BERLIN

30.08.2010 | Berlin
Berliner Admiralspalast - Vermittler soll helfen
Von der «Dreigroschenoper» bis zu Otto Waalkes: Der Admiralspalast ist eine der bekanntesten Bühnen Berlins. Hinter den Kulissen aber brodelt es. Der Betreiber kämpft ums Überleben.
Der Betreiber des Berliner Admiralspalasts gibt nicht auf. Nachdem er Insolvenz angemeldet hatte, brachte Falk Walter, der Geschäftsführer der Produktions GmbH, am Montag einen Vermittler ins Gespräch. Dieser könnte aus der Handelskammer oder aus dem Senat kommen und soll helfen, die Zukunft der Bühne zu sichern. Der Vermieter hatte Walter wegen Mietschulden gekündigt. Bei dem vorläufigen Insolvenzverfahren soll geklärt werden, wie es mit der 2006 wiedereröffneten Traditionsbühne weitergeht. «Wir kämpfen hier um einen Kulturstandort», sagte Walter, der sichtlich bewegt wirkte.

Zumindest für die nächsten drei Monate sei der Betrieb gesichert. Auch danach sollen die Veranstaltungen wie geplant laufen. Das erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Udo Feser. Die für September angekündigte Räumung sei abgewendet. Der Streit hinter den Kulissen des Theaters an der Friedrichstraße schwelt seit längerem. Es ist das zweite Insolvenzverfahren. Laut Walter liegen die Mietschulden bei 380 000 Euro. Wie hoch die Schulden insgesamt sind, wurde nicht mitgeteilt.
Walter hält die Miete, die er auf 1,72 Millionen Euro im Jahr beziffert, für nicht angemessen. Bei der Übergabe sei das Haus nur halbfertig gewesen. Er sieht sich durch den Vermieter in ein schlechtes Licht gerückt. Die Produktions GmbH habe bislang «Unglaubliches» geleistet. «Sie hat aus einer Baustelle ein Theater gemacht.» Eine Machbarkeitsstudie habe dem Theater eine gute Zukunft bescheinigt, wenn es sich von den hohen Anlaufkosten befreien könne, so Walter.
Der 1910 eröffnete Admiralspalast hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Von der Eislaufbahn der Kaiserzeit und dem Revuetheater der 20er Jahre über die NS-Zeit mit der «Führer-Loge» und der «Lustigen Witwe» bis zur «Politbüro-Loge» der SED und der Metropol-Ära der heiteren Muse in der DDR-Zeit.

Unter Falk Walter wollte die Bühne an die «Goldenen» 20er Jahre anknüpfen. Zur Wiederöffnung gab es Brechts «Dreigroschenoper» unter der Regie von Klaus Maria Brandauer mit Campino als Mackie Messer. Danach liefen Stücke wie die Nazi-Satire «The Producers» und das Musical «My Fair Lady». Stars wie Johannes Heesters, Otto Waalkes, Helge Schneider, Kurt Krömer, Jan Delay und Rufus Wainwright traten dort auf. Walter gehört in Berlin noch die Arena in Treptow mit Konzerthallen und einem Badeschiff.
Die Eigentümerin und Vermieterin des Theaters, die Admiralspalast GmbH & Co KG, legt Wert darauf, dass sie und - damit der «Admiralspalast» selbst - von der Insolvenzmeldung nicht betroffen sei. Seit einem Jahr bestehe kein Mietverhältnis mehr mit der Produktions GmbH. «Der Admiralspalast steht weiterhin auch in Erfüllung der kulturellen Nutzungsbindung für das Gebäude allen Veranstaltern, Künstlern und dem Publikum offen», heißt es in einer Mitteilung.
Quelle: dpa
Admiralspalast: www.admiralspalast.de






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