DEUTSCHLAND/WELT
09.04.2009

09.04.2009 | Rom (dpa)
Neue Nachbeben erschüttern Italien
Stärkere Nachbeben haben am Donnerstagmorgen die Bewohner Mittelitaliens erneut in Angst und Schrecken versetzt. Ein Beben kurz nach Mitternacht wurde mit einer Stärke von 5,2 gemessen, berichteten die italienischen Medien.
Das verheerende Beben, das die Region in den Abruzzen rund um die Stadt L'Aquila am Montagmorgen erschüttert hatte, hatte eine Stärke von 5,8 erreicht. Seit Montag wurden mehrere hundert Nachbeben registriert.
Bei den Bergungsarbeiten wurden bis zum frühen Donnerstagmorgen insgesamt 274 Tote geborgen. Die Suche nach möglichen Überlebenden dauert an. Bis Ostern wollen die rund 8500 Helfer noch in den Trümmern suchen, unter denen noch Dutzende Verschüttete vermutet werden. In der Nacht zum Donnerstag wurde in L'Aquila die Leiche eines jungen Mannes aus einem eingestürzten Studentenheim geborgen. Knapp 500 Menschen gelten nach Medienberichten noch als vermisst.

Durch das Erdbeben zu Wochenbeginn sind insgesamt knapp 30 000 Menschen ohne Dach über dem Kopf geblieben. Knapp 18 000 sind bisher in Zeltstädten untergekommen, die von den Zivilschutzbehörden errichtet wurden.
Die Katholische Kirche bereitet einen Staatstrauerakt für Karfreitag in der Abruzzen-Hauptstadt vor. Papst Benedikt XVI. will den Opfern «sobald möglich» Trost spenden - aber erst nach Ostern. Berichte über einen Papst-Besuch am Karfreitag wurden vom Vatikan dementiert. Er werde den unter nächtlicher Kälte, Wassermangel und Stromausfall leidenden Menschen in den Abruzzen erst später Trost zusprechen. Heute (Donnerstag) will der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano das Katastrophengebiet besuchen.
Italiens für umstrittene Äußerungen bekannter Regierungschef Silvio Berlusconi hat den in Zelten untergebrachten Menschen Empfehlungen der eigenen Art gemacht. Natürlich sei das «absolut provisorisch», sagte Berlusconi den Fernsehsendern n-tv und RTL beim Besuch im Bebengebiet: «Aber man muss es eben nehmen wie ein Camping- Wochenende.» Es fehle an nichts, es gebe Medikamente, warmes Essen und Decken für nachts. Schon am Dienstag hatte Berlusconi in L'Aquila den Menschen, deren Häuser zerstört wurden oder nicht mehr bewohnbar sind, eine «Auszeit» an der Adria-Küste auf Staatskosten empfohlen.




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