DEUTSCHLAND/WELT

25.08.2011 | Cupertino/New York
Steve Jobs nicht mehr Apple-Chef
Bei Apple geht eine Ära zu Ende: Der schwer erkrankte Firmengründer Steve Jobs ist als Konzernchef zurückgetreten. Er könne seine Aufgaben nicht länger erfüllen, schrieb Jobs dem Verwaltungsrat.
Der amtierende Top-Manager Tim Cook übernimmt das Ruder, wie Apple am späten Mittwoch (Ortszeit) mitteilte. Jobs bleibt dem Konzern aber als Chef des Verwaltungsrats erhalten.
«Ich habe immer gesagt, dass wenn jemals der Tag kommen sollte, dass ich nicht länger meine Aufgaben und Erwartungen als Apple-Chef erfüllen kann, ich der erste wäre, der das mitteilt. Leider ist dieser Tag gekommen», schrieb Jobs in einem Brief, den der Konzern zeitgleich veröffentlichte. Jobs nannte keine näheren Gründe für den Rückzug.

Der Rücktritt sei nicht als Hinweis auf eine plötzliche Verschlechterung von Jobs' Gesundheitszustand zu sehen, sagte ein Vertrauter der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Jobs habe den Mittwoch in der Apple-Zentrale verbracht und an einer regulären Sitzung des Verwaltungsrates teilgenommen. In den vergangenen Wochen aber sei er an sein Haus gebunden gewesen und er fühle sich schwach.
Der 56-Jährige kämpft seit Jahren mit schweren Krankheiten. 2004 hatte er wegen Krebs behandelt werden müssen; 2009 bekam er eine neue Leber. Im Januar hatte er sein Arbeitspensum erneut reduziert, um seine Gesundheit zu schonen, und das Tagesgeschäft an Cook abgegeben. Es ist unklar, was ihm fehlt. Bei öffentlichen Auftritten wirkte er zuletzt sehr dünn.
Jobs hatte es trotz seiner gesundheitlichen Probleme fertig gebracht, der versammelten Konkurrenz ein ums andere Mal ein Schnippchen zu schlagen. Er gilt als treibende Kraft hinter den Erfolgsgeräten wie dem iPhone-Handy und dem Tablet-Computer iPad. Auch die Mac-Computer, mit denen Apple einst groß geworden war, verkauften sich zuletzt glänzend.

«Steves außergewöhnlicher Weitblick und seine Führungskraft haben Apple gerettet und zum innovativsten und wertvollsten Technologieunternehmen gemacht», sagte Verwaltungsratsmitglied Art Levinson. Er spielte damit auf den Beinahe-Zusammenbruch Mitte der 1990er Jahre an, als Microsoft mit seinen Windows-PC den kleineren Konkurrenten zu überrollen drohte. Doch Jobs, der Apple zwischenzeitlich im Streit verlassen hatte, kehrte zurück und riss das Steuer herum.
Heute hat Apple den Erzrivalen Microsoft vom Firmenwert her längst überholt und liefert sich mit dem Ölmulti ExxonMobil ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wertvollsten Unternehmens überhaupt. Apple liegt aktuell mit 349 Milliarden Dollar nur knapp hinter Exxon.
Am Mittwoch fiel die Aktie nachbörslich aber um mehr als 5 Prozent. Dabei hatten die Anleger viel Zeit gehabt, sich auf den Rückzug von Jobs vorzubereiten. Sein Nachfolger Cook hatte den Firmengründer schon vorher mehrfach vertreten. Er galt deshalb als aussichtsreichster Kandidat für den Chefposten.

Jobs hatte es sich trotz seiner Auszeit aber nicht nehmen lassen, bis zuletzt neue Produkte wie das iPad 2 persönlich vorzustellen. Der charismatische Jobs hat eine riesige Fangemeinde. Er ist dafür bekannt, sich selbst um kleinste Details zu kümmern. Cook, der seit 13 Jahren bei Apple arbeitet, tritt damit in große Fußstapfen.
Jobs betonte, dass er Apple jedoch noch weiter erhalten bleibe. Er freue sich darauf, zum Erfolg von Apple in seiner neuen Rolle als Chef des Verwaltungsrats beizutragen, schrieb er. Jobs ist damit der oberste Kontrolleur des Konzerns.
Zusätzlich zu dem Chefsessel im Apple-Verwaltungsrat solle Jobs aber auch seinen Posten im Kontrollgremium des Unterhaltungsriesen Disney behalten, berichtete Bloomberg weiter. Jobs ist größter Einzelaktionär von Disney, seit der Konzern das Animationsstudio Pixar kaufte.
Quelle: dpa
Chronologie: Die technischen Innovationen der Ära Steve Jobs
Die Ära von Steve Jobs bei Apple spannt sich über dreieinhalb Jahrzehnte - mit einer Unterbrechung von zwölf Jahren. Der historische Überblick dieser Zeit dokumentiert die wichtigsten Innovationen, die Jobs während dieser Zeit angestoßen hat.

