BERLIN

S-Bahn-Chef bei 105'5 Spreeradio

19.01.2011 | Berlin
S-Bahn stellt Winterfahrplan ins Internet
Der aus der Not geborene Winterfahrplan der Berliner S-Bahn ist fertig und von diesem Mittwoch an im Internet zu lesen. Er tritt wie angekündigt am kommenden Montag (24. Januar) in Kraft und gilt zunächst bis zum 27. Februar, wie die S-Bahn am Dienstag mitteilte. Zwischen der Berliner Innenstadt und dem Umland verlängern sich die Fahrzeiten um bis zu zehn Minuten, weil die Züge grundsätzlich nicht mehr schneller als 60 Stundenkilometer fahren sollen. Dadurch verändern sich Ankunfts- und Abfahrtszeiten. Busanschlüsse an S-Bahnhöfen können nicht immer erreicht werden.
Zudem werden nicht mehr alle Strecken im gewohnten Takt bedient. Die Ringbahnlinien S41/S42 sollen nach den Angaben tagsüber im 10-Minuten-Takt und mit Vollzügen von jeweils acht Wagen verkehren. Die Verbindungen nach Spandau und Wartenberg werden im 20-Minuten-Takt gefahren. Aufgrund zahlreicher eingleisiger Streckenabschnitte können die Züge nach Potsdam nur alle 20 Minuten fahren. Der nördliche Abschnitt der Linie S25 zwischen Nordbahnhof und Hennigsdorf wird aus gleichem Grunde im 30-Minuten-Takt bedient.

Auch in den Wochenendnächten vom 28. Januar an gibt es Veränderungen. Die Ringbahnlinien fahren im 20-Minuten-Takt. Zwischen Nordbahnhof und Hennigsdorf verkehrt alle halbe Stunde ein Zug. Auf allen anderen Linien gilt ein 40-Minuten-Grundtakt, wie die S-Bahn weiter mitteilte. Durch Überlagerung von Linien entstehe aber vielerorts ein 20-Minuten-Takt.
Mit zusätzlichen Regionalzügen will die Deutsche Bahn in den kommenden Wochen den S-Bahn-Fahrgästen Alternativen bieten. So wird die RegionalExpresslinie RE6 Wittenberge Neuruppin Hennigsdorf Berlin-Spandau von Montag an über Berlin-Jungfernheide nach Berlin-Gesundbrunnen verlängert. Auf der Linie RB 10 zwischen Berlin-Spandau und Berlin-Charlottenburg und der RB 13 zwischen Berlin-Spandau und Berlin-Hauptbahnhof sind bereits zusätzliche Züge unterwegs.
Die neuen Fahrplandaten aller S-Bahn-Linien sind von Mittwoch an auf der S-Bahn-Homepage (www.s-bahn-berlin.de) und in den elektronischen Auskunftssystemen von S-Bahn, BVG und VBB abrufbar. Von Freitag an sind sie auch auf der Homepage der Deutschen Bahn (www.bahn.de) einzusehen.
Quelle: dpa

14.01.2011 | Berlin
S-Bahn dünnt Fahrplan aus - Entschuldigung angekündigt
Nahverkehrskunden in Berlin müssen sich von übernächster Woche an wieder auf längere Fahrtzeiten einstellen. Ursache ist, dass die S-Bahn aus Sicherheitsgründen ihr Tempo drosselt; Fahrten vor allem aus den Außenbezirken verlängern sich. Die Fahrpläne der Trams, U-Bahnen und der meisten Busse werden nicht angepasst, beim Umsteigen könnten Fahrgäste somit weitere Zeit einbüßen.
Mit dem neuen Notfahrplan schränkt die S-Bahn ihr Angebot vom 24. Januar an besonders am Stadtrand wieder ein. Züge nach Potsdam und Spandau fahren nur noch alle 20 Minuten, nach Hennigsdorf alle 30 Minuten, wie ein Bahnsprecher am Freitag sagte. Auf dem Ring fahren die Züge alle zehn Minuten, die S9 von Schönefeld fährt nur bis zur Greifswalder Straße anstatt bis Pankow. Der 10-Minuten-Takt auf der S1 zwischen Frohnau und Wannsee bleibt.
Hintergrund ist, dass die S-Bahn ihr Höchsttempo von 80 auf 60 Stundenkilometer drosselt. «Hier geht Verlässlichkeit vor Schnelligkeit», sagte der Bahnsprecher. Die neuen Abfahrtzeiten will die S-Bahn Mitte nächster Woche bekanntgeben. Dieser Fahrplan soll zunächst bis zum 27. Februar gelten.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) teilten mit, dass sie nur auf wenigen Buslinien ihren Fahrplan an die neuen S-Bahn An- und Abfahrzeiten umstellen kann. Für alles andere sei die Zeit zu knapp.
Die S-Bahn will ihre Kunden für die anhaltenden Probleme wieder entschädigen. «Es geht darum, sich zu entschuldigen, und das nicht nur mit Worten zu tun, sondern auch mit Geld», sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner am Freitag im Interview bei 105'5
Spreeradio. Bis zum 31. Januar werde die Bahn Details nennen.
Die S-Bahn schafft seit mehr als eineinhalb Jahren keinen Normalbetrieb mehr. Derzeit sind nach Angaben des Unternehmenschefs 420 von 562 Doppelwagen einsatzfähig. «Wir werden die ganzen 562 dieses Jahr nicht wieder erreichen», sagte Buchner.
Quelle: dpa
13.11.2011 | Berlin
Berlin beteiligt sich nicht an S-Bahn-Investition
Same procedure as last year. Bei ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr stritten Berlins Volksvertreter schon wieder über die S-Bahn. Nun aber unter nicht zu überhörendem Wahlkampfgetöse.

