DEUTSCHLAND/WELT
15.04.2009

14.04.2009 | München (dpa)
1:1 gegen Barcelona: Bayern-Abschied mit Anstand
Halbfinale der Champions League verpasst, aber eine erneute Blamage verhindert: Sechs Tage nach der 0:4-Schmach von Camp Nou lieferte sich der deutsche Meister FC Bayern München im Viertelfinal-Rückspiel gegen das Starensemble des FC Barcelona ein Duell auf Augenhöhe.
Die Bayern verabschiedeten sich beim 1:1 (0:0) mit Anstand aus der Königsklasse. Mit seinem vierten Tor im Wettbewerbs brachte Franck Ribéry (47. Minute) die Bayern vor 66 000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena in Führung, ehe Seydou Keita (73.) für den insgesamt verdienten Ausgleich sorgte.
Zwar konnte das Remis die Position des am Ende wieder mit «Raus»-Rufen bedachten Trainers Jürgen Klinsmann nicht verbessern, dennoch dürften die Münchner mit ihrer kämpferisch tadellosen Vorstellung Selbstbewusstsein für den Titelkampf in der Bundesliga getankt haben. Dort gilt alle Konzentration der erneuten Qualifikation für die Champions League, um im kommenden Jahr einen neuen Anlauf zu nehmen.

«Die Mannschaft hat hervorragend reagiert auf die Niederlage von Barcelona und ein tolles Spiel gemacht. Natürlich hatten wir uns auch ein frühes Tor erhofft. Aber insgesamt hat sich die Mannschaft hervorragend verkauft gegen ein Team, das Favorit ist auf den Titel», bilanzierte Klinsmann im TV-Sender «Premiere» die 90 Minuten. Zufrieden war Philipp Lahm: «Wir sind viel besser in die Zweikämpfe gekommen. So muss man spielen gegen eine Top-Mannschaft. Schade, dass wir nicht gewonnen haben», meinte der Abwehrspieler. «Leider sind wir nicht in der ersten Halbzeit in Führung gegangen, sonst hätte einiges anders laufen können», bedauerte auch Torhüter Jörg Butt.
An ein Fußball-Wunder gegen die zur Zeit wohl beste Vereinsmannschaft der Welt hatten nach der Abreibung der Vorwoche nur die allergrößten Optimisten geglaubt, doch dann legten die Bayern los, als wollten sie das schier Unmögliche wahr machen. Bissig in den Zweikämpfen war Klinsmanns Elf von Beginn an um Wiedergutmachung bemüht. Mit der Rückkehr der in Barcelona schmerzlich vermissten Lucio und Lahm kam wieder mehr Stabilität und Ruhe in die Abwehr der Münchner, die schon in den ersten Minuten mehr Zweikämpfe für sich entschieden als in der gesamten ersten Hälfte des Hinspiels. Lahm gelang es weitgehend, die Kreise von Superstar Lionel Messi einzuengen, und auch Barcas Mittelfeld-Asse Xavi und Andres Iniesta bekamen diesmal nicht den Raum für ihr gefürchtetes Kurzpassspiel.
Im Spiel nach vorne fehlte den Münchnern allerdings die letzte Entschlossenheit, nicht zuletzt deshalb, weil Luca Toni mangels personeller Alternativen auf sich alleine gestellt war. So mühten sich der spielfreudige Ribéry und Ze Roberto oft vergeblich, gefährlich in die Nähe des Tores von Victor Valdes zu kommen. Die Katalanen, die auf den gelb-gesperrten Abwehrchef Marquez und den an Grippe erkrankten Thierry Henry verzichten mussten, zeigten nur ansatzweise ihr im Hinspiel so erfolgreiches Kombinationsspiel. Doch wenn der Ball einmal blitzschnell nach vorne gespielt wurde, wurde es prompt gefährlich vor dem Kasten von Butt, der von Klinsmann erneut den Vorzug vor Michael Rensing erhalten hatte.

Toni hätte den Anfangsschwung der Bayern mit dem erhofften frühen Führungstor krönen können, doch der Weltmeister verfehlte trotz seiner Größe von 1,96 Metern eine Flanke von Jose Ernesto Sosa mit dem Kopf knapp (5.). Der Argentinier war für den an Knieproblemen laborierenden Bastian Schweinsteiger kurzfristig in die Mannschaft gekommen. Wenig später setzte der quirlige Ribéry einen Schuss von der Strafraumgrenze etwas zu hoch an (14.). Doch danach übernahm der FC Barcelona mehr und mehr das Kommando. Butt bekam in der 31. Minute bei einem Freistoß von Xavi erstmals Gelegenheit sich auszuzeichnen.
Zwei Minuten gingen die Münchner nach ihrem bis dahin besten Angriff in Führung. Ribéry nahm einen Steilpass von Ze Roberto auf, umspielte Schlussmann Valdes und schlenzte den Ball in die Torecke. Die Gäste stemmten sich danach mit Macht gegen die drohende erste Europacup-Auswärtsniederlage der Saison, aber die Münchner Abwehr hielt den Angriffen bis zur 73. Minute stand. Dann führte eine Traumkombination über fünf Stationen mit Keita als Schlusspunkt zum 1:1 - und am Ende war für die Anhänger wieder Klinsmann der Sündenbock.

Tolles 4:4: Chelsea im Champions-League-Halbfinale
Michael Ballack und der FC Chelsea haben sich in das Halbfinale der Fußball-Champions League gezittert. In einer hochklassigen und aufregenden Partie erkämpfte der FC Liverpool bei den «Blues» ein 4:4 (2:0). Doch das Remis nutzte dem englischen Rekordmeister nichts.
Die Reds hatten das Viertelfinal-Hinspiel im eigenen Stadion mit 1:3 gegen die Londoner verloren. Chelsea lag in der Partie zwei Mal bereits mit 0:2 und 3:4 hinten. Fabio Aurelio (19.) durch einen Freistoß aus 36 Metern und Xavi Alonso per Foulelfmeter (28.) brachten die Gäste noch vor der Pause in Front. Didier Drogba (51.), Alex (56.) und Frank Lampard (76.) schafften zunächst die Wende für die Gastgeber. Als aber Lucas (81.) und Dirk Kuijt (82.) für die «Reds» konterten, mussten die Londoner noch einmal bangen. Lampard (89.) wischte mit dem 4:4-Ausgleich alle Zweifel beiseite.
Ballack zeigte vor der Pause zunächst wie seine Mannschafts Kollegen eine schwache Vorstellung. Doch der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft steigerte sich ebenfalls. In der 67. Minute vergab er freistehend die große Chance zur 3:2-Führung.
Die 35 000 Zuschauer sahen eine Partie mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten: In Hälfte eins spielte nur Liverpool. Die Gäste kombinierten auch ohne ihren verletzten Kapitän Steven Gerrard nach Belieben. Schon nach 13 Minuten verzog Fernando Torres aus aussichtsreicher Position. Bei Chelsea lief im Angriff und im Mittelfeld gar nichts. Die Deckung wirkte ohne ihren gelb-gesperrten Chef John Terry nicht immer sattelfest. Trainer Guus Hiddink reagierte früh und brachte Angreifer Anelka für Salomon Kalou (36.).
Nach dem Wechsel wurde die Begegnung hochklassig und dramatisch, weil auch die Gastgeber immer stärker wurden. Vor allem Drogba und Lampard trieben ihre Mannschaft nach vorn. Liverpool gab sich nie auf und verdiente sich das Remis - auch wenn es nichts mehr nutzte.




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