1983/84: Grafische Benutzeroberfläche für den Computer.
Lange Zeit konnte ein Rechner nur über die Befehlszeile gesteuert werden, mit der Eingabe von Zeichen auf einem dunklen Bildschirm. Nach der Gründung von Apple im Jahr 1976 bringt das junge Unternehmen den Apple II mit farbiger Grafik heraus. Der 1983 gestartete Mikrocomputer Apple Lisa führt die bis heute übliche Bedienung von Programmen mit einem Menü und in einem Fenster ein - zwei Jahre vor Windows. 1984 stellt Jobs den Apple Macintosh vor, der zum ersten kommerziell erfolgreichen Computer mit grafischer Benutzeroberfläche wird. Das Konzept hatte er vom legendären kalifornischen Forschungszentrum Xerox PARC übernommen, dessen Potenzial von den Xerox-Bossen in New York nicht erkannt wurde.
1986 bis 2006: Erneuerung des Zeichentrickfilms
Jobs kauft eine Abteilung der Produktionsfirma Lucasfilm und entwickelt daraus das später auf Animationsfilme spezialisierte Studio Pixar. Mit Filmen wie «Findet Nemo» (2003) setzt das von Jobs geführte Unternehmen neue Standards. Pixar wird 2006 von Disney übernommen. Jobs ist seitdem der größte Disney-Aktionär.
seit 1994: Entwicklung des Betriebssystems Mac OS X
Nach internen Streitigkeiten verlässt Jobs Apple 1985 und gründet das Unternehmen NeXT Computer. 1994 entwickelt NeXT zusammen mit Sun Microsystems die Software-Plattform OpenStep, später das System NextStep. Diese dienen nach der Übernahme von NeXT durch Apple (1996) als wichtige Vorarbeiten für das Betriebssystems Mac OS X. Dessen Grundlage ist das Unix-System Darwin, darüber spannt sich eine besonders eingängige Benutzerführung. In diesem Jahr stellte Jobs die neueste Version Mac OS X 10.7 «Lion» vor.
seit 1998: Erneuerung des integrierten Computersystems
Mit dem Schreibtischcomputer iMac knüpfte Jobs 1998 - bald nach seiner Rückkehr zu Apple - an ältere Vorbilder an, die Rechner und Bildschirm in einem einzigen Gerät integrierten. In diesem Jahr wurde eine neue Version des iMacs eingeführt.
seit 2001: Standard für tragbare Musikabspielgeräte
Mit dem 2001 vorgestellten iPod setzt Apple neue Maßstäbe für die ab 1995 eingeführten mobilen MP3-Player. Zusammen mit den später eingeführten Varianten «iPod Mini», «iPod Nano» und «iPod Shuffle» wird das Gerät in kurzer Zeit zum Marktführer.
seit 2003: Internet-Vertrieb für Musik, Filme und Software
Der 2003 gestartete iTunes Store entwickelt sich zum führenden Online-Portal für das legale Herunterladen von Musik - später auch von Filmen, Software und anderen Inhalten. Als Erfolgsrezept erweist sich die enge Verknüpfung von iTunes mit mobilen Geräten und Computern sowie die Unterstützung auch für den Windows-PC.
seit 2007: Pionier der Smartphone-Revolution
Mit dem Satz «Wir werden das Telefon neu erfinden» stellte Jobs 2007 das iPhone vor. Das Smartphone mit Touch-Display setzt Maßstäbe für den gesamten Markt der Hersteller von Mobiltelefonen.
seit 2010: Erneuerung des Tablet-Computers
Das im Januar 2010 von Jobs präsentierte iPad macht die wenig erfolgreiche Gerätekategorie des Tablet-Computers mit einem Schlag zum Massengeschäft. Wie beim Smartphone bemühen sich zahlreiche weitere Hersteller, an den Erfolg anzuknüpfen, und entwickeln eigene Tablet-Computer.




Kommentare