BERLIN

25.02.2010 | Gütersloh
Anteil der Schulabbrecher sinkt
Eigentlich eine erfreuliche Nachricht: Die Zahl der Schulabbrecher sinkt. Doch noch immer scheitert jeder zehnte Schüler in Berlin schon am Hauptschulabschluss.
Der Anteil an Schulabbrechern ist in Berlin leicht gesunken. Bei rund zehn Prozent aller Jugendlichen in der Hauptstadt reicht es aber nicht für einen Hauptschulabschluss. Das ist mehr als im Bundesdurchschnitt, und auch der Rückgang der Abbrecherquote war im Vergleich geringer, wie eine am Freitag vorgestellte Studie der Bertelsmann Stiftung ergab. Während die Quote der Schulabbrecher in ganz Deutschland von 2008 auf 2009 um einen halben Prozentpunkt sank, waren es in Berlin nur 0,2 Prozentpunkte weniger.
Die höchste Quote bundesweit für 2009 vermeldet Mecklenburg-Vorpommern mit rund 14 Prozent. Immerhin: Ein Jahr zuvor lag das Land noch bei knapp 18 Prozent. Auch die anderen ostdeutschen Bundesländer inklusive Berlin rangieren in dem Vergleich auf einem hinteren Platz. Den niedrigsten Wert in Ostdeutschland erreichte wie schon 2008 Thüringen mit 9,4 Prozent. Das ist aber immer noch deutlich mehr als im Westen der Republik: Die Bandbreite reicht dort von 5,7 Prozent Abbrechern in Baden-Württemberg bis 8,2 Prozent in Hamburg.

Insgesamt verließen 2009 in Deutschland rund 58 400 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Das waren zwar rund 6600 weniger als ein Jahr zuvor, aber laut Bertelsmann Stiftung sind die Ergebnisse weiterhin besorgniserregend. Unter allen Jugendlichen haben bundesweit sieben Prozent noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss.
In Berlin sind 2009 rund 2780 Jugendliche ohne einen Schulabschluss ins Berufsleben entlassen worden. Das waren 350 weniger als ein Jahr zuvor. Allerdings sank auch die Zahl der Schulabgänger insgesamt, daher ging die Abbrecherquote nur leicht zurück.
Bundesweit liegt die Ostseestadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern am unteren Ende des Vergleichs: Ein Viertel der Schüler verlässt dort die Schule ohne Abschluss. Am anderen Ende des Vergleichs liegt der Landkreis Würzburg mit nur 1,3 Prozent Abbrecherquote.

Rund 80 Prozent der Schulabbrecher kommen aus Förder- und Hauptschulen. «Genau diese Schulen, auf die es ankommt, blenden wir aber aus», kritisiert Jörg Dräger, Mitglied im Vorstand der Stiftung, die derzeitige Debatte. Bildungsstandards für Hauptschulen würden gar nicht erst überprüft, bei Vergleichstests würden sie nur teilweise oder überhaupt nicht einbezogen. «Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass Jugendliche die Schule ohne Abschluss und Perspektive verlassen.»
Die Studie der Stiftung enthält erstmals die aktuellen Daten für alle Bundesländer, Kreise und kreisfreien Städte. Angesichts der Zahlen fordert Bernd Althusmann (CDU), Präsident der Kultusministerkonferenz, einen Praxis tauglicheren Unterricht für die Schüler. «An jeder Schule mit Hauptschulbildungsgang und an Förderschulen sollte eine vertiefte Berufsorientierung angeboten werden», sagte der niedersächsische Kultusminister der Nachrichtenagentur dpa in Hannover.
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