BERLIN

17.06.2010 | Berlin
Vierter Pokerräuber gesteht Überfall
Die Beute ist verschwunden und die vier mutmaßlichen Pokerräuber von Berlin sitzen ziemlich entspannt auf der Anklagebank. Am Donnerstag durften sie ihre Panzerglaskabinen verlassen und neben ihren Anwälten Platz nehmen. Der Kronzeuge winkte verstohlen ins Publikum.
Im Prozess um den spektakulären Überfall auf ein internationales Pokerturnier in Berlin hat auch der vierte Angeklagte gestanden, mitgemacht zu haben. Er bereue die Tat - er habe sich von dem Geld beeindrucken lassen, verlas der Anwalt des 20-Jährigen am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht das Geständnis. Er habe bei dem Überfall eine Machete geschwungen, aber niemanden geschlagen oder verletzt. Seinen Anteil an der Beute von 40 000 Euro könne der Freizeitboxer aber nicht zurückgeben. «Ich weiß nicht, wo das Geld ist oder ob ich noch darüber verfügen kann», hieß es in der Erklärung. Nach bisheriger Planung woll die Richter am 1. Juli ihr Urteil verkünden.
Die vier angeklagten Männer türkischer und arabischer Herkunft im Alter zwischen 19 und 21 Jahren müssen sich wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vor einer Jugendstrafkammer verantworten. Am Montag hatten zwei Angeklagte über ihre Anwälte Geständnisse abgelegt, ein 20-Jähriger gestand die Tat selbst. Alle vier Beschuldigten hatten bereits Eintragungen im Strafregister. Einer von ihnen war erst wenige Wochen vor dem Überfall aus der Haft gekommen. Keiner der in Berlin aufgewachsenen jungen Männer hat bislang einen Beruf erlernt.

Bei dem Überfall auf das Turnier in einem Luxushotel am Potsdamer Platz hatten die maskierten Räuber laut Anklage am 6. März knapp 242 000 Euro erbeutet, waren aber dilettantisch vorgegangen. Ein Großteil der erhofften Millionensumme blieb im Handgemenge mit Wachleuten zurück. Das Geld aus einem gerade geöffneten Tresor stopften sie in Jacken- und Hosentaschen sowie eine Laptoptasche. Bereits zwei Wochen später saß das Quartett in Untersuchungshaft. Zwei mutmaßliche Räuber waren zunächst in die Türkei und den Libanon geflüchtet, kehrten dann aber nach Berlin zurück. Noch auf dem Flughafen klickten die Handschellen. Ein 21-Jähriger hatte sich zuerst gestellt und seine Komplizen verraten.
Zwei mutmaßliche Drahtzieher wurden später gefasst, sie sollen einen eigenen Prozess bekommen. Ein 31-Jähriger soll selbst an einem der Pokertische gesessen und per Handy das Signal zum Losschlagen gegeben haben, ein 29 Jahre alter Libanese soll das Quartett instruiert haben. Indes ging beim Gericht eine anonyme E-Mail an Richter Helmut Schweckendieck ein. Tenor: Es sei hundertprozentig so, dass die beiden Männer die Drahtzieher gewesen seien. Von den «Jungs» würde sich aber hier keiner vor Gericht trauen, sie zu nennen.

«Wo ist denn nun die Kohle geblieben?», fragte der Richter leicht genervt. Der Großteil der Beute ist verschwunden. Von dem Quartett soll jeder 40 000 Euro bekommen haben, hieß es in drei Geständnissen. Auch der 21-jährige Kronzeuge sagte, er verfüge nicht über seinen Anteil. Seine Familie will laut Gericht 3000 Euro zur Wiedergutmachung zahlen, die aber nicht aus der Beute stammen. Ein 20-Jähriger hatte 4000 Euro zurückgezahlt.
Der jüngste Angeklagte kündigte an, er wolle nach einer Strafe sein abgebrochenes Fachabitur nachholen. «An Bildung fehlt es noch bei mir.» Doch der Richter zeigte sich unbeeindruckt. Er zitierte aus beschlagnahmten Briefen, die der 19-Jährige aus der Haft schmuggeln wollte: «Mir geht es hier sehr gut - alles ganz locker und lässig wie im Internat.» Er brauche ein Handy und Tabak. Die Justizleute würde er am liebsten ins Krankenhaus befördern. Auf einem der Zettel stand, er werde wohl auf Bewährung rauskommen. «Das wäre so ein Jackpot», schrieb der Angeklagte.




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