BERLIN

21.06.2010 | Berlin
Sechs Jahr Haft für jahrelangen Kindesmissbrauch
Nach einer Serie von 345 sexuellen Übergriffen auf seinen Stiefsohn ist ein Berliner am Montag zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. «Sie haben den Jungen über Jahre hinweg zum bloßen Objekt sexueller Befriedigung herabgewürdigt», hielt das Berliner Landgericht dem Angeklagten vor. Das Kind soll seit seinem siebten Lebensjahr missbraucht worden sein. Der Junge habe auch Pornofilme und ein Video, das ihn selbst bei sexuellen Handlungen darstellte, ansehen müssen.
Der 47-jährige Gelegenheitsarbeiter hatte bis zuletzt bestritten. Das Gericht glaubte seinem Opfer, dem inzwischen 26-jährigen Pflegehelfer, der sich qualvollen Vernehmungen gestellt hatte. Schluchzend hielt er dem Angeklagten vor: «Warum hast du das getan?» Die psychisch kranke Mutter habe ihm nicht helfen können, schilderte er vor Gericht seine bedrückende Situation.
Die Richter waren zunächst sogar von weit mehr als tausend ermittelten Fälle ausgegangen. Sie konnten aber nicht alle nachgewiesen werden. Die Anwältin des Pflegehelfers hatte am Rande des Prozesses erklärt, sie ziele nicht auf eine hohe Strafe ab. Wichtig sei, dass ein Gericht das Unrecht feststellt. Die Nebenklägerin begrüßte die durch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche entstandene Diskussion. Vielleicht finden Opfer jetzt eher den Mut zur Anzeige und erhalten schneller Gehör, sagte sie.




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