BERLIN


20.08.2010 | Berlin
Premiere in Berlin - Die Sekundarschule startet
Montag ist es soweit: Die heiß diskutierte Berliner Sekundarschule geht an den Start. Nicht nur das Schulsystem, auch viele Schulen sind Baustellen. Immer mehr Eltern wählen derweil Privatschulen.
Über eineinhalb Jahre wurde gestritten, geworben und vorbreitet: An diesem Montag beginnt nun der Unterricht in der neuen Berliner Sekundarschule. Haupt-, Real- und Gesamtschule sind damit Geschichte, an ihre Stelle neben dem Gymnasium tritt die neue Schulform. Die Streitthemen zum Schuljahresbeginn indes sind die alten: Lehrerausstattung, Berlin als Verlierer in Schulvergleichen und die immer noch laufenden Bauprojekte aus dem Konjunkturpaket II.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) präsentierte am Freitag die Fakten zum neuen Schuljahr und wartete nicht, bis es Fragen zum mutmaßlichen Lehrermangel gibt. «Ich gehe davon aus, dass wir das Ziel einer durchschnittlichen Unterrichtsversorgung von hundert Prozent erreichen werden», verkündete der SPD-Politiker. Das zahlenmäßige Schüler-Lehrer-Verhältnis verbessere sich weiter. Manche Schule überschätze derzeit wegen Doppelanmeldungen ihren Bedarf.
Die Lehrergewerkschaft GEW geht aber weiter davon aus, dass bis zu 400 Pädagogen fehlen. Wenn trotzdem 100 Prozent erreicht würden, dann nur, weil die Schulen ihre Stundenpläne schon auf den zu erwartenden Mangel eingestellt hätten, sagte GEW-Sprecher Peter Sinram.
Unverändert halten im neuen Schuljahr zwei Trends an: Die Schülerzahl in den öffentlichen Schulen sinkt, dieses Mal auf 293 100 (minus 0,49 Prozent). Gleichzeitig schicken mehr Eltern ihre Kinder auf Privatschulen. Nach Prognose des Senats haben die Privaten nun schon 28 000 Schüler, was einem kräftigen Plus von 2100 entspräche.

Vielerorts beeinträchtigen auch im neuen Schuljahr Bauvorhaben den Schulbetrieb, weil Aufträge aus dem Konjunkturpaket abgearbeitet werden. Mensen, Klassenräume und Turnhallen werden gebaut oder saniert. Das Volumen liegt an den allgemeinbildenden Schulen bei 163 Millionen Euro, bis Ende 2011 soll alles fertig sein. GEW-Sprecher Sinram: «Da heißt es für einige Schulen nur: Augen zu und durch.»
Senator Zöllner kritisierte einen Ländervergleich des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, in dem Berlins Schulsystem auf dem letzten Platz landete. Auftraggeber der am Donnerstag veröffentlichen Studie war die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die von der Metall- und Elektro-Industrie finanziert wird. «Ich sage deutlich: Diese Studie ist wertlos», kommentierte Zöllner das Ergebnis. Die Autoren hätten die falschen Zahlen in Zusammenhang gebracht.




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