BERLIN

21.12.2010 | Berlin
Hunderte Bedürftige lassen sich Zanders Gänse schmecken
Lange Schlangen reihten sich nachmittags vor dem Neuköllner Hotel Estrel. Entertainer Frank Zander hatte wieder einmal Bedürftige zum Weihnachtsessen eingeladen. Prominente wie die Grünen-Politikerin Renate Künast oder der Ex-Boxer Axel Schulz halfen beim Servieren.
3200 Gänsekeulen, 900 Kilogramm Rotkohl und 11 000 Kartoffelklöße erwarteten die Bedürftigen, die am Dienstag zum großen Gänseschmaus von Entertainer Frank Zander gekommen waren. Für 2700 Gäste war im Neuköllner Hotel Estrel gedeckt, bis zu 200 weitere Menschen konnten in dem riesigen Saal Platz finden. «Wir haben noch nie einen weggelassen», sagte Zander zu Beginn der Veranstaltung. Die Polizei geht davon aus, dass sich am Ende etwa 3500 Menschen in der Hotelhalle versammelt hatten.

Auf den rotgedeckten Tischen türmten sich erst einmal Orangen, Gebäck und allerhand Süßigkeiten. Ehrenamtliche Helfer, die als Engel und Weihnachtsmänner verkleidet waren, drängten durch die Sitzreihen und verteilten Süßigkeiten an Kinder und Zigaretten an die Älteren.
Zander hatte bereits zum 16. Mal zum Obdachlosenfest eingeladen. Willkommen waren nicht nur Menschen, die auf der Straße leben, sondern auch andere Berliner mit sehr wenig Geld. Eine Initiative des US-Rockmusikers Bruce Springsteen hatte Zander 1995 auf die Idee gebracht, alljährlich Bedürftigen vor Weihnachten ein Gänse-Essen auszurichten.

Das Geld für die Feiern trommelt er gemeinsam mit seiner Familie zusammen und spricht Sponsoren an. Ganz «ohne» sei das nicht. «Wir machen diese Veranstaltung - und die kostet sehr viel Kraft», sagte der 68-Jährige. In diesem Jahr soll das vorweihnachtliche Festessen zwischen 40 000 und 50 000 Euro gekostet haben.
Unterstützung bekommt der Schlagersänger stets von Prominenten, die den Gästen die Speisen servieren. Zum Beispiel Renate Künast. Die Grünen-Politikerin und Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2011 rang mit ihrer Schürze, als sie sich am Dienstag fürs Servieren der Teller vorbereitet. Jegliche Fragen von Journalisten wehrte sie sofort ab. «Ich bin hier zum Arbeiten und Servieren», sagte Künast entschlossen und drängte sich an den Kamerateams vorbei.

Axel Schulz war bereits zum siebten Mal bei der Feier. Als Arbeit empfand der 42-Jährige den Abend nicht - obwohl er nach dem Servieren noch für zahlreiche Interviews und Fotos bereit stehen musste. «Das ist einfach gut, weil du wieder geerdet wirst.» Besonders das Gespräch mit einer mittellosen Familie mit zwei Kindern habe ihn sehr mitgenommen. «Meine Fresse, hab ich ein geiles Leben». Das habe er gedacht, als er seinen Lebensweg mit dem dieser Familie verglich. Vor allem, weil er selber zwei Kinder habe.
Für so manchen Gast blieb es nicht nur beim Festessen - auch für das Aussehen wurde etwas geboten. Vor einem provisorisch eingerichteten Friseursalon bildeten sich lange Schlangen. «Vorhin war's ja so volle, da hat man garnüscht jesehn», meinte Manuela Köbke, die sich auch die Haare schneiden lassen wollte. Ihr letzter Friseurbesuch sei schon einige Monate her, häufiger sei sowas bei Hartz IV aber auch nicht drin. «Manchmal hab ich sie mir auch selber jeschnibbelt.»
Quelle: dpa
Gänse-Essen: www.obdachlosenfest.de




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