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  • ifo-Index verschlechtert

DEUTSCHLAND/WELT

 

24.08.2011 | München

Schlechte Stimmung in der Wirtschaft

 

Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die trübe Wirtschaftslage in den USA verderben den deutschen Unternehmen die Laune. Die Stimmung in der Wirtschaft verschlechterte sich im August unerwartet deutlich und drückte den ifo-Index kräftig von 112,9 auf 108,7 Punkte.

 

Dies teilte das ifo Institut in München mit. Bereits im Juli hatte das wichtige Stimmungsbarometer nachgegeben. Nun erreichte der Wert den tiefsten Stand seit Juni 2010. Besonders deutlich trübten sich die Erwartungen der befragten Unternehmen ein. «Die deutsche Wirtschaft kann sich den weltweiten Turbulenzen nicht entziehen», sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

 

Der Wert für die Erwartungen an die kommenden Monate ging von 105 auf nur noch 100,1 Punkte nach unten. «Die Abkühlung ist schon stärker als erwartet», sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger der Nachrichtenagentur dpa. Zwar sei lange erwartet worden, dass sich das kräftige Wirtschaftswachstum nach der jüngsten schweren Krise in der zweiten Jahreshälfte abschwächt, allerdings nicht ganz so deutlich. «Es gab die Hoffnung, dass sich die Weltwirtschaft gut hält.» Doch vor allem die weiter triste Lage in den USA mache die Lage schwierig.

«Die Erholung dort läuft deutlich schleppender als erhofft», sagte Abberger. «Das steckt nun auch die deutsche Wirtschaft an.» Die hatte sich in den vergangenen Monaten meist als Wachstumslok erwiesen - ob sie das bleiben kann, wird sich erst zeigen müssen. Immerhin bewerten die meisten Firmen ihre Lage weiter als gut und können in der Regel noch einige Zeit von vollen Auftragsbüchern zehren.

 

Zudem bleibe Asien ein wichtiger Wachstumsmarkt. Allerdings müssen angesichts der Schuldenkrise in Europa die Politik Vertrauen zurückgewinnen. Das unerwartet schwache Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent im zweiten Quartal verglichen mit den ersten drei Monaten solle man aber nicht überbewerten, sagte Abberger. «Da waren einige Sonderfaktoren drin.»

 

Dennoch sei der kräftige Aufschwung erstmal vorbei, schreibt die UniCredit in einer ersten Analyse. Nach ihren Höhenflügen in den vergangenen zwei Jahren bereite sich die Ökonomie nun auf die Landung vor, heißt es dort. Die Commerzbank mahnt zur Differenzierung. «Dass sich die Konjunktur zwei Jahre nach Ende der Rezession verlangsamt, ist normal», schrieb Chefvolkswirt Jörg Krämer. «Ob es bei einer bloßen Abkühlung bleibt oder eine schwere Rezession folgt, wird wohl die Staatsschuldenkrise entscheiden.»

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte noch vor der Veröffentlichung der ifo-Daten vor Schwarzmalerei. «Möglicherweise haben wir es nicht mehr mit einem Aufschwung XXL zu tun, aber immerhin noch mit einem Aufschwung XL», sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann im «Handelsblatt» (Mittwoch). «Wir können in diesem Jahr beim Wachstum durchaus noch eine Drei vor dem Komma erreichen. Das ist ein Wert, über den man nicht traurig sein muss», sagte Driftmann und forderte die Unternehmen auf, sich nicht «ins Boxhorn» jagen zu lassen. «Die Nervosität der Märkte aber wirkt sich im Moment negativ auf die Stimmung aus», sagte Driftmann.

 

Abberger sagte, bis zum Herbst müssten die Turbulenzen an den Finanzmärkten aber weitgehend geglättet sein. Die Gefahr einer Rezession sehe er aber auch noch nicht. «Nicht jeder Abschwung führt gleich in eine tiefe Rezession.» Allerdings seien die Möglichkeiten der Politik, gegenzusteuern inzwischen begrenzt. Milliardenteure Konjunkturprogramme wie in der letzten Krise seien angesichts der desaströsen Finanzlage in vielen Staaten nicht mehr zu stemmen - und auch nicht glaubwürdig. «Europa geht durch eine schwierige Phase», sagte Abberger. Die Politik müsse vor allem für eine mittelfristige Perspektive, für Vertrauen und solidere Staatsfinanzen sorgen.

Quelle: dpa

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