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BERLIN

 

RAZZIA IN DRK-KLINIKEN   |   DER FALL IM JUNI   |   SCHWARZE SCHAFE IM WEISSEN KITTEL

30.09.2010 | Berlin

Betrugsskandal an Berliner DRK-Kliniken weitet sich aus

Das Deutsche Rote Kreuz ist unter Druck. Fahnder sind in Berlin Abrechnungsbetrügern bei Kliniken und Ärzten auf der Spur.Frühmorgens rückten sie zur Razzia an. Die Vorwürfe werden immer drastischer. Die Gesundheitssenatorin ist schockiert.  

Nach einer Großrazzia hat sich der Betrugsskandal an den Berliner DRK-Kliniken ausgeweitet. Möglicherweise sind alle ambulanten Versorgungszentren betroffen. Durch systematischen Abrechnungsbetrug soll ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein. «So einen Fall hat es in Berlin noch nicht gegeben», sagte Karsten Fischer vom Landeskriminalamt am Donnerstag. Mittlerweile gibt es 62 Beschuldigte, davon etwa fünf auf Führungsebene.

350 Polizisten hatten morgens rund 150 Privatadressen und medizinische Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) durchsucht. Dazu gehörten neben Versorgungszentren von DRK-Kliniken auch Wohnungen von Geschäftsführern und Ärzten, zwölf davon in anderen Bundesländern. Der Verdacht lautet auf banden- und gewerbsmäßigen Betrug im Gesundheitswesen. Bereits am 9. Juni hatte es eine ähnliche Razzia gegeben.

Die Vorwürfe hätten sich verstärkt und deutlich erweitert, sagte Oberstaatsanwalt Frank Thiel auf einer Pressekonferenz. Im Sommer waren zwei Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft und ein Chefarzt der Radiologie im Krankenhaus Mitte festgenommen worden.

Jetzt besteht nach Angaben der Fahnder der Verdacht, dass es sich um ein seit 2005 organisiertes System handelt. Im Visier sind alle Fachbereiche der medizinischen Versorgungszentren des DRK in Berlin, in denen ambulante Behandlungen gesetzlich Versicherter angeboten werden. Auch die Schwesternschaft, die Betreiberin, ist laut Thiel unter «Teilverdacht», von Machenschaften gewusst zu haben. Weitere Festnahmen oder Hinweise, dass Patienten körperlich zu Schaden kamen, gab es bislang nicht.

Der Abrechnungsbetrug soll zum Beispiel so ausgesehen haben: Niedergelassene Ärzte verkauften ihre Zulassungen an die DRK-Zentren und waren dann dort nur auf dem Papier beschäftigt. Bei der Razzia suchten die Fahnder gezielt nach entsprechenden Verträgen als Beleg für Scheinanstellungen. «Das war für die Ermittlungsbehörden eine dankbare Situation», sagte Thiel.

Eine zweite Betrugsvariante bestand darin, dass Assistenzärzte Behandlungen vornahmen, für die sie nicht qualifiziert waren und die verkehrt abgerechnet wurden. Das ist ein Vorwurf, der bereits seit Juni im Raum steht. Damals hatten junge Ärzte die Ermittler eingeschaltet. «Anders als im Sommer haben wir bis jetzt keine Hinweise, dass Druck auf junge Assistenzärzte ausgeübt worden ist», sagte Thiel. Damals sollen kritische Mediziner mit Peilsendern unter dem Auto von einer Detektei im Auftrag der Klinik ausspioniert worden sein.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um Mitarbeiter des DRK und die beteiligten Ärzte. Der Schaden ging zulasten der Kassenärztlichen Vereinigung. Durchsucht wurden unter anderem die Büroräume der DRK- Kliniken in Mitte, Westend und Köpenick, der Versorgungszentren, die Firmensitze, der Sitz des Vorstandes des DRK in Berlin sowie 86 Wohnungen.

Der Verband der DRK-Schwesternschaften zeigte sich «entsetzt und überrascht» über die neuerliche Razzia. Die DRK Kliniken selbst wollten sich dazu nicht direkt äußern. Die Kliniken seien weiterhin an der «schnellstmöglichen Aufklärung» der erhobenen Vorwürfe und der Kooperation mit den Ermittlern interessiert. Die Versorgung der Patienten sei in vollem Umfang sichergestellt.

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zeigte sich angesichts der neuen Vorwürfe schockiert. «Der Betrug, so er sich bestätigen sollte, ist ein Skandal, der dem Vertrauen in das Gesundheitswesen schadet.»

Quelle: dpa

Betrugsskandal an DRK-Kliniken - Betroffene finden hier Hilfe:

Neue Patienten-Hotline: 030 - 30 35 22 22 

www.berlin.de/lb/patienten

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