BERLIN

16.12.2010 | Berlin
Im Berliner Regierungsviertel öffnet die nächste Großbaustelle.
Von Burkhard Fraune hat schon im Kanzleramt residiert, künftig will sich Thomas de Maizière aber mit dem Blick über den Gartenzaun in die Machtzentrale begnügen: aus dem 6. Stock des neuen Bundesinnenministeriums.
Sobald das Wetter es zulässt, wird am Spreebogen der Neubau für das Bundesinnenministerium hochgezogen. Der Bürokomplex aus drei ineinander verschachtelten, Z-förmigen Gebäuderiegeln soll ab 2014 bis zu 1600 Bediensteten Platz bieten - die 250 Mitarbeiter des Ministeriums in Bonn eingeschlossen, auch wenn ein Komplettumzug der Regierung derzeit nicht geplant ist.

Die Regierung sieht den Neubau am Garten des Kanzleramts auf der Moabiter Spreeseite als wirtschaftlicher und sicherer an als den bisherigen Ministeriumssitz.
Minister Thomas de Maizière (CDU) setzte am Donnerstag den ersten Spatenstich für den 208-Millionen-Euro-Bau. Der Komplex beginnt im Norden an der Straße Alt-Moabit viergeschossig, nach Süden kommen weitere Geschosse hinzu, bis am Kanzlergarten bis zu neun Etagen und eine Höhe von 36 Metern erreicht werden. Das Ministerbüro wird im 6. Obergeschoss mit Blick auf den Tiergarten liegen. «Ich würde mir wünschen, dass ich als Bundesinnenminister dann auch das Gebäude einweihen kann», sagte de Maizière mit Blick auf die geplante Fertigstellung Ende 2014. Der frühere Kanzleramtsminister nannte seinen Wunsch «eine parteipolitisch verwegene Behauptung».

Bislang verteilt sich das Ministerium in Berlin auf drei Standorte, der größte liegt etwa eineinhalb Kilometer westlich der Baustelle am Moabiter Spreeufer. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gilt der Hauptsitz als nicht mehr sicher genug. Gegen den Sitz sprechen aus Sicht des Ministeriums auch die jährlichen Mietkosten von mehr als acht Millionen Euro im Jahr. Stolz sind die Planer auf die Heizung des geplanten Neubaus, die sich großenteils auf Erdwärme stützen soll. Äußerlich bietet der Bau mit den Abmessungen 125 mal 125 Meter viel Glas und hellen Naturstein. «Die letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass auch eine Demokratie als Bauherr Qualität zustande bringt», sagte de Maizière. «Ich rede jetzt mal als ehemaliger Chef des Bundeskanzleramts von ästhetischer Qualität, nicht unbedingt von bauhandwerklicher Qualität.» Das 2001 bezogene Kanzleramt musste schon im vergangenen Winter saniert worden, weil es in Büros hineinregnete. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) musste ihr Büro räumen.




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