BERLIN

10.06.2011 | Berlin
Künast tritt für grün-rote Koalition ein
Seine Farbe wechselt das Chamäleon häufig. Im gleichnamigen Varieté in den Hackeschen Höfen unternimmt nun Renate Künast Farbenspiele. Sie legt sich fest auf Grün-Rot - oder doch nicht?
100 Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl macht Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast der SPD klare Avancen. «Ich sehe die beste inhaltliche Basis in einer grün-roten Koalition - dafür trete ich ein», sagte Künast am Freitag in einer eigens anberaumten Pressekonferenz. Auf Nachfrage fügte sie hinzu: «Mehr gibt es nicht vorzustellen oder auszuschließen.»
Grund für ihre Ankündigung seien Spekulationen über mögliche Koalitionen in den letzten Wochen, erklärte Künast. Dabei war auch immer wieder von einem möglichen Bündnis mit der CDU die Rede. Berlin wählt am 18. September ein neues Landesparlament. In Umfragen liegen die Grünen an zweiter Stelle hinter der SPD. Die CDU ist drittstärkste Kraft.

CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel sagte zu Künasts Ankündigung, die sie im Varité Chamäleon machte: «Ich denke, es ist nicht das letzte Mal, dass sie die Farbe wechselt. Dieses nervöse Hin und Her kennen wir ja seit Beginn ihrer Kandidatur.» Künast erhöhe ihre Chancen nicht, wenn sie «der abgewirtschafteten SPD zur Mehrheit verhelfe».
SPD-Chef Michael Müller sagte der dpa: «Das passt nicht zu ihrem Agieren der letzten Monate.» Künast habe eine Weile auf Grün-Schwarz gesetzt. Mit ihrer Ankündigung reagiere sie offenkundig auf innerparteilichen Widerstand. «Ob das nun wirklich eine tragfähige Positionierung ist, weiß ich nicht.» Auch Müller sieht viele Gemeinsamkeiten mit den Grünen, setzt aber darauf, dass die SPD stärkste Kraft wird.
Künast wies Vermutungen zurück, hinter der Aussage stehe die Befürchtung, dass speziell Grünen-Anhänger im Osten der Stadt lieber die SPD wählten, weil sie ein schwarz-grünes Bündnis fürchteten. Den Ausschlag gäben Inhalte.

Zuvor hatte die Bundestagsfraktionschefin mit zehn Jahren rot-roter Senatspolitik abgerechnet - von Arbeitslosigkeit über wirtschaftliche Schwäche Berlins über Schulreform und Mietenpolitik bis zum Klimaschutz. «Ich trete an, diesen ausgelaugten und verbrauchten Senat abzulösen.»
Fest steht: Die Farbenspiele werden weitergehen. Am nächsten Mittwoch etwa wollen die Fraktionsspitzen von SPD, Grünen und Linken öffentlich die «rot-rot-grünen Schnittmengen und Differenzen» ausloten.
Quelle: Berlin
Grüne Berlin: www.gruene-berlin.de




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