BERLIN

09.11.2010 | Berlin
21 Jahre Mauerfall: Berlin mit neuem Gedenkort
Vor 21 Jahren fiel die Mauer. Von dem Betonwall ist nicht mehr viel zu sehen. Die Erinnerung soll trotzdem nicht verblassen. Nun gibt es an der Bornholmer Straße einen Platz, der an den Mauerfall erinnert.
Berlin hat am 21. Jahrestag des Mauerfalls einen neuen Gedenkort bekommen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnete am Dienstag den Platz des 9. November 1989 an der Bornholmer Straße. «Hier war der Moment erlebbar, an dem sich die Nachkriegsordnung auflöste und Berlin den glücklichsten Augenblick seiner Geschichte erlebte», sagte der SPD-Politiker vor Hunderten Besuchern.
In Potsdam sagte Bundespräsident Christian Wulff, der Tag des Mauerfalls sei «der glücklichste Tag in der deutschen Geschichte» gewesen. Für ihren Beitrag zum Zusammenwachsen von Ost und West wurden in Berlin die Schriftsteller Günter de Bruyn und Martin Walser mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft geehrt.

Wowereit sagte, in jener Nacht schrieben nicht die Mächtigen Geschichte, sondern ganz normale Menschen. An der Bösebrücke habe die deutsche Teilung ihr «Happy End» bekommen. Die Stahlbrücke in der Bornholmer Straße gilt als ein Symbol des Mauerfalls. Der Grenzkontrollpunkt zwischen Wedding und Prenzlauer Berg war der erste am Abend des 9. November vor 21 Jahren, über den die Menschen in den Westen strömten. Zuvor hatte SED-Funktionär Günter Schabowski im Fernsehen fast beiläufig die Öffnung der Grenzen verkündet.
Bei der Preisverleihung für die Schriftsteller sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft, Lothar de Maizière, der 9. November habe sich auf tragische und glückliche Weise in das Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Walser und de Bruyn hätten die Literatur und Kulturgeschichte Deutschlands nachhaltig beeinflusst.
Die FDP-Fraktion im Bundestag kritisierte, dass viele Stasi-Täter heute besser gestellt seien als ihre Opfer. Versuche der Geschichtsklitterung seien beschämend. Für die Berliner CDU erklärte Landes- und Fraktionschef Frank Henkel, die damals errungene Freiheit sei keine Selbstverständlichkeit. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus forderte, an den Schulen solle mehr Wissen über die Diktatur vermittelt werden.

Auf dem Platz an der Bornholmer Straße erinnern eine originale Mauer des früheren Kontrollhauses sowie das Fundament eines Postenturms an die Teilung. In die Erde wurden Stahlbänder eingezogen. Auf ihnen wird mit Zitaten der 9. November 1989 bis zur Öffnung der Schlagbäume erlebbar. Kirschbäume symbolisieren die nach Westen drängenden Menschen. Das Areal entstand mit 350 000 Euro aus dem Vermögen von DDR-Parteien und Massenorganisationen und Senatsmitteln.
Am Mauerdenkmal in der Bernauer Straße wurde mit Kerzen an die friedliche Revolution erinnert. Die Straße war ein besonders drastisches Beispiel der deutschen Teilung. Die Häuser waren im Osten, der Bürgersteig lag im Westen. Derzeit wird die Mauergedenkstätte mit Millionenaufwand zu einer Open-Air- Erinnerungslandschaft ausgebaut.
Die Mauer um den Westteil Berlins war 155 Kilometer lang und stand mehr als 28 Jahre. Durch das DDR-Grenzregime starben an der Berliner Mauer nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 136 Menschen, die meisten waren DDR-Flüchtlinge. Andere Quellen verweisen auf wesentlich mehr Opfer.
Quelle: dpa
Mauergedenkstätte: www.stiftung-berliner-mauer.de




Kommentare