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  • 10 Jahre Wowi in Berlin

BERLIN

 

16.06.2011 | Berlin

Zehn Jahre als Bürgermeister haben Wowereit verändert - und Berlin

Ein einen gilt er als aufrechter Sozialdemokrat, den anderen als halbseidener Partylöwe. Berlins Regierungschef Wowereit hat nach zehn Jahren im Amt die verschiedenen Zuschreibungen akzeptiert. Mit manchen Bildern hadert er aber immer noch.

Mit einem Satz sein eigenes Bild in der Geschichte zu bestimmen, ist nicht vielen Politikern vergönnt. Schon gar nicht, bevor sie in ein Regierungsamt gewählt werden. Klaus Wowereit ist das mit seinem endlos zitierten «Ich bin schwul, und das ist auch gut so» gelungen. Obwohl er sich nach zehn Jahren im Amt heftig gegen das Etikett schwuler Politiker oder «Regierender Partymeister» wehrt - meist allerdings vergeblich.

Die beiden Attribute loszuwerden, ist Wowereit in den zehn Jahren nicht gelungen. Verändert haben sich seit seiner Wahl am 16. Juni 2001 aber beide: Wowereit und die Hauptstadt. Berlin legte Teile seines alten Miefs ab, wurde offener, entspannter und zu einem der beliebtesten Reiseziele Europas. Wowereit beförderte das Image mit seiner schnoddrig-lauten Art, gleichzeitig wurde der 57-Jährige in seinen zwei Amtszeiten vorsichtiger und misstrauischer. Statt spontaner Äußerungen aus dem Hochgefühl der Anfangszeit gibt es heute abgewogene Standardkommentare.

Die Wählergunst blieb ihm erhalten, die Aussichten der Grünen-Kandidatin Renate Künast bei der Berliner Wahl im September sind nicht herausragend. In Umfragen setzen doppelt so viele Berliner weiter auf Wowereit statt auf Künast.

Am 10. Juni 2001 machte das erste Schwulen-Outing eines deutschen Spitzenpolitikers den bis dahin unbekannten Wowereit deutschlandweit, vielleicht sogar weltweit prominent. Inzwischen ist der Satz seiner damaligen Kandidaten-Rede, der vollständig lautete: «Damit auch keine Irritationen hochkommen, liebe Genossinnen und Genossen, ich sag's Euch auch, und wer's noch nicht gewusst hat: ich bin.... » legendär und fast so berühmt wie Kennedys Solidaritätserklärung: «Ich bin ein Berliner.»

Auf eine so eingeleitete «Enttabuisierung im politischen Bereich» und größere Toleranz gegenüber Minderheiten ist Wowereit inzwischen stolz. Die schwul-lesbische Szene liebt ihn, auf den bunten Paraden wird er bejubelt. Für schwule Spitzenpolitiker von CDU und FDP bereitete er den Weg an die Öffentlichkeit vor.

Genervt reagiert Wowereit, wenn er meint, dass Geschichten über sein Outing und die vielen Partys die Politik und Erfolgmeldungen über Berlin überlagern. Auf Anhieb listen Wowereit und seine politischen Weggefährten Erfolgsbilanzen auf: der Wiederaufstieg der Berliner SPD und die Einbindung der Linken in die Regierungsarbeit, der Sparkurs gegen den Schuldenberg, ausgeglichene Haushalte in der Wachstumszeit, tausende Arbeitsplätze im Kreativsektor und der anhaltende Tourismusboom.

In einer Umfrage unter Managern schaffte es Berlin jüngst unter die Top drei der begehrtesten Investitionsstandorte in Europa, geschlagen nur von den beiden Metropolenregionen London und Paris.

Die Opposition sieht die Landesschulden von 60 Milliarden Euro immer noch auf einem katastrophalen Höchststand, hält die industrielle Entwicklung Berlins für vernachlässigt und kritisiert, die Touristen, die den Billigflugzeugen entströmen, treiben die bislang so angenehm billigen Mieten auf das Normalniveau einer Großstadt. Wowereit selbst gibt nach zehn Jahren zu, die Stadt könnte wirtschaftlich besser dastehen. «Wir haben immer noch eine relativ hohe Arbeitslosigkeit.»

 

Fehler, die er bereuen würde, nennt Wowereit für die vergangenen zehn Jahre kaum. Weder die Ernennung des langjährigen Finanzsenators Thilo Sarrazin, der später als Autor berühmt-berüchtigt wurde, noch die heftigen Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst, die die Angestellten in den Streik trieben, oder die Nähe zur Film-, Theater- und Schwulenszene.

Nur einen Faux-Pas gibt er zu. Die Szene von der Bambi-Verleihung im November 2001 klebt wohl lebenslang an ihm: In der Euphorie der ersten Amtsmonate und seiner neuen Prominenz posierte er zu später Stunde mit rotem Damen-Pumps und Champagnerflasche vor den begeisterten Fotografen. Das Bild blieb.  Und heute sagte Wowereit: «Den berühmten Damenschuh würde ich heute vielleicht gleich fallen lassen.»

Wowereit auf den leichtlebigen Partygänger zu reduzieren, hieße, ihn zu unterschätzen. Daneben gibt es den kühl kalkulierenden Machtpolitiker mit Sachkenntnis und einem guten Zahlengedächtnis, der auch in der SPD eine Rolle spielen will. Ambitionen auf die SPD-Kanzlerkandidatur 2013 streitet er bis heute ab. In der Diskussion darum möchte er dennoch bleiben. Auf die Frage von Markus Lanz im ZDF, was ein Schwuler in der SPD werden könnte, sagt Wowereit: «Alles. Aber nicht jeder Schwule wird alles, das ist kein Privileg.»

Quelle: dpa

 

Lebenslauf Wowereit: www.berlin.de/rbmskzl/rbm/lebenslauf/

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