BERLIN

12.07.2011 | Berlin
Straftäter aus gesicherter Klinik geflohen - Gitter durchgesägt
Ein Krimineller ist in Berlin zum zweiten Mal geflohen. Er entkam aus einem gesicherten Krankenhaus für Straftäter. Der Drogensüchtige solldie Flucht nicht allein durchgezogen haben.
Ein drogensüchtiger Straftäter ist zum zweiten Mal aus einer geschlossenen Klinik in Berlin-Buch geflohen. Der 32-Jährige hat die Gitterstäbe am Badezimmerfenster eines anderen Häftlings in dem Krankenhaus für kranke Kriminelle durchgesägt. Er habe in der Nacht zum Dienstag dann das Gitter ausgehebelt und sei durch das Fenster im Hochparterre in Sekundenschnelle weg gewesen, bevor der Alarm ausgelöst worden sei, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Regina Kneiding. Nach dem Geflüchteten wird gefahndet.

Dem Mann, der wegen schweren Raubes eine mehrjährige Haftstrafe im Maßregelvollzug absitzt, war bereits im Oktober des Vorjahres eine spektakuläre Flucht aus derselben Einrichtung mit rund 80 Plätzen gelungen. Er hatte sich damals wegen Schmerzen in ein normales Krankenhaus in Buch bringen lassen. Der mit Handschellen gefesselte Häftling wurde zwar von einem Wachmann und einem Pfleger begleitet, rannte aber plötzlich los und sprang in ein mit laufendem Motor wartendes Auto. Er war erst Ende Februar in Ungarn festgenommen und anschließend nach Buch zurückgebracht worden.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass der Mann auch dieses Mal Helfer hatte, sagte Sprecherin Kneiding. «Es war wieder eine Flucht, die lange vorbereitet und geplant war.» Die Stäbe seien in mühseliger Kleinarbeit durchgesägt worden. Das sei nicht von heute auf morgen zu schaffen gewesen. Der 32-Jährige habe offensichtlich Mitpatienten unter Druck gesetzt, nichts von der Aktion zu verraten. Die Flucht sei von Videokameras aufgezeichnet worden.

Die Ärzte des Kriminellen hatten laut Senatsverwaltung vor der Flucht beim Landgericht seine Überführung in ein reguläres Gefängnis angeregt. Auch die Staatsanwaltschaft habe beantragt, die Unterbringung im Maßregelvollzug zu beenden. Das Landgericht sei dem aber nicht gefolgt. Es beschloss Mitte Juni, dass der Mann weiter im Maßregelvollzug bleiben soll.
Neben der Haftstrafe hatte das Landgericht Berlin in seinem Urteil vor einem Jahr auch die Unterbringung in einem Krankenhaus für kranke Straftäter angeordnet - wegen der Suchterkrankung.

Der Mann war laut Angaben schon vor seiner letzten Verurteilung straffällig geworden. Er habe nicht nur Straftaten zur Finanzierung seiner Drogenabhängigkeit begangen, sondern auch Frauen im Prostituiertenmilieu vergewaltigt. Die Strafe hatte er bereits bis 2008 im Gefängnis verbüßt.
Die Flucht im Oktober hatte auch zu einer Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen geführt. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hatte damals im Abgeordnetenhaus grundsätzliche Änderungen abgelehnt und von einem gut ausgedachten Einzelfall gesprochen. Die oppositionelle CDU monierte hingegen, dass die Flucht nur möglich gewesen sei, weil der Insasse offensichtlich Kontakt zur Außenwelt gehabt haben müsse.




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