BERLIN

02.03.2011 | Berlin
BVG will Überwachungsvideos länger speichern
Überwachungskameras sollen Bahnen und Bussen sicherer machen. Doch die Videoaufnahmen müssen schon nach einem Tag gelöscht werden. Nach Ansicht der Berliner Verkehrsbetriebe ist das viel zu früh.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen einen weiteren Vorstoß unternehmen, damit die Löschfrist für Videoaufzeichnungen in ihren Bahnen und Bussen sowie auf Bahnhöfen auf 48 Stunden verlängert wird. Anlass sind die Überfälle brutaler Schläger in den vergangenen Wochen. In Berlin müssen die Aufzeichnungen von Überwachungskameras nach geltendem Landesrecht nach 24 Stunden gelöscht werden.
«Da herrscht ein gewisses Unverständnis darüber, weil überall sonst in Deutschland für 48 Stunden aufgezeichnet werden darf», sagte die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta am Dienstag. Es gebe immer die Gefahr, dass ein Video bereits gelöscht ist, wenn es gebraucht wird, etwa zur Ermittlung von Gewalttätern auf U-Bahnhöfen. In Berlin passiere dies 50 bis 60 Mal im Jahr. Im vergangenen Jahr forderte die Polizei bei der BVG rund 2800 Mal Videomaterial zur Auswertung an.

Nikutta verwies auch darauf, dass die S-Bahn Berlin Videoaufnahmen 48 Stunden lang speichern dürfe, weil das Bahnunternehmen dem Bundesdatenschutzgesetz unterliege und nicht der Landesgesetzgebung. In der Sicherheitszentrale der landeseigenen BVG am Gleisdreieck in Kreuzberg sitzen in drei Schichten Tag und Nacht Mitarbeiter vor Monitorreihen und Telefonen. Sieben Arbeitsplätze gibt es hier, davon sind mindestens drei ständig besetzt, wie BVG-Personalvorstand Lothar Zweininger erläuterte. Streng abgeschirmt kümmern sie sich um Notrufe und beordern Personal dorthin, wo Unterstützung dringend gebraucht wird. Erkennen lässt sich das auch auf Videobildern, die wechselnde Kameras vom Tagesgeschehen auf Bahnhöfen liefern.
Auch der Polizei stehen hier Bildschirme zur Verfügung, wenn in schwierigen Situationen enge Zusammenarbeit geboten ist. Zudem koordiniert der private Sicherheitsdienst Securitas aus diesem Raum heraus den Einsatz von täglich 60 Ordnungskräften, die von der BVG gebucht sind.
Im vergangenen Jahr waren es rund 55 000 Notrufe, die über die BVG-Infosäulen in der Leitstelle eingingen, hinzu kamen 63 000 Inforufe, in denen etwa nach Verkehrsanschlüssen gefragt wurde. «Glücklicherweise», berichtete Nikutta, «stellen sich 85 bis 90 Prozent der Notrufe als falsch heraus.» Stadtweit unterhält die BVG 549 Notrufsäulen. Wenn man den roten Knopf drückt, überträgt die Säulenkamera sofort Aufnahmen in die Sicherheitszentrale.

Mittlerweile hat die BVG nach eigenen Angaben allein auf U-Bahnhöfen etwa 1150 Überwachungskameras im Einsatz. Auch 31 Prozent der U-Bahnwagen sind mit Kameras ausgerüstet. Alle neuangeschafften Fahrzeuge haben ohnehin Kameratechnik an Bord. «Wer in der U-Bahn Straftaten begeht, ist echt ein bisschen blöd», meinte Nikutta. «Denn das Risiko, erwischt zu werden, liegt bei fast 100 Prozent.» Die Berliner Straßenbahnen verfügen derzeit zu 40 Prozent über Kameras, regelmäßig fahrende Busse fast alle.
Generell ist aus Sicht der BVG die gefühlte Bedrohung durch Gewaltkriminelle in Bahnen und Bussen größer als die tatsächliche. Die nüchternen Zahlen zeigten keine Verschlechterung der Situation an, sagte Nikutta. Pro Monat würden zehn bis 15 Gewalttaten («Streit unter Fahrgästen») registriert und pro Jahr etwa 500 bis 600 Übergriffe auf BVG-Personal, von der Beleidingung bis hin zum tätlichen Angriff. Dieses Niveau habe sich seit Jahren kaum verändert. Der BVG wird allerdings auch nicht jede Attacke auf Fahrgäste gemeldet. Berliner Polizeistatistiken listen deutlich mehr Vorkommnisse auf.
www.bvg.de




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