BERLIN
09.03.2009

10.03.2009 | Leipzig (dpa)
Weitere Vernehmungen im Fall Mordfall Michelle
Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der achtjährigen Michelle in Leipzig werden heute die Ermittlungen und Vernehmungen fortgesetzt. Ein 18-jähriger Auszubildender war am Sonntagabend als dringend tatverdächtig festgenommen worden. Er hat die Tat gestanden.
Michelle war am 18. August vergangenen Jahres auf dem Weg nach Hause verschwunden. Drei Tage später wurde das ermordete Kind in einem Teich gefunden.
Fast sieben Monate lang hatte die Polizei fieberhaft nach dem Mörder - am Ende hat er dem Fahndungsdruck nicht mehr standgehalten. «Er hat sie getötet, nachdem er zuvor versucht hat, sich an Michelle sexuell zu vergehen», sagt Oberstaatsanwalt Hans Strobl am Montag in Leipzig.
Den Ermittlern war die Erleichterung anzumerken, als sie auf einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit informieren - auch wenn Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) betont: «Ich war mir eigentlich immer klar darüber: Es wird uns gelingen, dieses schlimme Verbrechen aufzuklären.» Den Grundstein für den späten Erfolg hätten Profiler gelegt, die den Mörder von Michelle in der Nachbarschaft vermutet hatten. Haus für Haus waren die Ermittler zu Befragungen angerückt und hatten um freiwillige DNA-Proben gebeten. Am Sonntag um 17.00 Uhr sollte der 18-Jährige dran sein.
Mit seiner Mutter sei der junge Mann auf eine Polizeiwache erschienen und habe zunächst bloß eingeräumt, Michelles Leiche in einen Ententeich geworfen zu haben. Nach mehreren Stunden schließlich sei der Auszubildende eingeknickt und habe die Tötung gestanden. Demnach wurde Michelle bereits am Abend ihres Verschwindens am 18. August 2008 umgebracht. «Die sächsische Polizei hatte null Chance, das Mädchen noch lebend zu finden», sagt Buttolo. Die Leiche war drei Tage später in dem Teich entdeckt worden. Michelle war auf dem Heimweg von den Ferienspielen verschwunden.

Ermittler hatte im Dunkeln getappt...
Monatelang hatten die Ermittler im Dunkeln getappt. Rund 20 000 Hinweise und Spuren seien aufzuarbeiten gewesen, sagt Buttolo, knapp 10 000 Befragungen wurden absolviert. Die Polizei durchkämmte akribisch die Umgebung des Fundortes der Leiche im Leipziger Südosten, durchsuchte Industriebrachen und vernahm zahllose Anwohner und Kleingärtner - erfolglos. Immer wieder glimmten Hoffnungsschimmer auf - etwa als im November Spezialhunde die Ermittler in den Keller eines Gymnasiums führten. Doch all die Fünkchen Hoffnung verglühten schnell.
Verzweifelt hatte die Sonderkommission «Michelle» auch nach der verschwundenen pinkfarbenen Jacke und Tasche des Mädchens gesucht. Alle Aufrufe dazu blieben erfolglos - bis Sonntag. Der 18-Jährige habe den Ermittlern gesagt, wohin er die Tasche geworfen hatte, sagt Uwe Matthias, Chef der SoKo. Und tatsächlich fanden die Polizisten die Tasche, prall gefüllt. «Wenn Sie eine Vermutung von mir hören wollen, befindet sich darin sicherlich die gesuchte Jacke», sagt Matthias. Der SoKo-Chef hatte eigens seinen Eintritt in den Ruhestand hinausgeschoben, um den Fall noch zu lösen.
Vor fast sieben Monaten verschwand Michelle - Die Chronologie
Die achtjährige Michelle aus Leipzig verschwindet am 18. August 2008 auf dem Weg von der Schule nach Hause. Drei Tage später werden die schlimmsten Befürchtungen zur Gewissheit: Das Mädchen ist tot - und Opfer eines Verbrechens. Die Chronologie des Falles:

18. August:
Gegen 15.30 Uhr verlässt das Mädchen nach den Ferienspielen den Schulhort im Leipziger Südosten. Unterwegs verabschiedet sie sich von einer Freundin. Zu Hause kommt sie nie an. Am Abend beginnt die Polizei mit der Suche.
21. August:
Ein Spaziergänger entdeckt eine Leiche in einem Teich des Stötteritzer Wäldchens nahe von Michelles Schule und Wohnort. Nach einigen Stunden bestätigt sich der Verdacht: Es ist Michelle. Am späten Abend heißt es: Das Mädchen wurde ermordet.
23. August:
Bei einer kirchlichen Andacht in Leipzig erinnern mehrere hundert Menschen an das ermordete Kind. Die Polizei überprüft die Alibis von mehr als 250 aktenkundigen Sexualstraftätern.
25. August:
Die Stadt richtet ein Spendenkonto für die Familie ein.
27. August:
Die Eltern danken der Öffentlichkeit für die große Anteilnahme. Für sie sei die Situation "außerordentlich belastend".
28. August:
Die Spurensuche in der Umgebung des Teiches und im benachbarten Park ist beendet. Beamte habe 230 Baracken, Industriegebäude, Friedhöfe und Ruinen durchkämmt.
29. August:
Bei der Durchsuchung einer früheren Friedhofsgärtnerei werden ein Kinderfahrrad, ein Stuhl und ein Radanhänger sichergestellt. Wenige hundert Meter entfernt war die Kinderleiche entdeckt worden.
1. September:
Inzwischen haben die Ermittler mehr als 1000 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Ob eine "heiße Spur" darunter ist, will ein Polizeisprecher aber nicht sagen.
6. September:
Bislang gingen 1200 Hinweise ein. Nach wie vor werden die pinkfarbene Kindersporttasche und Michelles Jacke vermisst.

17. September:
Die Leipziger Polizei setzt nun auf freiwillige Speichelproben.
19. September:
Michelle ist an einem geheimen Ort beerdigt worden.
30. September:
Die Polizei hat inzwischen mehr als 9300 Leipziger befragt, 1334 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein - eine heiße Spur hat sich noch nicht ergeben.
6. November:
Nach der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" und der Veröffentlichung eines Phantombildes gehen bei der Polizei zahlreiche neue Hinweise ein.
13. November:
Ein Spürhund die Polizei führt die Polizei in den Keller eines Gymnasiums. Speichelproben von einer Schülerband und dem Hausmeister werden genommen.
18. Dezember:
Vier Monate nach dem Verschwinden der Achtjährigen sind 1684 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen.
9. März 2009:
Nach Informationen der "Leipziger Volkszeitung" ist ein Tatverdächtiger gefasst. Es soll sich um einen 19-Jährigen handeln.




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