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FORMEL 1

 

25.07.2010 | Hockenheim

Ferrari-Duo verdirbt Vettels Heimspiel


Die Ferrari-Störenfriede haben Sebastian Vettels ersten Triumph beim Heimspiel verhindert und mit einer vermeintlichen Teamorder für den großen Aufreger gesorgt. Fernando Alonso holte sich nach einem dubiosen Überholmanöver gegen Teamkollege Felipe Massa den Sieg.

 

Hinter Massa wurde der beim Großen Preis von Deutschland von der Pole Position gestartete Vettel Dritter und verpasste damit die Chance, im Formel-1-Titelrennen entscheidend Boden gut zu machen. «Wir konnten da nicht mithalten. Wir haben das Maximum erreicht», bekannte der Red-Bull-Pilot, der mit einem schlechten Start schon alle Siegchancen eingebüßt hatte.

 

Sein Teamchef Christian Horner aber war sauer auf Ferrari. «Das ist schon eine Schande. Sie haben dem einen den Sieg weggenommen und dem anderen gegeben», schimpfte der Brite, nachdem der lange führende Massa Teamgefährte Alonso nach einem vielsagenden Funkspruch von der Box widerstandslos vorbeiziehen lassen hatte. Prompt forderte Horner ein Eingreifen des Weltverbands.

Die Renn-Kommissare bestellten kurz darauf die Ferrari-Teamleitung zum Rapport und verhängten danach eine Strafe von 100 000 Dollar, umgerechnet rund 77 500 Euro, wegen des Verstoßes gegen die Regeln. Zudem wird sich der Motorsport-Weltrat bei seiner nächsten Sitzung mit dem Fall befassen. Seit 2002 ist laut Regelwerk des Internationalen Automobilverbands FIA eine Teamorder verboten.

 

Ganz andere Sorgen hat Mercedes. Das Heim-Comeback des Werksteams ging kräftig daneben, beide Silberpfeile wurden überrundet. Nico Rosberg fuhr als Achter über die Ziellinie. Michael Schumacher ergatterte als Neunter gerade noch zwei WM-Punkte. Der Rekord- Weltmeister wies dem schwächelnden Auto die Schuld zu. «Es wird für jeden ersichtlich sein, dass das Problem nicht zwischen Lenkrad und Tank liegt», urteilte der 41-Jährige. «Bald werden wir besser aussehen», versprach Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

 

Die Gesamtwertung führt nach seinem vierten Platz weiterhin McLaren-Pilot Lewis Hamilton mit 157 Zählern an, es folgt sein britischer Teamgefährte Jenson Button (143). Punktgleich mit seinem Stallrivalen Mark Webber bleibt Vettel nach elf von 19 Saisonrennen mit 136 Zählern Vierter.

Auch der Rest des deutschen Sextetts konnte den Heimvorteil nicht nutzen. Force-India-Fahrer Adrian Sutil verfehlte zum ersten Mal seit sechs Rennen die Punkteränge und landete auf Rang 17. Nico Hülkenberg kam im Williams als 13. ins Ziel, Virgin-Fahrer Timo Glock wurde 18.

 

Bei Ferrari droht trotz des zweiten Doppelerfolgs der Saison dicke Luft. Massa hatte zwar 49 der 67 Runden das Rennen angeführt und den ungestümen Alonso hinter sich gehalten. Dann aber griff die Box ein, Massa musste seinen Kollegen passieren lassen. «Tut mir leid, Junge», funkte Renningenieur Rob Smedley an den Brasilianer. Laut Regelwerk des Internationalen Automobilverbands FIA allerdings ist eine Teamorder verboten. «Das war keine Teamorder», beteuerte Teamchef Stefano Domenicali. Weiteren Nachfragen wichen Alonso und der sichtlich angesäuerte Massa jedoch aus.

 

Vettels Hoffnungen auf eine Triumphfahrt in der Heimat platzten schon in der ersten Kurve. Tags zuvor hatte er Alonso in der Qualifikation noch um zwei Tausendstelsekunden geschlagen und sich seine sechste Pole Position der Saison geschnappt. Doch der Vizeweltmeister konnte den Vorteil nicht nutzen. Mit einem furiosen Start fuhr Massa von Rang drei an die Spitze, auch Alonso setzte sich gegen Vettel durch.

Alte Klasse ließ Superstar Schumacher aufblitzen, als er sich von Platz elf auf acht verbesserte. Glimpflich verlief ein Crash der beiden Toro Rosso, Sebastien Buemi musste wegen eines abgerissenen Heckflügels aber das Rennen aufgeben.

 

Verfolger Vettel konnte im Kampf an der Spitze zunächst das Tempo der Ferrari nicht ganz mitgehen. Auch nach den Boxenstopps des Top-Trios zwischen Runde 13 und 15 verteidigte Massa die Führung. Einen harten Angriff seines Teamkollegen in Runde 21 parierte der Südamerikaner. Der um seine Titelchance kämpfende Alonso schimpfte daraufhin via Boxenfunk in Richtung Kommandostand: «Das ist lächerlich.»

 

28 Umläufe später bekam der Spanier seinen Willen. Die Ferrari-Teamleitung erklärte Massa: «Fernando ist schneller. Kannst Du diese Nachricht bestätigen?» Kurz darauf wurde der 29-Jährige für einen Moment verdächtig langsam, Alonso zog mühelos vorbei und strebte seinem zweiten Saisonerfolg entgegen. Nach 1:27:38,864 Stunden auf dem 4,574 Kilometer langen Traditionskurs war der 23. Grand-Prix-Sieg des zweimaligen Weltmeisters perfekt.

Quelle: dpa

Aktuelle Fahrer- und Team-Wertung in der Formel 1 auf www.formula1.com

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