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21.12.2010 | Berlin
Schnee und Eis geben in Berlin den Takt vor
Verspätet sich», «fällt aus» - war auch am Dienstag an den Anzeigen von Bahn, Bussen und Flugzeugen zu lesen. Zunächst Entspannung an der Wetterfront. Doch am Mittwoch soll es wieder schneien - oder regnen.
Ob mit dem Flugzeug nach Frankfurt/Main oder mit der S-Bahn nach Strausberg: Weihnachtsreisende oder Berufspendler in Berlin und Umgebung hatten es am Dienstag erneut schwer, an ihr Ziel zu kommen. Teilweise entspannte sich die Verkehrssituation aber etwas. Am Mittwoch könnten dafür Autofahrer wieder Probleme bekommen: Der Deutsche Wetterdienst warnt vor glatten Straßen.

Der Berliner ADAC rät Autofahrern, sich am Donnerstagmorgen auf den Weg in die Feiertage zu machen. Die erste große Reisewelle über Deutschlands Straßen wird am Mittwoch erwartet, dem letzten Schultag vor Weihnachten in Berlin und Brandenburg sowie weiteren Ländern. Voller würden die Straßen danach wieder am Donnerstagnachmittag. «Man muss immer damit rechnen, dass man irgendwo im Stau steht», warnte ADAC-Experte Jörg Becker. «Je nachdem, wo man hinwill, sollte man einen Zeitpuffer von mindestens einer Stunde einplanen.»
Beim Winterdienst bemühten sich die privaten Dienstleister und die Verwaltung am Dienstag um vorweihnachtlichen Frieden. Die Firmen hatten kritisiert, dass sie nach dem neuen Winterdienst-Gesetz vom November ohne zusätzliches Geld unter verschärften Bedingungen arbeiten - die Verträge waren längst geschlossen.

«Alle sind den überzogenen öffentlichen Erwartungen entgegengetreten, was Winterdienste leisten müssen», sagte eine Sprecherin von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) nach einem Krisentreffen mit Vertretern der privaten Winterdienste, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und des Landesverwaltungsamts. Allen sei nun klar: Die Winterdienste müssen nach dem neuen Gesetz Eis erst dann entfernen, wenn das Streuen von Sand und Schotter gegen Glätte nicht mehr hilft.
Lompscher machte aber auch klar: Salz streuen darf weiterhin nur die Berliner Stadtreinigung. Weil im vergangen Winter wochenlang dicke Eispanzer Straßen und Plätze überzogen, hatte die rot-rote Koalition ins Gesetz geschrieben, dass Eis nicht zu bekämpfen, sondern auch zu beseitigen sei. Firmen sahen die Vertragsgrundlage einseitig verändert. IHK-Sprecher Bernhard Schodrowski sagte nach dem Treffen: «Sollte es Mehraufwendungen geben, sollen die Betriebe sie auch bezahlt bekommen.» Die Kalkulation müsse aber nachvollziehbar sein. «Es ist gut, dass alle jetzt das Säbelrasseln sein lassen.»

Unterdessen wurden wegen Schneelasten die ersten Sporthallen in Berlin gesperrt. Der Bezirk Mitte schloss alle Turn- und Sporthallen mit Flachdächern für zwei Wochen aus Sorge vor Einstürzen. Schon am Montag war eine Eishalle im Sportforum Hohenschönhausen bis auf Weiteres geschlossen worden. Die Feuerwehr rückt immer öfter aus, um gefährlich herabhängende Eiszapfen von Dächern abzuschlagen.
Am Berliner Flughafen Tegel entpannte sich die Lage nach Problemen am Morgen im Laufe des Tages. Insgesamt fielen 41 Flüge aus, wie Sprecher Ralf Kunkel sagte. Die Verbindungen nach Frankfurt am Main waren am Morgen zunächst alle gestrichen, weil der dortige Flughafen für vier Stunden komplett geschlossen war. In Schönefeld dagegen flogen alle Flugzeuge - früher oder später. Nach Einschätzung Kunkels müsse noch bis Weihnachten mit Einschränkungen gerechnet werden.

Die S-Bahn fuhr wieder nur erheblich eingeschränkt. Nur auf den Linien S46, S47 und S9 konnte der derzeit ohnehin eingeschränkte normale Takt aufrechterhalten werden. Ansonsten gab es längere Taktzeiten von meist zwanzig Minuten. Grund sei neben der Witterung ein erhöhter Instandhaltungsaufwand.
Der Regionalbahnverkehr war dagegen weniger beeinträchtigt. Verspätungen hielten sich nach Angaben der Bahn in Grenzen, vereinzelt fielen jedoch Züge aus. Im Fernverkehr gab es ebenfalls einige wenige Ausfälle und Verspätungen. Es sei noch zu früh, von einer Entspannung der Lage zu sprechen, sagte ein Sprecher.

Für die Nacht zu Mittwoch rechnete der Deutsche Wetterdienst mit weiterem Schneefall. Bei steigenden Temperaturen könnte es auch regnen und damit auf geräumten Straßen zu überfrierender Nässe und Glätte kommen, warnte ein Meteorologe. Auch am Dienstag hatte die Polizei erhöhte Unfallzahlen verzeichnet. Es blieb aber meist bei Blechschäden.
Dass viele Deutsche über verspätete Züge und Flugzeuge im Winter meckern, ist nach Ansicht des Berliner Ethnologen Wolfgang Kaschuba ein «Elend auf hohem Niveau». Die Anspruchshaltung gehöre zu unserer Kultur, sagte Kaschuba der dpa. «Wenn wir irgendwo Zeit verlieren, werden wir nervös.» In China sei das Verkehrssystem nicht so gut ausgebaut. «Dort wartet man ganz selbstverständlich.»
Quelle: dpa
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