige Randalierer an. Linksautonome hatten am Abend rund zwei Stunden lang wiederholt rund um den Spreewaldplatz Steine und Flaschen auf Polizisten geschleudert und Feuerwerkskörper abgeschossen. Ein Polizist wurde verletzt. Steinwürfe hagelte es auch gegen Einsatzfahrzeuge der Polizei. Anders als im Vorjahr stürmten die Einsatzkräfte schnell los, um Gewalttäter zu fassen. Auch Schlagstöcke wurden eingesetzt.

Am Tage waren bereits 200 Neonazis festgenommen worden, die sich abseits der genehmigten Demonstrationsroute an der Einkaufsmeile Kurfürstendamm eingefunden hatten. Die Polizei kreiste sie ein und hinderte die Teilnehmer - darunter einige aus Spanien, Italien und Tschechien - am Weiterziehen. Die Festgenommenen wurden zu einer Gefangenensammelstelle gebracht.
Weit mehr als zehntausend Demonstranten haben sich am Samstag in mehreren deutschen Städten Aufmärschen von Neonazis entgegengestellt. Starke Polizeikräfte versuchten Zusammenstöße von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten, darunter linke Autonome, zu verhindern. Mehrfach löste die Polizei Sitzblockaden auf. In Berlin wurde dabei auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) vom Boden hochgezogen und an den Straßenrand geführt.

01.05.2010 | Berlin (dpa)
Friedliches «Myfest» in Kreuzberg
Maibowle statt Molotowcocktails: In friedlicher Atmosphäre haben sich am Samstag mehrere tausend Menschen in Berlin-Kreuzberg zum «Myfest» versammelt. Bei Essen und Musik trafen sich am Nachmittag vor allem viele Familien mit Kindern auf dem Festgelände zwischen Kottbusser Tor, Görlitzer Bahnhof und Oranienplatz. Anwohner und Händler boten selbst gemachte, internationale Speisen und Getränke an. So gab es in der Kiezküche «Fliegender Teppich» Maibowle, vegetarische Buletten oder Falafel.
Bis nach Mitternacht sind auf zahlreichen Bühnen Konzerte, Auftritte von DJs und Theateraufführungen geplant. Für Kinder und Jugendliche gab es ein Programm mit Puppentheater, Fußballturnier und Kletterturm.

Mit einem neuen Sicherheitskonzept und einem Flaschenverbot hofft das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg in diesem Jahr auf ein durchgehend friedliches Straßenfest. Das Verkaufsverbot von Dosen und Glasflaschen soll konsequent umgesetzt werden. Die am Abend geplante Linken-Demonstration soll in diesem Jahr nicht über das Areal des Festes führen.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg veranstaltet das «Myfest» seit 2003 alljährlich am Tag der Arbeit. Es soll Krawallmachern den Raum nehmen. Am 1. Mai 1987 hatten sich in Kreuzberg im damaligen West-Berlin Randalierer eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert. Seither kam es Jahr für Jahr zu Gewaltausbrüchen.




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