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06.01.2011 | Berlin

Eisregen: Knochenbrüche, Blechschäden und verspätete Flüge

Die Hauptstadt grau in grau: Regen, Blitzeis und Schneematsch machte den Berlinern zu schaffen. Der Weg zur Arbeit endete für manche im Krankenhaus. Gehwege waren spiegelglatt.

Berlin kam am Donnerstag ins Rutschen. Plötzlich einsetzender Regen verwandelte Gehwege am Vormittag in Schlitterbahnen. In Tegel blieben Flugzeuge auf dem Boden. Zahlreiche Berliner stürzten und mussten in Krankenhäusern verarztet werden. Auf den Straßen gab es mehr Karambolagen als sonst. Die Männer in Orange der Berliner Stadtreinigung (BSR) streuten Salz und räumten Hauptstraßen. Am Nachmittag normalisierte sich die Lage. In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt liegen.

Die Feuerwehr rief am Morgen den Ausnahmezustand aus. Bis zum Mittag waren 20 zusätzliche Rettungswagen im Einsatz, wie ein Sprecher mitteilte. Insgesamt sammelten 115 Wagen von 0.00 bis 12.00 Uhr 182 Glatteis-Opfer ein und brachten sie in Krankenhäuser. «Es ging quer durch - Schulkinder, Alte und jüngere Menschen waren betroffen», so der Sprecher. Es gab Kopfplatzwunden, Prellungen und Knochenbrüche. Zehn Freiwillige Feuerwehren unterstützten die Rettungskräfte. Am Mittag wurde der Ausnahmezustand beendet, die Lage normalisierte sich.

Viele Berliner waren von dem Regen überrascht worden, der auf gefrorenen Boden traf und sofort für Glatteis sorgte. Fußgänger versuchten, sich wie auf Rutschbahnen im Zeitlupentempo zur Arbeit durchzukämpfen. Im Unfallkrankenhaus Marzahn wurde ein rapider Anstieg von Knochenbrüchen registriert, wie ein Sprecher mitteilte. Es gebe ähnlich viele Verletzte wie beim großen Kälteeinbruch im Februar 2010. Auch die Rettungsstellen der Charité in Mitte und im Wedding füllten sich mit Menschen, die den Halt verloren hatten.

Auf dem Flughafen Tegel wurden in den Morgenstunden zunächst zehn Flüge gestrichen. Auf die Start- und Landebahnen wurde Enteisungsmittel gestreut. Sechs Maschinen landeten nicht in Tegel, sondern wurden nach Schönefeld umgeleitet. Am Mittag normalisierte sich die Lage wieder. Starts und Landungen wurden wieder frei gegeben. Jedoch wurde weiter mit Verzögerungen gerechnet, weil Flugzeuge enteist werden müssten, sagte ein Sprecher.

Die Polizei registrierte mehr Unfälle als an normalen Tagen. Allein zwischen 09.00 und 10.00 Uhr habe es 110 gegeben. «Das war sehr viel mehr als sonst», sagte ein Sprecher. Die Polizei empfahl Autofahrern auch weiterhin, die winterlichen Witterungsverhältnisse zu beachten und langsam zu fahren.

Busse kamen teils nur im Schritttempo voran. BVG-Sprecherin Petra Reetz berichtete aber auch, dass vor allem außerhalb des S-Bahnrings die Lage schwierig war. Einige Haltestellen wurden nicht mehr angefahren, die Linie 117 in Teltow wurde ganz eingestellt. Bei der U 1, die weite Strecken oberirdisch verläuft, kam es zu kurzzeitigen Unterbrechungen, weil die Stromschienen eingefroren waren.

Keine zusätzlichen Probleme gab es bei der pannengeplagten S-Bahn: Die Züge bekommen ihren Strom von der Unterseite der Stromschienen, so dass die Zufuhr durch den Eisregen nicht unterbrochen wurde. Ringbahnen und Teilabschnitte von S 1, S 3 und S 5 verkehrten im 10-Minuten-Takt, die übrigen im 20-Minuten-Takt. Auch die Außenbezirke werden wieder angefahren.

Mitarbeiter der BSR waren nach Angaben von Sprecherin Sabine Thümler seit 3.00 Uhr unterwegs, um Hauptstraßen freizuhalten. Salz sei auch präventiv gestreut worden. «Damit sich Eis gar nicht erst bildet.»

Quelle: dpa

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