BERLIN
30.03.2009

30.03.2009 | Berlin (dpa/bb)
Kriminalitätsstatistik - Glietsch: Rückgang der registrierten Kriminalität gutes Zeichen
Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch hat die leicht gesunkene Kriminalität in der Hauptstadt als gutes Zeichen gewertet. Kontinuierlich sei die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr in fast allen Kriminalitätsfeldern zurückgegangen, sagte Glietsch am Montag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2008 im Innenausschuss. 482 786 Straftaten (-2,7 Prozent) seien registriert worden, das sei die niedrigste Zahl seit Bestehen der Gesamtberliner Statistik. Die Aufklärungsquote sank von 50,4 auf 49,5 Prozent. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte: «Für eine Großstadt haben wir nach wie vor eine erstaunlich gute Aufklärungsquote.»
Die Opposition und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezweifelten die Aussagekraft der Statistik. Weil es immer weniger Polizisten gebe, würde auch weniger kontrolliert und weniger Kriminalität entdeckt. Der GdP-Vorsitzende Eberhard Schönberg sagte, die Bevölkerung spüre «den täglichen Niedergang von Recht und Gesetz in dieser Stadt».

Der CDU-Innenpolitiker Robbin Juhnke sprach von einem «ganz erheblichen Dunkelfeld, das hier nicht vorkommt». Die Kriminalität in Berlin sei weiter auf einem «außerordentlich unschönen Niveau». Daher habe das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung in den vergangenen Jahren auch stark nachgelassen.
Benedikt Lux von den Grünen forderte stärkere Kontrollen bei der Umweltkriminalität und bei Lebensmitteln. Hier gebe es einen statistischen Rückgang, der aber nur an weniger Kontrollen liege. Der FDP-Politiker Björn Jotzo wies auf die «dramatisch» geringe Aufklärungsquote von 17 Prozent bei der Computerkriminalität hin.
Insgesamt registrierte die Polizei weniger Gewaltverbrechen. Bei der Körperverletzung wurden 43 617 Fälle bekannt (-2,7 Prozent). Beim Raub gab es einen Rückgang von 8027 auf 6461 Fälle (-19,5 Prozent). Hingegen wurde deutlich mehr sogenannte häusliche Gewalt, also Misshandlung von Ehefrauen oder Freundinnen, festgestellt. Hier gab es einen Anstieg von 23,9 Prozent auf 16 382 Delikte (2007: 13 222 Fälle). Glietsch erklärte, jede vierte leichte und jede achte schwere Körperverletzung werde in der Familie verübt.

Bei der Jugendkriminalität wurde der niedrigste Stand seit Einführung der Gesamtberliner Kriminalstatistik erreicht. 31 861 Tatverdächtige unter 21 Jahre wurden registriert (-4,5 Prozent). Der Rückgang ist laut Polizei mit dem sinkenden Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung zu tun. Erstmals sank auch die Zahl der Fälle von Jugendgruppengewalt, um 32 Prozent auf 5471 Fälle (2007: 8075).
Einen massiven Anstieg gibt es beim Ausspionieren von Geldautomaten und beim Fahrraddiebstahl. Glietsch sagte: «Fahrraddiebstahl boomt. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass sich Radfahren großer Beliebtheit erfreut.» Angestiegen ist auch die Kriminalität in Bussen und Bahnen und auf Bahnhöfen. Dabei geht es um Sachbeschädigung, Taschendiebstahl und Körperverletzung.




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