BERLIN
AKTUELL | REPORT: EXPLOSIVE POST | BOMBENTERROR GRIECHISCHER AUTONOMER
DAS BUNDESKANZLERAMT | SCHWARZPULVER / MISSLUNGENE BOMBENATTENTATE


02.11.2010 | Berlin
Sprengstoff-Paket im Kanzleramt - Verbindung nach Athen?
Bombenalarm in der Regierungszentrale: Im Kanzleramt ist ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) adressiertes Päckchen mit Sprengstoff entschärft worden. «Es war an die Bundeskanzlerin persönlich gerichtet», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in Berlin.
«Die Untersuchung zeigt, dass der Inhalt des Päckchens zumindest geeignet war, Menschen zu verletzen.» Spezialisten des Berliner Landeskriminalamts zerschossen das Päckchen mit einer Wasserkanone. Baugleiche Briefbomben, unter anderem an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert, hatten nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bereits in Griechenland Alarm ausgelöst.

Die «Berliner Morgenpost» berichtete unter Berufung auf ranghohe Sicherheitskreise, es handle sich um eine bisher unbekannte Spreng- und Brandvorrichtung, die laut Experten auch explodiert wäre. Zuvor soll eine Warnmeldung eingegangen sein. Dem «Tagespiegel» sagten Sicherheitsexperten, bei einer Explosion wäre vermutlich ein Feuer entstanden und die öffnende Person verletzt worden.
Die Berliner Polizei setzte ein Spezialfahrzeug ein, das mit einem Roboter ausgerüstet ist, der aus der Entfernung verdächtige Gegenstände sprengen kann. Laut «Tagesspiegel» wurde das Päckchen noch am Ort mit einer solchen Wasserkanone zerschossen. Verletzt wurde niemand.

Das Päckchen war nicht in die Poststelle gelangt, sondern in dem Postüberprüfungsraum außerhalb des Zentralgebäudes aufgefallen. Der «Tagesspiegel» zitierte Sicherheitskreise mit dem Satz: «Das Ding sah so aus, dass jemand ein Zeichen setzen wollte.»
Das Bundeskanzleramt wurde nicht evakuiert oder abgesperrt. Auch ein Krisenstab wurde nicht gebildet. «Wir sind vor allem heilfroh sagen zu können, dass niemand - kein Polizist und auch kein Mitarbeiter des Kanzleramtes - zu Schaden gekommen ist», sagte der Regierungssprecher. Merkels Dank gelte vor allem den Sicherheitskräften, die sehr umsichtig gehandelt hätten.

Eine mögliche Spur führt nach Griechenland. Schwarzpulver wurde zuletzt wohl auch von griechischen Autonomen eingesetzt, die mutmaßlich seit Tagen Athen mit einer Briefbomben-Serie in Atem halten. Unter den Empfängern ist nach Medienberichten auch die deutsche Botschaft. Die Polizei hatte am Montag zwei verdächtige Männer festgenommen. Bei ihnen wurden zwei Briefbomben mit Schwarzpulver gefunden, von denen eine an den französischen Präsidenten Sarkozy adressiert war. Die deutschen Diplomaten in Athen nehmen aus Sicherheitsgründen inzwischen keine Pakete von Kurierdiensten mehr an.
Als unwahrscheinlich galt jedoch, dass die Post einen jemenitischen Terrorhintergrund hat. In dem arabischen Land waren die Paketbomben aufgegeben worden, die am Wochenende in Frachtflugzeugen Dubai und London entdeckt worden waren.




Kommentare