BERLIN

14.05.2011 | Berlin
Nach langem Warten: Titanenwurz blüht und stinkt
Es stinkt wieder: Die größte Blume der Welt ist im Botanischen Garten Berlin nach langem Warten aufgeblüht. Der riesige Kelch der Titanenwurz (Amorphophallus titanum) entfaltete sich am Samstagmittag Zentimeter für Zentimeter.
Gleichzeitig verströmte die äußerst seltene tropische Pflanze einen stinkenden Aasgeruch. Das bestätigte die Sprecherin des Botanischen Gartens, Gesche Hohlstein, der Nachrichtenagentur dpa.
Drei Tage lang sei nun das Blühspektakel zu sehen und ein besonderer Trick der Natur zu riechen. Mit dem Faulgestank werden Fliegen in den Blütenstand gelockt, die die Blüten bestäuben. In den Stunden nach der Öffnung und in der ersten Nacht rieche es am strengsten.

In den vergangenen Tagen hatte sich der Blütenstand rasant entwickelt und inzwischen eine Höhe von 1,99 Metern erreicht. Am dritten Tag nach der Blüte ist das Schauspiel vorbei, der Blütenstand welkt, und der Kolben bricht in sich zusammen.
Mit dem Aasgeruch, der den Besuchern einiges abverlangt, werden in der Natur Fliegen angelockt, die für ihre Eiablage eigentlich einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand der Titanenwurz finden die Fliegen keinen geeigneten Brutplatz - aber sie bestäuben die Blüten, die sich zu Hunderten am Kolben befinden, teilte der Botanische Garten mit.
Die Titanenwurz gehört zur Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle, die über 100 Kilogramm schwer werden kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle eine bis zu drei Metern hohe kolbenförmige Blüte hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt. Ihr Höchstmaß liegt bei 2,94 Meter, erreicht in der Wilhelma Stuttgart im Jahr 2005. In der Natur ist die 1978 von einem italienischen Botaniker in Sumatra entdeckte Pflanze stark gefährdet.
Quelle: dpa
Botanischer Garten: www.botanischer-garten-berlin.de
Titanenwurz - Daten & Fakten
Übler Geruch nach Aas
Mittels Aasgeruch werden in der Natur Fliegen durch ein Täuschungsmanöver in den Blütenstand gelockt, die für ihre Eiablage einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand des Titanenwurz finden die Fliegen keinen geeigneten Brutplatz - aber sie bestäuben bei ihrem Besuch die Blüten. Während der ersten Nacht öffnen sich die weiblichen Blüten, erst in der zweiten Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und geben Pollen ab. Damit der Geruchslockstoff besonders gut verströmt, erhöht die Pflanze die Temperatur im Kolben gegenüber der Umgebung und der Blütenstand gleicht einer Geruchsfackel. Während der ersten Nacht ist der Geruch am intensivsten.
Riesenblume aus Indonesien
Die Titanenwurz, Amorphophallus titanum, ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle aus, die über 100 kg Gewicht erreichen kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle ein Blütenstand mit einer Größe von bis zu drei Metern hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt (Rekord bei 2,94 Meter, Wilhelma Stuttgart 2005). Die Pflanze wurde in Sumatra (Indonesien) vom italienischen Botaniker Odoardo Beccari 1878 entdeckt. Sie ist in der Natur stark gefährdet.
Schwierige Kultur
Die Pflanze, die jetzt einen Blütenstand hervorbringt, stammt aus einer Nachzucht des Palmengartens Frankfurt von 2003 und geht auf eine am 11.5.1992 in Indonesien, Sumatra, in der Nähe von Padang gesammelte Wildherkunft zurück. Die Knolle wog am 9.7.2007 4,7 kg, wird aktuell aber vermutlich ein Vielfaches des Gewichts aufweisen. Die Kultur der Titanenwurz ist sehr schwierig und somit eine Blüte ausgesprochen bemerkenswert.
Was wird nach der Blütezeit zu sehen sein?
Die Pflanze entwickelt nur ein einziges großes Laubblatt, welches jedoch mehrere Meter Höhe erreichen kann und einem kleinen Baum ähnelt. Nach bis zu 24 Monaten wird das Blatt eingezogen und die Knolle macht eine Ruhepause, bevor sie erneut ein Laubblatt oder nach mehreren Jahren auch einen neuen Blütenstand austreibt. Sofern der Blütenstand unter Kulturbedingungen nicht bestäubt wurde, so lebt die Pflanze weiter. Werden jedoch nach künstlicher Bestäubung orangerote Beerenfrüchte ausgebildet (Reife erst nach ca. 8 Monaten), so sterben die Pflanzen danach häufig ab.
Blume und Blüte
Biologisch betrachtet handelt es sich beim Titanenwurz nicht um die größte Blüte der Welt sondern um die größte Blume der Welt. Die Blüten des Titanenwurz sind selber recht klein, doch sind mehrere hunderte männliche und weibliche Blüten sind in einem großen kolbenförmigen Blütenstand angeordnet. Dieser Blütenstand wird insgesamt als Blume bezeichnet. (idw)




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