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S-BAHN-ENTSCHÄDIGUNG   |   AKTUELL   |   FAHRPLANÄNDERUNGEN

10.01.2010 | Berlin

Bahn will S-Bahn-Kunden erneut entschädigen

Der Besuch von Bahnchef Grube im Berliner Abgeordnetenhaus war monatelang vorbereitet worden. Groß waren die Hoffnungen, dass er für die S-Bahn und deren Fahrgäste erfreuliche Botschaften mitbringen würde. Umso enttäuschter fielen hinterher die Reaktionen aus.

Die Deutsche Bahn will die Kunden der krisengeschüttelten Berliner S-Bahn ein weiteres Mal entschädigen. «Wir denken über eine Lösung nach und werden uns Ende Januar konkret äußern», sagte Grube am Montag bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Früher sei das nicht möglich, weil die Entschädigung mit den landeseigenen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) abgestimmt werden müsse. Schon 2010 hatte der Konzern die Fahrgäste mit Freifahrten im Wert von gut 70 Millionen Euro für die zahllosen Zugausfälle und Verspätungen entschädigt.

Für die zahlreichen Zugausfälle bei der S-Bahn seit Dezember machte Grube vor allem den strengen Winter mit viel Eis und Schnee verantwortlich. Es habe in diesem Winter bislang fast 1200 Störungen der Antriebsmotoren gegeben, obwohl die S-Bahn «so umfangreich vorbereitet» gewesen sei wie noch nie zuvor. Im vorangegangenen Winter seien es insgesamt 276 gewesen.

Grube sicherte den Berlinern erneut zu, alle Mittel in Bewegung zu setzen, damit die S-Bahn wieder ihr früheres Angebot fahren kann. Aussagen, wann das sein wird, lehnte der Konzernchef ab. Nach seinen Worten wird es nicht möglich sein, ohne Anschaffung neukonstruierter Fahrzeuge einen langfristig stabilen Betrieb zu erreichen. Denn der eigentliche Auslöser der S-Bahn-Krise sei die mangelhafte und falsch konstruierte Fahrzeugflotte der Baureihe 481, die bis 2004 von Bombardier ausgeliefert worden war.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (beide SPD) äußerten sich ebenso wie der Koalitionspartner Linke und die Opposition im Abgeordnetenhaus enttäuscht über Grubes Aussagen. Hinsichtlich der Konsequenzen aus den technischen Problemen der Bahn blieben sie weit hinter dem zurück, was zuletzt vom Bundesverkehrsminister öffentlich erklärt worden war», sagte Wowereit. «Offenkundig braucht es weiteren politischen Druck, um die Bahn zu den nötigen Investitionen zu bewegen, und der Bund darf in dieser Lage keine Rendite von der Bahn in Anspruch zu nehmen.» Alle Parteien verlangten von der Bahn, sich mit einem Entschädigungsangebot nicht mehr viel Zeit zu lassen.

Das Bundesverkehrsministerium drängt den bundeseigenen Bahnkonzern seit einigen Tagen zu Investitionen in eine neue Berliner S-Bahn-Flotte, deren Kosten in Milliardenhöhe der Bahnkonzern selbst bezahlen soll. Derartige Investitionen gelten aber als wenig wahrscheinlich, solange die Bahn keine Gewissheit hat, den S-Bahnbetrieb über 2017 hinaus fortsetzen zu können. Der derzeit gültige Verkehrsvertrag der Länder Berlin und Brandenburg mit der S-Bahn ist bis 2017 befristet.

Aufgrund der Dauerkrise bei der S-Bahn hat sich der Senat eine Ausschreibung von Teilstrecken oder die Direktvergabe des S-Bahn-Betriebs an die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) offen gehalten. Eine Entscheidung soll in den nächsten Monaten fallen.

Grube empfahl in der Anhörung Senat und Parlament, das Thema neue Züge - deren Konstruktion bis zum Auslieferung fünf, sechs Jahre dauern würde - jetzt mit Mut anzugehen. Grube sprach von 700 notwendigen Doppeltriebwagen für das Netz und einem Kostenaufwand von zwei Milliarden Euro. Die Bahn sei bereit, die Kosten für tragfähige Lösungen zu übernehmen. Grube wollte seine Äußerungen aber nicht als Einflussnahme auf die mögliche Ausschreibung verstanden wissen.

Junge-Reyer sagte, Berlin dürfe sich nicht erpressen lassen. Die Senatorin äußerte den Verdacht, dass sich der Bahnkonzern um die bis 2017 notwendigen Investitionen in die S-Bahn drücken wolle. Sie forderte den Konzern auf, sich um technische Hilfe aus anderen Bahnunternehmen auf der Welt zu bemühen, wenn er mit eigenen Mitteln nicht zurechtkomme. Grundsätzlich müsse sich die Deutsche Bahn mit ihren Investitionen wieder auf ihre Verpflichtung auf das Allgemeinwohl besinnen.

 

Zum Vorschlag der Linken, bei Bombardier neue, aber modernisierte Züge der Baureihe 481 zu bestellen, um ohne lange Verzögerungen Lücken zu schließen, sagte Grube, Nachbestellungen seien nicht möglich. Denn diese Züge würden heutzutage vom Eisenbahn-Bundesamt keine Zulassung mehr erhalten. Warum die Bahn vor Jahren auf Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller verzichtete, habe ihm bis heute im Konzern noch niemand sagen können. «Das Ganze ist ein Krimi», sagte Grube, der den Bahnkonzern seit Mai 2009 leitet.

Nach Grubes Angaben hat die Krise der S-Bahn den Mutterkonzern Deutsche Bahn in den Jahren 2009 und 2010 zusammen 370 Millionen Euro gekostet. Bis 2014 erwartet der Konzern eine Kostenbelastung von insgesamt 700 Millionen Euro. «Wir haben bisher eine Milliarde Euro in die S-Bahn investiert, aber noch keinen Euro damit verdient. Wir werden auch bis zum Auslaufen des Verkehrsvertrages mit den Ländern Berlin und Brandenburg Ende 2017 keinen Euro mit der S-Bahn verdienen», bemerkte der Bahnchef. Die S-Bahn Berlin gehört seit Mitte der 1990er Jahre zum Bahnkonzern.

Quelle: dpa

 

S-Bahn: www.s-bahn-berlin.de

S-Bahn Berlin


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E-Mail
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Aktuelle Betriebssituation und weitere Infos im Internet unter
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