BERLIN

29.06.2011 | Berlin
Info-Box ist da - Berliner Schloss kommt später
1950 ließ SED-Chef Walter Ulbricht das Berliner Schloss sprengen - es war im Krieg stark zerstört worden. Sein Wiederaufbau verzögert sich. Aber eine neue Info-Box gibt schon mal Auskunft über das Mammutvorhaben.
Hässlicher Klotz oder innovatives Ausstellungszentrum? Auf dem Berliner Schlossplatz ist am Mittwoch ein Informationspavillon zum geplanten Wiederaufbau des Stadtschlosses eröffnet worden. Rainer Bomba, Chef des Stiftungsrats und Staatssekretär im Bundesbauministerium, nannte die sogenannte Humboldt-Box einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Rekonstruktion der 1950 gesprengten Hohenzollern-Residenz. «Berlin erhält wieder seine Mitte, erhält sein Gesicht an diesem historischen Platz zurück», sagte der Schloss-Förderer.

Wie Bomba bekräftigte auch Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz die Absicht, das 590 Millionen Euro teure Projekt bis 2019 fertigzustellen. «Die Eröffnung der Humboldt-Box setzt ein Zeichen: Aufgeschoben ist ganz gewiss nicht aufgehoben», sagte Schmitz. Die Bundesregierung hatte den Baustart im vergangenen Jahr ihm Rahmen ihrer Sparbeschlüsse von 2011 auf 2014 verschoben.
Das neue Besucherzentrum informiert auf insgesamt 3000 Quadratmetern und fünf Stockwerken über das jahrelang heftig umstrittene Mammutprojekt. Unter dem Namen Humboldt-Forum soll hinter den rekonstruierten historischen Fassaden ein modernes Kultur- und Kommunikationszentrum entstehen. Der Sprecher des Stiftungsvorstands Berliner Schloss, Manfred Rettig, sagte: «Die Humboldt-Box wird die Menschen für das Humboldt-Forum im Berliner Schloss begeistern.»

Der fast 30 Meter hohe, mit blau schimmernder Folie verkleidete futuristische Pavillon war vorab vor allem in den Berliner Zeitungen heftig kritisiert worden. Man habe bewusst einen Kontrapunkt zur historischen Architektur der Museumsinsel setzen wollen, sagte Geschäftsführer Gerd Henrich von der Firma Megaposter (Neuss), die das temporäre Gebäude privat finanziert hat. «Je schneller die Humboldt-Box verschwindet, desto eher wird Berlin seinen historischen Mittelpunkt zurückerhalten.»
Das Info-Center soll wieder abgerissen werden, wenn das Schloss fertig ist. Eintrittsgelder und Werbung sollen die Bau- und Betriebskosten von insgesamt gut 15 Millionen Euro hereinbringen. «Den Steuerzahler hat das Haus null Cent gekostet», sagte Henrich.

Zu sehen ist in den winklig verschränkten Räumen beispielsweise ein maßstabsgetreues Modell der vom Architekten Franco Stella geplanten Schlosskonstruktion. Zudem zeigt der Förderverein Berliner Schloss eine minutiös nachgebaute Stadtansicht von Berlin etwa um die Jahrhundertwende. Ein knallgelb lackierter Spendenautomat druckt nach dem Geldeinwurf sofort die Spendenbescheinigung fürs Finanzamt aus - ab fünf Cent funktioniert's.
Der Förderverein erhofft sich von der Info-Box, dass die Spendenbereitschaft steigt. Bisher haben die Initiatoren erst 15 Millionen Euro gesammelt, mindestens 80 Millionen sind nötig. Das Schloss wird wegen der Teuerung im Baugewerbe derzeit auf 590 Millionen Euro veranschlagt - fast 40 Millionen mehr als anfangs geplant. Neben den 80 Millionen Spendengeldern soll der Bund 478 Millionen Euro zahlen, das Land 32 Millionen.

Das Besucherzentrum hatte eigentlich schon Ende letzten Jahres öffnen sollen. Weil die Bundesregierung den Schlossbau verschob, zogen die Banken laut Henrich ihre Finanzierungszusagen jedoch zurück. Der Berliner Unternehmer Udo Müller (Ströer AG) sprang ein.
Vorbild war die rote Infobox am Potsdamer Platz, die jahrelang über die Großbaustelle dort informierte und zu einer regelrechten Touristenattraktion wurde. In den sechs Jahren ihres Betriebs kamen mehr als neun Millionen Menschen. Am Schlossplatz rechnen die Betreiber mit 300 000 Menschen pro Jahr.
Quelle: dpa
Humboldt-Box: www.humboldt-box.com
29.06.2011 | Berlin
Berliner Schloss - ausgebrannt, gesprengt, neu geplant
Das Berliner Schloss hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. 1443 als Residenz der Hohenzollern gegründet, wurde es im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. 1950 lässt SED-Chef Walter Ulbricht die Ruine sprengen, 25 Jahre später baut die DDR an gleicher Stelle den Palast der Republik. Das Kulturhaus wurde 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen.

Im Juli 2002 beschloss der Bundestag den Wiederaufbau des Schlosses an alter Stelle, der Palast der Republik wurde trotz vorheriger Sanierung bis 2008 abgebrochen. 2007 legte der Bundestag die Baukosten auf maximal 552 Millionen Euro fest: 440 Millionen übernimmt der Bund, 32 Millionen die Stadt, 80 Millionen sollen durch Spenden hereinkommen. Wegen der Teuerung im Baugewerbe sind die Kosten nach einer neuen Berechnung inzwischen auf 590 Millionen Euro gestiegen. Der Förderverein hat bisher 15 Millionen Euro gesammelt.
Im Juni 2010 beschloss die Bundesregierung, den Baubeginn von 2011 auf 2014 zu verschieben. Das Projekt soll nach dem neuen Zeitplan jetzt bis 2019 fertig sein.
Quelle: dpa
Seite des Spendervereins: berliner-schloss.de/de/default.aspx




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