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BERLIN

 

10.06.2011 | Berlin

Autobrandstiftungen: Festnahmen und Freilassung

Fast jede Nacht brennen derzeit Autos in der Hauptstadt. Oft dauert es nur Sekunden, bis die Flammen auflodern. Die Brandstifter sind nur schwer zu fassen. Jetzt hatte die Polizei zumindest einen Teilerfolg.

Erstmals in diesem Jahr hat die Berliner Polizei mutmaßliche Autobrandstifter festgenommen. Mit Hubschrauber und Wärmebildkamera wurden in der Nacht zum Freitag zwei Radfahrer im Alter von 24 und 43 Jahren im Stadtteil Moabit gestellt. Sie hatten einen Beutel mit Grillanzünder bei sich. Weil ein politischer Hintergrund vermutet wurde, übernahm der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen. Inzwischen kam der 24-Jährige wieder auf freien Fuß.

Ein dringender Tatverdacht gegen den Mann habe sich nicht erhärtet, gegen ihn werde aber weiter ermittelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die Überprüfung des anderen Verdächtigen im Alter von 43 Jahren dauerte an. Laut Polizeiangaben vom Nachmittag wurden in der Nacht acht Fahrzeuge in Brand gesteckt sowie drei weitere Wagen und ein Motorroller mitbeschädigt. Vor allem der Stadtteil Charlottenburg war betroffen. Verletzt wurde niemand.

In diesem Jahr registrierte die Polizei in Berlin bereits 70 politisch motivierte Brandanschläge auf Autos in der Hauptstadt. Dabei seien 85 Wagen direkt angegriffen worden, 58 weitere Fahrzeuge, die etwa in der Nähe standen, wurden beschädigt. Die meisten Brandstiftungen gab es im Mai. Die Ermittler gehen davon aus, dass ein großer Teil der Taten auf das Konto von Linksextremisten geht.

Sicherheitsexperten vermuten, dass sich in Teilen der linksextremen Szene Frust angesammelt hat, weil der 1. Mai in Berlin in diesem Jahr vergleichsweise friedlich ohne größere Ausschreitungen blieb. Die Szene sei sehr heterogen und schwer zu fassen.

Die Serie von Autobrandstiftungen war im Vorjahr deutlich zurückgegangen. 43 Fälle von politisch motivierten Brandanschlägen auf Fahrzeuge hatte die Polizei 2010 festgestellt, 2009 waren es noch 145 solcher Taten. Brandstifter zu stellen, sei schwierig, weil die Anschläge nur Sekunden dauerten, sagte ein Polizeisprecher. Oft gehen hochwertige Limousinen oder Firmenwagen nachts in Flammen auf.

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte erst am Donnerstag im Abgeordnetenhaus einen verstärkten Einsatz gegen die Serie von Brandstiftungen angekündigt. «Wir setzen jetzt den Schwerpunkt auf die Brandstiftungen und unser Bemühen, die Täter zu finden.» Die Polizei setze zusätzlich nächtliche Streifen ein. Einzelheiten nannte der Innensenator aber nicht. «Wo genau die Brandstreifen laufen, werde ich Ihnen hier nicht erzählen.» Im Gegenzug müssten die Einsätze in den U-Bahnhöfen zurückgeschraubt werden. Sie waren wegen wiederholter brutaler Gewalttaten verstärkt worden.

Die Grünen-Spitzenkandidatin für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Renate Künast, verurteilte die Anschläge. «Das ist keine Politik, sondern schlicht und einfach eine Straftat.» Die Berliner Grünen-Abgeordnetenhaus-Fraktion forderte, die Brandanschläge gesellschaftlich zu ächten.

Nur wenige Fälle der Brandstiftungen landeten auch vor Gericht. Im März dieses Jahres wurde ein 28 Jahre alter Autobrandstifter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann hatte gestanden, im Juli 2010 angetrunken vor seiner Haustür im Stadtteil Kreuzberg ein Auto in Brand gesetzt zu haben. Bei einem späteren Versuch, einen Wagen anzuzünden, wurde er gestellt. Der Berliner stammte aber nicht aus der linken Szene.

In zwei anderen Strafverfahren wegen politisch motivierter Brandstiftungen musste die Staatsanwaltschaft Niederlagen einstecken. Ein 23-jähriger Berliner und eine 21-Jährige wurden freigesprochen. Im Fall der Frau hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.

Quelle: dpa

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