BERLIN

05.04.2011 | Berlin
Tausende Lehrer streiken - Senat kürzt Bezüge
Nur ein oder zwei Stunden Unterricht weniger ziehen Tausende Lehrer durch Berlin. Doch mit ihrem Streik für eine Altersermäßigung bei den Unterrichtsverpflichtungen beißen sie beim Senat auf Granit.
Tausende Lehrer haben am Dienstag gestreikt und sind mit Trommeln und Transparenten durch Berlin gezogen. Lautstark forderten sie auf dem Alexanderplatz, dass ältere Kollegen weniger unterrichten müssen. «Eine gute Schule braucht gesunde Lehrer», hieß es, und «Entlastet die Alten, bevor sie erkalten». Die Veranstalter des ersten größeren Lehrerstreiks seit Jahren sprachen von mehr als 6000 Teilnehmern. Der Senat wies deren Forderung zurück. Der Streik sei rechtswidrig, für den ausgefallenen Unterricht gebe es kein Geld. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) droht dennoch mit weiteren Arbeitskämpfen.

«Wenn er jetzt nichts tut, dann werden wir noch eins drauflegen», rief GEW-Landeschefin Rose-Marie Seggelke in Sichtweite des Amtssitzes von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Vorbild der Berliner ist Hamburg, wo der Senat nach mehreren Lehrerstreiks Ende 2009 die Zahl der Unterrichtsstunden für ältere Pädagogen gesenkt hatte. Für Berlin fordert die Gewerkschaft eine Stunde Abzug ab 55 Jahren und zwei ab 60. Berlin sei das einzige Bundesland ohne eine solche Regelung.
Nach GEW-Angaben waren bis zu 70 Prozent der am Dienstag Streikenden Beamte, die rein rechtlich nicht die Arbeit niederlegen dürfen, nach einem Gerichtsurteil jedoch keine Konsequenzen fürchten müssten. Der Senat sieht das anders. Zöllner nannte auch den Streik der Angestellten rechtswidrig, weil wegen eines geltenden Tarifvertrags Friedenspflicht bestehe.

«Die GEW schädigt das Image der vielen engagierten Lehrer, wenn sie Forderung über Forderung erhebt, die weit über das, was sonst in der Gesellschaft möglich ist, hinausgehen.» Die Gewerkschaft habe einen 100 Millionen Euro schweren Forderungskatalog vorgelegt. Zöllner wies darauf hin, dass jeder Lehrer immer Teilzeit beantragen könne. Eine Stunde weniger koste eine Grundschullehrerin rund 116 Euro brutto, am Gymnasium seien es rund 145 Euro.
Die Lehrer verweisen auf mehr als 1400 dauerhaft erkrankte Kollegen. «Vorsicht, Lehrerburnout - Ansteckungsgefahr!», hieß es auf einem Transparent. Senatssprecher Richard Meng sagte, es gebe in der Öffentlichkeit keine große Akzeptanz für die Forderung. «Ich habe Zweifel, ob die Gewerkschaft das richtige Thema setzt - vom Mittel des Streiks von Beamten ganz zu schweigen.»
Quelle: dpa
GEW: www.altestaerken.de
Schulverwaltung: www.berlin.de/sen/bwf




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