Die nicht enden wollende Krise bei der Berliner S-Bahn hat wieder eine heftige Debatte im Abgeordnetenhaus ausgelöst. Auf die Frage, wer die Schuld an dem Chaos trägt, gab es dabei am Donnerstag zwei Antworten - je nach Perspektive: Die Bahn und der Bund, betonte die rot-rote Koalition, die Opposition dagegen sieht eine erhebliche Mitschuld beim Senat.
Vor allem SPD und Grüne lieferten sich im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl im September scharfe Rededuelle. Rot-Rot fürchtet unterdessen, dass der Bund das Land bei der Krisenbewältigung über den Tisch zieht. Die Deutsche Bahn trat Darstellungen eines ehemaligen S-Bahn-Geschäftsführers entgegen, der sich kritisch zur Verantwortung von Spitzenmanagern für das Desaster bei der Konzerntochter geäußert hatte.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) machte klar, dass Berlin der S-Bahn beim Kauf eines neuen Fuhrparks nicht unter die Arme greifen werde. Weder werde sich das Land an Investitionen beteiligen, noch auf Zahlungskürzungen verzichten, wenn die Leistung nicht stimmt. Junge-Reyer betonte auch, dass die Bahntochter 2017 nicht automatisch den Zuschlag für einen neuen Verkehrsvertrag bekommen werde, nur weil sie sich mit neuen Zügen eindecke. Der Bund müsse klarstellen, dass die notwendigen Investitionen nicht an derartige Bedingungen geknüpft werden. «Wir sind nicht erpressbar», betonte die Senatorin.
Die Bahn und der Bund als Eigentümer waren in der vergangenen Woche übereingekommen, dass die S-Bahn in den nächsten Jahren eine neue Fahrzeugflotte bestellen müsse. Junge-Reyer sagte, es dauere aber fünf bis sechs Jahre, bis neue Wagen verfügbar seien, erst 2025 werde der Fuhrpark komplett ausgetauscht sein. Sie werde in Kürze mit der Bahn darüber sprechen, wie sie die Investitionen bewerkstelligen wolle. Die S-Bahn müsse aber auch kurzfristig einen stabilen Verkehr sichern. Dazu müsse die S-Bahn zunächst die vorhandenen Fahrzeuge ertüchtigen, verlangte Junge-Reyer.

Der frisch nominierte CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel forderte vom rot-roten Senat sofortige Verhandlungen mit der S-Bahn über einen «Sanierungsvertrag» und sparte nicht mit Angriffen auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). «Die S-Bahn ist das Sinnbild dafür, was in den letzten zehn Jahren unter ihrer Führung, Herr Wowereit, kaputt gemacht wurde», rief Henkel. Der «Sanierungsvertrag» soll die Anschaffung neuer Züge sicherstellen. Junge-Reyer lehnte einen solchen Kontrakt ab: «Wir haben einen Verkehrsvertrag, der muss erfüllt werden.»
Ein 2002 ausgeschiedener früherer Geschäftsführer der S-Bahn, Ernst-Otto Constantin, sieht in einem Spardruck des Bahnkonzerns auf die S-Bahn die Schuld für den Verfall der Unternehmens. «Niemand von uns damals Verantwortlichen kann verstehen, dass alleine in der Hauptwerkstatt die Mitarbeiter von 800 auf ca. 200, die Meister von 26 auf 3 reduziert wurden, dazu das gesamte mittlere Management», schrieb er in einem Offenen Brief an Junge-Reyer (SPD) und das Abgeordnetenhaus. Als Verantwortlichen für die Fehlentwicklung der S-Bahn beschuldigte Constantin den damaligen Chef von DB Regio, Ulrich Homburg, der mittlerweile zum Bahnvorstand Personenverkehr im Konzern aufgerückt ist. In der Berliner SPD wird seit Monaten Homburgs Ablösung gefordert.

Die Konzernleitung sprach von unhaltbaren und nachweislich falschen Unterstellungen Constantins. Homburg habe weder als Vorstandschef von DB Regio noch als Aufsichtsrat der Berliner S-Bahn (bis 2003) eine operative Verantwortung für die Berliner S-Bahn gehabt. Auch die behauptete Federführung bei der Umsetzung des damaligen Optimierungsprogramms für die S-Bahn sei nachweislich falsch.
Akribische Untersuchungen unabhängiger Ermittler hätten zweifelsfrei ergeben, dass die zuständigen Konzerngremien über das Ausmaß der aufgedeckten systematischen Organisationsmängel sowie der unzureichenden Qualitäts- und Sicherheitsorientierung bei der S-Bahn nicht von den S-Bahn-Geschäftsführungen informiert wurden, erklärte die Bahn.
Enttäuscht äußerten sich alle Fraktionen über die Anhörung des Bahnchefs Rüdiger Grube im Verkehrsausschuss am vergangenen Montag. Von Rechts bis Links gab es Forderungen nach einer weiteren Entschädigung der Fahrgäste - für Stammkunden beispielsweise mindestens zwei Monate freie Fahrt. Grube hatte eine Entscheidung darüber für Ende Januar angekündigt. Nach Angaben Junge-Reyers dringt die Bahn auch auf eine finanzielle Beteiligung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).




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