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  • 91 Tote bei Anschlägen in Norwegen

DEUTSCHLAND/WELT

 

23.07.2011 | Oslo

91 Tote bei Anschlägen in Norwegen

 

Nach einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel am Freitagnachmittag und einem Amoklauf in einem Jugendlager steht Norwegen unter Schock.

Doppelanschlag in Oslo
Fotos

Die Anschläge in Oslo und auf ein Jugendlager auf einer nicht weit entfernten Insel mit knapp 90 Toten sind nach Erkenntnissen der Polizei von einem 32-jährigen Norweger verübt worden.

 

Allein bei dem Angriff auf das Feriencamp auf der Insel Utøya westlich der norwegischen Hauptstadt seien 80 Jugendliche ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Der als Polizist verkleideter Attentäter hatte am frühen Abend das Feuer auf die Besucher des Lagers der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF eröffnet. Wenige Stunden zuvor waren bei einem Bombenanschlag in Oslo mindestens sieben Menschen getötet worden.

Der festgenommene Täter soll aus der rechten Szene kommen und nach Überzeugung der Polizei allein gehandelt haben. Er brachte offenbar erst um 15.20 Uhr die Bombe im Regierungsviertel zur Explosion und fuhr dann zur der knapp eine Autostunde entfernten Insel Utøya im Bezirk Buskerud.

 

Hier eröffnete er das Feuer auf die insgesamt etwa 600 Jugendlichen in dem Ferienlager. Überlebende berichteten im TV-Sender NRK von Panik und Chaos. Viele der Teenager im Alter von 14 bis 17 Jahren sprangen aus Todesangst ins Wasser, um schwimmend von der Insel zu entkommen. Der Attentäter habe auch auf sie geschossen.

 

Norwegens König Harald V. forderte seine Landsleute auf, «in dieser schweren Situation zusammenzustehen und einander zu stützen». Auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg beschwor den Zusammenhalt im Land. Niemand könne Norwegen «zum Schweigen schießen», das Land werde nicht aufhören, zu seinen Werten zu stehen, sagte er.

Unklar blieb, wie der Attentäter in dem Feriencamp bis zur seiner Festnahme so viele Menschen umbringen konnte. Die Polizei wollte dazu noch keine Angaben machen. Der Mann habe Aussagen gemacht, hieß es bei einer Pressekonferenz. Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Hinweise auf Verbindungen zum internationalen Terrorismus lagen zunächst aber nicht vor.

 

Nach Angaben des TV-Senders NRK betrieb der Festgenommene eine kleine Firma für Agrarprodukte. Hier könne er sich auch die nötigen Kenntnisse zur Herstellung von Sprengstoff beschafft haben.

 

Der Verdächtige habe sich im Internet selbst als Nationalist und Gegner einer multikulturellen Gesellschaft bezeichnet, berichtete die norwegisch Zeitung «VG» in der Nacht zum Samstag in ihrer Onlineausgabe. Gegen Mitternacht habe die Polizei die Wohnung des Mannes im Westen Oslos durchsucht. Bereits vor Jahren habe er im Internet Beiträge mit kontroversem Inhalt veröffentlicht, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen Jugendfreund. Sein Facebook-Profil sei deshalb gelöscht worden. Später habe der Verdächtige, der eine Handelsschule in Oslo besucht haben soll, dann ein neues Profil angelegt, dort aber keine kontroversen Meinungen mehr veröffentlicht.

Die internationale Gemeinschaft zeigte sich erschüttert von den Anschlägen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama verurteilten die Tat. Bundespräsident Christian Wulff übermittelte König Harald V. seine Anteilnahme. Bislang war Norwegen von Terroranschlägen verschont geblieben.

«Mit Entsetzen habe ich von dem schweren Anschlag im Regierungsviertel von Oslo erfahren», hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung Merkels. «Die Hintergründe dieser menschenverachtenden Tat sind zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Klar ist, dass wir alle, die an Demokratie und friedliches Zusammenleben glauben, solchen Terrorismus, womit auch immer er begründet wird, scharf verurteilen müssen.» «Deutschland und die Deutschen stehen in dieser schweren Stunde fest an Ihrer Seite», versicherte Bundespräsident Wulff dem norwegischen König.

US-Präsident Obama rief zu einer stärkeren Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf. «Es ist eine Mahnung, dass die gesamte internationale Gemeinschaft dazu beitragen muss, dass solch ein Terrorakt nicht passiert», sagte Obama in Washington.

Quelle: dpa

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