BERLIN

29.10.2010 | Berlin
Alice Schwarzer löst Prozess um Spendenbetrug aus
«Emma»-Chefredakteurin Alice Schwarzer brachte die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Spendenbetrüger ins Rollen: Am Freitag begann vor dem Berliner Landgericht der Prozess gegen den Vorsitzenden des Frauennothilfe-Vereins Hatun & Can. Dessen Anwalt stellte erstmal einen Befangenheitsantrag gegen die Strafkammer. Der Verteidiger Hubert Dreyling warf den Richtern vor, seinen Mandanten vorverurteilt zu haben. «Die Berliner Justiz hat Alice Schwarzer einen roten Teppich ausgelegt», sagte Dreyling noch bevor die Anklageschrift verlesen war. Auch die Verteidigung werde behindert.
Schwarzer gehörte zu den Spendern des Vereins. Dieser war 2006 nach dem «Ehrenmord» an der Berliner Deutsch-Türkin Hatun Sürücü gegründet worden, um von Zwangsheiraten und Gewalt bedrohten Frauen zu helfen. Die Frauenrechtlerin überwies eine halbe Million Euro auf das Vereinskonto. Das Geld hatte sie bei einer Prominentenausgabe der RTL-Show «Wer wird Millionär?» mit Günter Jauch gewonnen.

Als sie später nachfragte, was der Verein mit dem Geld Gutes getan habe, erhielt sie nach eigenen Angaben keine klare Auskunft. Da erstattete sie Strafanzeige. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe.
Insgesamt 690 000 Euro soll der Angeklagte mit falschen Angaben zum Vereinsgeschehen erschlichen haben. Einen Teil des Geldes soll er privat verbraucht haben, etwa für Hotels und Reisen mit seiner Freundin. Seit Ende März sitzt er in Untersuchungshaft.
dpa
www.aliceschwarzer.de




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