BERLIN

20.06.2010 | Selchow/Königs Wusterhausen
Rosinenbomber schmiert ab: Sieben Verletzte
Schutzengel an Bord: Bei der Bruchlandung eines sogenannten Rosinenbombers am Berliner Flughafen Schönefeld sind die Passagiere mit einem Schrecken und leichten Verletzungen davon gekommen.
«Dennoch ist die Notlandung der schwerste Vorfall seit 1989», sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel auf einer Pressekonferenz am Sonntag. Die Oldtimer-Maschine, die zu einem Rundflug über der Hauptstadt starten wollte, war am Samstag bei Selchow nahe dem Flughafen notgelandet. Sieben der 28 Insassen verletzten sich.
Kurz nach dem Abheben des Rosinenbombers gegen 14.45 Uhr in Schönefeld war nach Angaben des Unternehmens Air Service Berlin das linke Triebwerk ausgefallen. Das rechte Triebwerk konnte das Flugzeug nicht alleine in der Luft halten. Der Pilot versuchte, das Flugzeug aus rund 60 Metern Höhe auf einen Acker zu lenken.

Bei der Landung schlitterte die Maschine 150 Meter auf einer Zufahrtsstraße zur Baustelle des Hauptstadtflughafens BBI entlang, bis sie an einem Pfosten des Bauzauns hängen blieb. Das rechte Triebwerk ging in Flammen auf. Air Service setzt den Original-Rosinenbomber für Nostalgie-Rundflüge über Berlin ein.
Als Polizei und Feuerwehr am Unglücksort eintrafen, hatten sich laut Flughafenfeuerwehr bereits alle Insassen selbst aus dem Flugzeug gerettet. Ein Notfallseelsorger betreute Passagiere und Besatzungsmitglieder. Am Sonntag war nur noch der Co-Pilot, der einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, im Krankenhaus.

Die Ursache der Bruchlandung war am Sonntagmittag noch unklar. Die Unglücksmaschine werde noch untersucht, mit einem Ergebnis sei im Laufe des Sonntags zu rechnen, wie Air Service Berlin mitteilte. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, forderte, «diese in jeder Hinsicht technisch museumsreifen Maschinen» nicht mehr zur Sightseeing-Flügen zu nutzen.
Während der Luftbrücke 1948/49 wegen der sowjetischen Blockade versorgten Flugzeuge dieses Typs den Westteil Berlins mit Lebensmitteln. Die ersten Flugzeuge hatten vor allem Trockenfrüchte geladen. Deshalb tauften die Berliner sie Rosinenbomber.
Quelle: dpa
Air Service: www.air-service-berlin.de

20.06.2010 | Berlin
Hintergrund: Der legendäre Rosinenbomber
Während der Luftbrücke 1948/49 wegen der sowjetischen Blockade versorgten die legendären «Rosinenbomber» den Westteil Berlins mit Hilfsgütern. Die ersten Flugzeuge waren die zweimotorigen C-47. In den ersten Wochen hatten sie vor allem Trockenfrüchte an Bord. Deshalb wurden sie von den Berlinern auch «Rosinenbomber» getauft. Später wurden alle Maschinen, die Hilfsgüter nach Berlin flogen, so genannt.

Nach einer anderen Erklärung entstand der Name durch ein Interview des Radiosenders RIAS mit einem amerikanischen Piloten. Er wird zitiert: «Ich bin bis vor drei Jahren bei Nacht und Nebel mit Bomben nach Berlin geflogen. Jetzt kann ich doch auch mit Rosinen kommen.»
Das Unternehmen Air Service Berlin setzt heute den Original-Rosinenbomber Douglas DC-3 für Nostalgie-Rundflüge über der Hauptstadt ein. Die am Samstag am Flughafen Schönefeld notgelandete Maschine ist 19,65 Meter lang und hat ein Spannweite von 28,95 Meter. Sie wird von zwei 1200 PS starken Motoren angetrieben und kann eine Höchstgeschwindigkeit von 346 km/h erreichen. Maximal ist sie für zwei Piloten, eine Stewardess und 25 Passagiere ausgelegt.




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