BERLIN

07.06.2010 | Berlin
Bau des Berliner Schlosses wird verschoben
Der umstrittene Wiederaufbau des Berliner Schlosses wird verschoben. Der Bund habe für die Jahre 2011 bis 2013 keine Mittel für dieses Projekt in den Bundeshaushalt eingestellt, bestätigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Berlin nach den zweitägigen Beratungen zum Sparpaket. Nach dpa-Information hatten die Teilnehmer der Sparrunde aber betont, dass das Projekt nicht tot sei. Lediglich der Baubeginn werde auf das Jahr 2014 verschoben.
Die einstige Preußen-Residenz im Herzen Berlins war zu DDR-Zeiten gesprengt und durch den Palast der Republik ersetzt worden. Nach dem Abriss des asbestverseuchten Gebäudes entschied der Bundestag 2002, auf dem Gelände ein Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum («Humboldt-Forum») zu errichten, das die Form und Fassaden des einstigen Schlosses erhält.

Berlin und das Schloss
Vor acht Jahren war sich der Bundestag über die Fraktionsgrenzen hinweg bis auf die PDS deutlich einig. Die Parlamentarier stimmten am 4. Juli 2002 für die Rekonstruktion der Fassaden des Berliner Stadtschlosses. Jetzt hat die schwarz-gelbe Koalition im Bund aus Spargründen das Projekt gestoppt: Baubeginn wird nicht vor 2014 sein.
Das Schloss war 1950 auf Geheiß der DDR-Oberen gesprengt worden. Über den Platz in Berlins historischer Mitte wird debattiert, seit 1990 der asbestbelastete Palast der Republik, einst Sitz der DDR-Volkskammer, dicht gemacht wurde. «Erichs Lampenladen» trauerten besonders Ost-Berliner und die Kreativszene hinterher.
Seit 2009 sind die letzten Spuren des riesigen DDR-Baus Geschichte. Derzeit prägen eine Wiese und eine Kunsthalle das Bild auf dem Platz: wie so vieles in der Stadt sind beide provisorisch. Im Architekturwettbewerb setzte sich 2008 der Italiener Franco Stella durch. In geplanten Humboldtforum sollen die Sammlungen außereuropäischer Kunst untergebracht werden. Für die Fassaden sollen Spenden gesammelt werden.
Quelle: dpa
Stiftung Berliner Schloss: www.sbs-humboldtforum.de
Förderverein: www.berliner-schloss.de
Humboldt-Uni zum Schloss: www.humboldt-forum.de
07.06.2010 | Berlin
Kampf ums Berliner Schloss - Eine Chronologie
Über die Zukunft des Berliner Schlossplatzes mit seiner mehr als 500 Jahre langen Geschichte wird seit 1990 gestritten. Eine Chronologie:
1443: Grundsteinlegung für ein Schloss an der Spree.
1698: Beginn des Schlossbaus von Andreas Schlüter.
1845: Mit der Fertigstellung des Portals Eosander von Göthes bekommt das Schloss seine endgültige Form.
Februar 1945: Brand des Schlosses kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs.
22. Juli 1950: SED-Chef Walter Ulbricht verkündet den Abriss. Zwei Monate später wird die Schlossruine gesprengt.
1973-1976: Der Palast der Republik wird gebaut.
19. September 1990: Wegen Asbestverseuchung wird der Palast der Republik von der ersten frei gewählten Volkskammer geschlossen. Der Streit um die künftige Nutzung beginnt.
23. März 1993: Der Bund und das Land Berlin beschließen die Auslobung eines Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbes.
1993: Der Förderverein Berliner Stadtschloss setzt mit der Nachbildung der Schlossfassade an einem Gerüst die Debatte um einen Wiederaufbau der Preußen-Residenz in Gang.
Mai 1996: Der Gemeinsame Ausschuss von Bund und Land beschließt ein Konzept, das ein Konferenzzentrum mit Hotel, Bibliothek und eine Ausstellungsfläche sowie Läden und Geschäfte vorsieht.
Oktober 1997: Die Asbestbeseitigung am Palast der Republik beginnt.
20. Dezember 2001: Eine Expertenkommission mit 17 Fachleuten und 6 Politikern schlägt einen Nachbau des Stadtschlosses mit barocken Fassaden vor. Der Palast der Republik soll abgerissen werden. Im Schlossbau soll das «Humboldt-Forum» mit Museum, Bibliothek und Veranstaltungsbereich entstehen.
4. Juli 2002: Der Bundestag entscheidet mit überraschend klarer Mehrheit die Wiedererrichtung der historischen Schlossfassaden.
13. November 2003: Der Bundestag bestätigt mit den Stimmen aller Fraktionen - nur gegen die PDS-Abgeordneten - seinen Willen zum Wiederaufbau und fordert die Bundesregierung auf, mit den Planungsarbeiten zu beginnen.
8. November 2007: Das Stadtschloss darf nicht mehr als 552 Millionen Euro kosten. Mit dieser Auflage gibt der Haushaltsausschuss des Bundestages Grünes Licht für den Bau. Er ist zunächst von 2010 bis 2013 geplant.
14. Dezember 2007: Der Bauwettbewerb zum Humboldt-Forum beginnt.
28. November 2008: Den Zuschlag einer Jury aus Architekten und Politikern erhält der italienische Architekt Francesco Stella (Vicenza). Die Ruine des früheren Palastes der Republik, die anstelle des Stadtschlosses in der DDR gebaut worden war, ist weitgehend abgerissen.
November 2009: Die von der Bundesregierung gegründete Stiftung Berliner Schloss - Humboldt-Forum nimmt ihre Arbeit auf. Sie ist Bauherrin des Projekts. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler übernimmt die Schirmherrschaft.
2. Dezember 2009: Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt die Rechtmäßigkeit des Auftrags an Architekt Stella, nachdem es Streit um die Auftragsvergabe gegeben hatte.
30. Dezember 2009: Stella erhält einen neuen, nun unumstrittenen Architektenvertrag. Bis Herbst 2010 soll die Entwurfsplanung überarbeitet und fertiggestellt sein.
Januar 2010: Der Bau des Informationszentrums zum Schlossprojekt («Humboldt-Box») beginnt, Ende des Jahres soll sie eröffnet werden.
7. Juni 2010: Das Bundeskabinett beschließt unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel, den Baubeginn für das Schloss von 2011 auf 2014 zu verschieben.




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