DEUTSCHLAND/WELT

23.08.2011 | New York
Strafverfahren gegen Strauss-Kahn eingestellt
Das US-Strafverfahren gegen Dominique Strauss-Kahn ist eingestellt. Richter Michael Obus vom Strafgericht in New York beendete es am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor ihre Anklage wegen versuchter Vergewaltigung gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezogen. Ihrer Ansicht nach hat sich das angebliche Opfer durch mehrere Lügen unglaubwürdig gemacht.
Quelle: dpa

23.08.2011 | New York
Fall Strauss-Kahn vor der Einstellung
Was in Strauss-Kahns Hotelzimmer tatsächlich passierte, wird wohl nie herauskommen: Das Strafverfahren wegen versuchter Vergewaltigung wird voraussichtlich noch an diesem Dienstag beendet.
Dann ist Dominique Strauss-Kahn ein freier Mann. Das Zimmermädchen hat seine Glaubwürdigkeit verspielt. Die Staatsanwaltschaft in New York hatte ihre Anklage gegen den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Vorabend zurückgezogen. In ihrer Begründung erklärten die Ankläger, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo habe durch zahlreiche Lügen ihre Glaubwürdigkeit verloren. Es wird damit gerechnet, dass Richter Michael Obus das Verfahren nun offiziell einstellt.

«Wir geben diese Empfehlung nicht leichtfertig ab», heißt es in einem Schreiben der Staatsanwaltschaft. Aber es gebe keine andere Wahl. Der Antrag der Behörde ging noch am Abend beim Strafgericht ein und sollte am Dienstag in Anwesenheit des 62-jährigen Strauss-Kahn bei einer schon länger geplanten Anhörung zur Sprache kommen, wie eine Sprecherin der Justiz, Arlene Hackel, der Nachrichtenagentur dpa sagte.
Das 25-seitige Dokument der Staatsanwaltschaft wurde auf der Internetseite der New Yorker Justiz veröffentlicht. Darin erläutert die Anklage, dass sie sich nicht in der Lage sehe, das Verfahren fortzusetzen. «(...) aufgrund der Art und Zahl der Lügen der Klägerin können wir ihrer Version der Geschehnisse nicht mehr vollständig Glauben schenken, was auch immer in Wahrheit bei der Begegnung zwischen der Klägerin und dem Angeklagten vorgefallen ist.»
Die Klägerin habe sowohl in wichtigen als auch in weniger wichtigen Details mehrfach gelogen, heißt es dort. Im Text heißt es: «Im Ergebnis hat die Klägerin beharrlich, und manchmal unerklärlicherweise, die Unwahrheit gesagt, als sie sowohl wichtige, als auch weniger wichtige Angelegenheiten beschrieb.» Und weiter steht im Schreiben der Staatsanwaltschaft: «Wenn wir ihr nicht zweifelsfrei glauben, dann können wir das nicht von einer Jury erwarten.» Der Fall gegen den einst mächtigsten Banker der Welt stehe und falle mit der Aussage der einzigen Zeugin.

Diallo habe mit ihrer ersten Schilderung des angeblichen Tathergangs zunächst keinen Verdacht erregt, verteidigt sich die Staatsanwaltschaft. Bei weiteren Nachfragen seien aber Lügen und Widersprüche aufgetaucht, die sowohl ihre Vergangenheit als auch die Umstände der Tat betreffen.
So habe sie fälschlich eine Vergewaltigung in ihrem Heimatland, dem westafrikanischen Guinea, geschildert. Auf die Frage, was unmittelbar nach dem Zusammentreffen mit Strauss-Kahn passiert sei, habe sie mehrere Versionen geliefert. Die Zeugin sei sogar unter Eid von der Wahrheit abgewichen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Fest stehe lediglich, dass es zu einer kurzen sexuellen Begegnung gekommen sei.
Offen ist, ob Strauss-Kahn in seiner Heimat Frankreich noch eine politische Zukunft hat. Dort löste das angekündigte Verfahrensende Freude und Erleichterung bei den Sozialisten aus, als deren aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat Strauss-Kahn lange galt. «Ich bin sehr glücklich», sagte Parteichefin Martine Aubry. Sie denke mit großem Mitgefühl an Strauss-Kahn und dessen Frau.

Auch das Regierungslager zeigte sich froh über die anstehende Freilassung. «Ich bin froh für ihn, denn er hat eine sehr schlimme Erfahrung mit der Justiz hinter sich», sagte der Chef der konservativen Regierungspartei UMP, Jean-François Copé.
Der Zug für eine Präsidentschaftskandidatur Strauss-Kahn ist allerdings bereits abgefahren, seine Anhänger haben sich bereits auf die beiden verbliebenen Kandidaten verteilt. Ex-Kulturminister Jack Lang mutmaßte, dass Strauss-Kahns Stimme künftig dennoch Gewicht haben werde.
In Frankreich wartet eine zweite Anklage wegen angeblicher sexueller Gewalt auf Strauss-Kahn. Eine junge Autorin wirft ihm vor, 2003 in einer Pariser Wohnung über sie hergefallen zu sein. Nach Ansicht von Experten könnte das Verfahren wegen fehlender Beweise allerdings ebenfalls eingestellt werden.
Das spektakuläre Justizdrama um den 62-Jährigen hatte am 14. Mai in New York begonnen. Der Franzose sollte noch am Dienstag seine Pässe zurückerhalten. Über seine anschließenden Pläne wird spekuliert: Er könnte nach Frankreich zurückfliegen oder auch an seine früheren Wirkungsstätte Washington zurückkehren, wo der Internationale Währungsfonds sitzt. Auf dem Chefsessel sitzt dort inzwischen die Französin Christine Lagarde.
Quelle: dpa
Schreiben der Staatsanwaltschaft... »




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