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BERLIN

 

Rainald Greben Waldbühne
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19.06.2011 | Berlin

Waldbühne: Grebe brennt großes Geburtstags-Spektakel ab

An normalen Tagen trägt Rainald Grebe seine Songs am Klavier vor. Am Samstagabend wagte der Kabarettist auf der Berliner Waldbühne zur Feier seines 40. Geburtstags das große Freiluftspektakel. 14 000 Zuschauer waren begeistert, auch Regierungschef Wowereit.

Als der ganze Irrsinn nach drei Stunden im großen Finale explodierte, hielt es auch Klaus Wowereit (SPD) nicht mehr auf seinem Metallsitz. Berlins Regierender Bürgermeister sang lauthals mit, als Rainald Grebe mit seinen Chören, Blaskapellen und Streichquartett «Berlin, Halleluja Berlin»vorne auf der überfüllten Berliner Waldbühne schmetterte. Fast alle der rund 14 000 Zuhörer intonierten inbrünstig die Berlin-Hymne im Beton-Halbrund, zwei riesige Berlin-Fahnen wurden entrollt. Ein «Freiluft-Spektakel», einen «großen Zirkus mit viel Musik» hatte Grebe vorab versprochen. Und der Sänger, Kabarettist und diplomierte Puppenspieler hielt sein Wort.

Auf einem weißen Wallach ritt Grebe in die Waldbühne ein, auf dem Kopf den Federschmuck eines Indianerhäuptlings. Zuvor war bereits die «Bolschewistische Kurkapelle» durch die Reihen marschiert, der Gropius-Chor hatte geträllert, kleine Turnerinnen waren umhergehüpft und in einem Ring vor der Bühne hatten Amateurboxer miteinander gerungen. Dazu waren Aufnahmen von Olympia 1936 über die Videoleinwand geflimmert.

«Mit diesem Riefenstahl-Blick aufs Völkische, nur so kann man diesem komischen alten Ort begegnen», hatte Grebe am 14. April in einem Interview auf Spiegel Online zu seinem 40. Geburtstag gesagt. Das Konzert am Samstag war seine nachgeholte Geburtstagssause, ein großes Dada-Feuerwerk, wie es die Waldbühne wohl noch nicht gesehen hat. Für das alte Nazi-Amphitheater pumpte Grebe seine sonst sparsam instrumentierten Stücke zu orchestraler Wucht auf. Und er spielte mit den Klischees der großen Rockshow, grölte im Stroboskopgewitter über dröhnende E-Gitarren, «ich bin massenkompatibel» und forderte die Zuschauer auf, jetzt bitte mal Taschenlampen und Knicklichter zu schwenken.

Die 14 000 folgten Grebe überallhin an diesem Abend. Sie sangen quietschvergnügt mit. «Dörte», den Song über die öde Germanistikstudentin, die «der Ausweg aus der Spaßgesellschaft» ist, oder «Ho-ho-Holzspielzeug», den Refrain seines «Protestsongs» gegen die ökologische Avantgarde des hippen Berliner Stadtteils. Dazu tänzelten Statisten, verkleidet als Dromedar, über die Bühne.

Grebe riss wie ein Irrer die Augen auf, schleuderte die Arme in die Luft, schüttelte sein schweißnasses Resthaar. Und er ätzte weiter höchst unterhaltsam gegen alles und jeden: Gegen die Land-Bohemiens, die nach ihrer Flucht vor dem Chai-Latte-to-go-Irrsinn der Großstadt doch nur verkümmertes Gemüse und Dorfdeppen finden, die dauernd übers Wetter reden wollen. Oder, mit umgeschnallter Riesen-Pfeffermühle, gegen die 30-jährigen Pärchen, die sich über die Feinheiten der Sushizubereitung unterhalten und ihre provinziellen Eltern verachten, deren Häuser sie aber gern erben.

Zu gern lassen sich seine Fans von Grebe den Spott-Spiegel vorhalten. Und so standen sie am Ende des Abends alle bereitwillig auf und machten den großen Background-Chor, als Grebe alle seine Schmähhymnen auf die vergessenen, trostlosen Ost-Bundesländer nacheinander abfeuerte. Gekrönt von «Brandenburg», wo es wieder Wölfe geben soll und alle nur vom glamourösen Berlin träumen. Halleluja.

Quelle: dpa

Webseite von Rainald Grebe: www.rainaldgrebe.de

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