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  • Feuer in Polen

DEUTSCHLAND/WELT

 

14.04.2009

13.04.2009 | Warschau (dpa)

21 Tote bei Feuer in polnischem Obdachlosenheim

 

Meterhohe Flammen, beißender Rauch und Chaos bei der Rettung: In einem Flammeninferno in einer polnischen Obdachlosenunterkunft sind am frühen Ostermontag 21 Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs Kinder.

 

Für weitere 21 Menschen endete im Krankenhaus, etliche von ihnen erlitten schwere Verletzungen. Die polnische Führung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Die Ursache des Brandes war zunächst nicht bekannt.

 

Das Feuer war gegen 1.00 Uhr in der Nacht ausgebrochen und hatte das ehemalige Arbeiterhotel im Ostsee-Kurort Kamien Pomorski (Cammin) binnen Minuten in eine riesige Fackel verwandelt. Die Flammen schlugen meterhoch in den Himmel, sagte ein Feuerwehrmann. In dem dreistöckigen Haus kämpften die Menschen verzweifelt um ihr Leben, es spielten sich Horrorszenen ab. Das Gebäude brannte komplett aus.

 

Wie Augenzeugen berichteten, warfen Eltern ihre Kinder aus den Fenstern auf den Hof und sprangen selbst hinterher. Eine Mutter habe auf diese Weise ein kleines Kind gerettet, für ein zweites sei es aber zu spät gewesen, es sei verbrannt, erzählte Dariusz Janyszko dem Fernsehsender TVP INFO. Die Notausgänge der Unterkunft seien verschlossen gewesen, die Rettungsaktion chaotisch verlaufen, berichtete er. Hilfe leisteten die Einwohner der umliegenden Häuser.

 

Um die Zahl der Opfer gab es am Nachmittag kurzzeitig Verwirrung. Es hieß zunächst, ein 22. Todesopfer sei in der Brandruine gefunden worden. Doch bald danach korrigierte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak die Angaben. Die Gerichtsmediziner hätten 21 Leichen gezählt, sagte er. Dies sei die endgültige Totenzahl. In der Unterkunft waren insgesamt 77 Menschen gemeldet. Wegen der Osterfeiertage waren etliche Bewohner verreist, andere hatten Besuch. Fest steht, dass 41 Menschen aus der Flammenhölle gerettet werden konnten.

Der polnische Präsident Lech Kaczynski eilte zum Unglücksort und zeigte sich vom Ausmaß der Katastrophe tief betroffen. Es müsse geklärt werden, warum das Gebäude so schnell abgebrannt sei. Er könne sich an einen ähnlichen Fall nicht erinnern. Hier müsse ein «fundamentaler Fehler» vorliegen, sagte das Staatsoberhaupt. Er schloss auch Brandstiftung nicht aus.

 

Das dreistöckige Haus war Anfang 70er Jahre als Hotel für Beschäftigte der umliegenden Betriebe aus leicht brennbaren Materialien gebaut worden, darunter auch Holz. Vor zwei Jahren hatte die Gemeinde das Haus übernommen und nutzte es als Unterkunft für Obdachlose. Es fehlten aber Baudokumente, sagte ein Vertreter des Bauamtes am Montag. Schon früher soll es in dem Gebäude mehrmals gebrannt haben, weil die Bewohner eigene Heizkörper benutzten.

 

Ministerpräsident Donald Tusk versprach den Überlebenden schnelle Hilfe. Nötig seien 3,5 bis 4 Millionen Zloty (rund 900 000 Euro), sagte Tusk. Er und Kaczynski sprachen mit den Verletzten. Es ist die größte Brandkatastrophe in Polen seit Jahren. Der westpommersche Kurort an der Ostsee war bisher für seine Sommer-Orgelkonzerte im mittelalterlichen Dom bekannt, die auch deutsche Touristen gern besuchten.

 

Inzwischen geriet die polnische Feuerwehr unter Druck. Die ersten Einheiten hätten zu kurze Leitern gehabt, klagten mehrere Augenzeugen. Feuerwehrleute seien vor dem Feuer geflüchtet, statt zu helfen, hieß es. Feuerwehrsprecher Mariusz Foltynowski wies die Vorwürfe zurück. Die ersten Einheiten seien drei Minuten nach dem Alarm eingetroffen, sagte er. Der Verlauf der Rettungsaktion werde jetzt genau analysiert.

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